8. Mai 2018 · HR · von

Pokerface im Bewerbungsgespräch: Schwindelt dieser Kandidat etwa?

Kandidaten, die sich im Bewerbungsgespräch als Pinocchio versuchen, sind keine Seltenheit. Mit kleinen Flunkereien erhoffen sie sich, Schönheitsfehler im Lebenslauf kaschieren, angegebene Kenntnisse aufpolieren und sich selbst insgesamt als Person besser darstellen zu können. Das nicht zu entschlüsselnde Pokerface – ein Mythos, weiß Experte Michael Meudt, der vom Unternehmen Michael Page zum Thema befragt wurde. Wer auf folgende Punkte achtet, der knackt jede noch so harte Nuss.

Verdächtige Anzeichen dafür, dass Lügen im Spiel sein könnten

Wie und in welcher Intensität Lügner sich durch körperliche Signale verraten, ist eine individuelle Angelegenheit. Oft handelt es sich um nur feine Unterschiede in Mimik und Gestik, die das geschulte Auge auf die richtige Spur bringen, und von einem gesteigerten Stressempfinden ausgelöst werden. Besonders aufmerksam sollte man hinsichtlich folgender Stress- und Nervositätsanzeichen sein:

  • Abrupte Veränderung der Körpersprache: Mimik und Gestik sind individuell und fester Bestandteil unserer Persönlichkeit. Wenn der Gesprächspartner plötzlich von seinem Normverhalten abweicht, sich häufig in Gesicht und an den Armen kratzt oder unruhig mit den Händen ringt, sollte man auf der Hut sein.
  • Wiederholung von Fragen: Eine gängige Taktik, um Zeit zu schinden und sich schnell eine Lüge zu überlegen, ist das Wiederholen der gestellten Frage oder die Behauptung, diese nicht verstanden zu haben.
  • Einstudierte, überlegte Antworten: Wenn die Antwort auf eine bestimmte Frage wie mechanisch herunter gerasselt wird, kann das darauf hinweisen, dass sich der Bewerber bereits im Vorfeld eine perfekte Antwort zurecht gelegt hat.
  • Ausweichende Antworten: Das Gegenstück zum vorherigen Punkt. Unangenehmen Fragen weichen schwindelnde Bewerber aus, indem sie sich in ausschweifende Umschreibungen flüchten und so vom Wesentlichen ablenken.
  • Zögern: Wer beim Sprechen offensichtlich zögert, häufig ein „Ähh“ und „Hmm“ einschiebt oder aus dem Stottern nicht mehr herauskommt, versucht vermutlich, nicht beim Flunkern erwischt zu werden.
  • Ablenkung: Um dem Gegenüber nicht direkt ins Gesicht sehen zu müssen, lenken sich Lügner gerne mit ihrem Umfeld ab. Das unnötige Zurechtrücken eines Stiftes oder Notizbuches oder das Beseitigen von Fusseln und Fäden auf der Kleidung sind übliche Beispiele.
  • Starkes Schwitzen: Schweißtropfen auf der Stirn und feuchte Handflächen sind deutliche Anzeichen für Stress und können Anlass zur Vorsicht geben.

Achtung vor Fehlinterpretationen!

Diese gängigen Stressreaktionen sind jedoch nicht zwingend an eine Lüge gekoppelt. Das Bewerbungsgespräch stellt für viele Kandidaten eine nervenaufreibende Situation dar. Immerhin ist der Druck, sich von seiner besten Seite zu zeigen, enorm groß. Es empfiehlt sich daher, die Anfangsphase des Gespräches mit unscheinbaren Fragen einzuleiten, um das normale Verhalten des Bewerbers feststellen zu können. Die Kunst besteht also nicht darin, bestimmtes Verhalten mit Lügen zu verbinden, sondern das normale Verhalten zu erkennen und folglich über Normabweichungen Schwindeleien zu durchschauen.

 

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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