29. November 2018 · HR · von

Recruiter Experience: So erleben HR-Manager ihren Job

Hohe Erwartungen und komplexe Anforderungen: Recruiter müssen sehr viel leisten und stehen unter großem Erfolgsdruck. Dabei wünschen sich die meisten HR-Manager im Job mehr Unterstützung und mehr Anerkennung von Chefs und Kollegen. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Recruiter Experience hervor. Wir werfen einen Blick auf die Ergebnisse.

Inserate schalten, Bewerbungen sichten und ab und zu ein Interview: Personaler empfinden ihren Beruf häufig als sehr administrativ und Prozess-getrieben. Dabei haben sie mit hoher Erwartungshaltung und stetiger Veränderung zu kämpfen. Schließlich sind die neu rekrutierten Mitarbeiter entscheidend für den Unternehmenserfolg. Die Recruiter Experience Studie 2018 von meta HR Unternehmensberatung und stellenanzeigen.de zeigt, wie HR-Verantwortliche ihre Position erleben, was sie beschäftigt und welche Zukunftspläne sie haben.

Jung, weiblich, akademisch: Das typische HR-Manager Job-Profil

62 Prozent der Personalverantwortlichen sind weiblich, allerdings entdecken auch immer mehr Männer dieses spannende Tätigkeitsfeld für sich. Allen gemeinsam ist ein vorwiegend akademischer Hintergrund. 80 Prozent haben studiert, die Hälfte davon Wirtschaftswissenschaften. Personalagenden scheinen besonders für junge Arbeitnehmer interessant zu sein, denn zwei von drei befinden sich laut Angaben im ersten Karrieredrittel. 15 Prozent sind Quereinsteiger, die zuvor in Fachbereichen des Unternehmens tätig waren. Die größte Motivation: Arbeit mit Menschen.

Recruiting ist Teamwork

Wie aus der Studie hervorgeht, wird Recruiting meistens in kleinen Teams betrieben. In Unternehmen bis zu 250 Mitarbeitern kümmern sich 2,4 Vollzeitkräfte ums Personal, bis 1000 Mitarbeiter werden 3,3 HR-Verantwortliche beschäftigt. Gemeinsam erledigen sie vor allem administrative Aufgaben rund um die Bewerberverwaltung und Prozessabwicklung. Das große Automatisierungspotenzial in diesen Bereichen ist den meisten zwar bekannt, wird aber von den wenigsten genutzt.

„Empathie, Aufgeschlossenheit und Verlässlichkeit sind die wichtigsten Eigenschaften eines
Recruiters.“

Interessant: Obwohl HR als „People Business“ angesehen wird und die meisten Recruiter am liebsten „mit Menschen arbeiten“ möchten, geben nur sechs von zehn Befragten Bewerbungsgespräche als Hauptaufgabe an. Stellenanzeigen erstellen, schalten und Bewerbungen vorsortieren nimmt einen weitaus höheren Stellenwert ein. Dazu nützen die Recruiter vor allem Online-Kanäle.

Die Top 3 Rekrutierungskanäle:

  1. Eigene Karrierewebsite (70 Prozent)
  2. Online-Jobbörsen (69 Prozent)
  3. Active Sourcing, MA-Empfehlungen (je 51 Prozent)

Candidate Experience: So erleben Recruiter den Bewerbungsprozess

Im Durchschnitt finden Arbeitgeber ihren neuen Mitarbeiter innerhalb von zwei Auswahlrunden. Diese erstrecken sich in den meisten Fällen über vier bis sechs Wochen – zu lang, wenn es nach den Bewerbern geht, wie die aktuelle Candidate Journey Studie zeigt. Dennoch bewerten die meisten Recruiter ihre eigene Candidate Experience mit 4,4 von 6 – ein wenig besser als die befragten Kandidaten. Diese geben 3,75 Punkte für den Bewerbungsprozess.
Um zur richtigen Entscheidung zu kommen, geben die meisten HR-Verantwortlichen persönliche Interviews (98 Prozent) und Telefon-Interviews (68 Prozent) an. Diagnostik-Tools wie Assessment Center oder Cultural Fit Tests werden am wenigsten angewendet – der „persönliche Eindruck“ eines Kandidaten ist für die meisten Bewerbungen immer noch entscheidend. Interessant ist dabei jedoch, dass bei der Hälfte der Einstellungen gar kein Recruiter mitentscheiden darf.

Feedback und Erfolgsquoten: Recruiter-Controlling lässt zu wünschen übrig

Ob sie ihre Arbeit gut machen, erfahren Recruiter am häufigsten von den Fachabteilungen ihrer Unternehmen und den neu eingestellten Mitarbeitern. Die abgelehnten Bewerber werden hingegen fast nie um ihre Meinung zum Bewerbungsprozess gebeten. Dabei kommen nett formulierte Absageschreiben mit der Bitte um kurzes Feedback besonders gut bei den abgelehnten Kandidaten an und sind richtig gute Werbung für die eigene Arbeitgebermarke.
Selbstreflexion und Erfolgsmessung scheint im Recruiting aber generell nicht sehr üblich zu sein. Die Qualität des Controllings wird von den Studienteilnehmern mittelmäßig bewertet und nur ein Viertel nennt das Thema als Aufgabenschwerpunkt. Zwar dürften HR-Verantwortliche bei der Auswahl den richtigen Riecher zu haben, denn nur sieben bis acht Prozent der Eingestellten überstehen das erste Halbjahr nicht; jede fünfte Stelle bleibt aber unbesetzt.

Darum bleiben Stellen unbesetzt:

  • zu wenige qualifizierte Kandidaten (57 Prozent)
  • zu wenige Bewerbungen (33 Prozent)
  • zu hohe Anforderungen der Fachbereiche (25 Prozent)
  • zu wenig attraktives Gehalt (21 Prozent)

So zufrieden sind die HR-Manager im Job

Nach dem Stellenwert im eigenen Unternehmen befragt, bewerten Recruiter diesen mit 4,3 von 6. Gleichzeitig wünschen sie sich jedoch mehr Einfluss auf die Einstellung und mehr Unterstützung von Geschäftsführung, Marketing und Fachabteilungen. Dabei lässt sich beobachten, dass der eigene Stellenwert umso höher eingeschätzt wird, je weniger Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt sind. Recruiter in der IT-Branche nehmen ihren Stellenwert generell höher wahr.
Wenig überraschend ist die Zufriedenheit mit dem Beruf dann höher, wenn Recruiter ein großes Mitentscheidungsrecht bei Einstellungen haben. Generell sind die Personaler aber zufrieden mit ihrer Position: 87 Prozent würden ihren Beruf wieder ergreifen. Bei mehr als zehnjähriger Erfahrung steigt dieser Wert sogar auf 96 Prozent.

Weniger Administration, mehr Networking: Die Zukunft des Recruiting

Der wachsende Wettbewerb um die besten Mitarbeiter bestimmt auch im Recruiting die Zukunftsthemen: An erster Stelle wollen HR-Manager die Candidate Experience optimieren, gefolgt von besserem Networking. Auch die Unternehmenskultur soll als Wettbewerbsfaktor stärker ausgebaut werden. Um Zeit für diese Tätigkeitsfelder zu haben, möchten viele Personaler zudem auf stärkere Automatisierung im Bewerbungsmanagement setzen, zum Beispiel mit Robot Recruiting. Den Umgang mit Analytic-Tools setzen Recruiter auf Platz 4 der künftig gefragten Anforderungen.

„Soziale und kommunikative Fähigkeiten zeichnen den Recruiter der Zukunft aus.“

Die wichtigsten Fähigkeiten zukünftiger HR-Manager im Job:

  1. Networking mit Talenten (88 Prozent)
  2. Aufbau und Pflege eigener Recruiting-Marke (69 Prozent)
  3. Networking mit HR-Kollegen und Experten (60 Prozent)

 

Bildnachweis:fizkes/shutterstock

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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