3. April 2017 · Arbeitsleben · von

Anleitung zum Müßiggang: Wie viel Nichtstun hältst du aus?

Einmal gar nichts tun! Ein Wunsch, der vor Wochenenden und Urlauben manchmal besonders stark ist. Ist die ersehnte Freizeit dann da, merken viele: Nichtstun, das ist wirklich schwer. Im Job sind Phasen des Leerlaufs oft ebenfalls nicht möglich und außerdem nicht gerne gesehen. Haben wir den Müßiggang verlernt?

Gar nicht so einfach, dieses Nichtstun. Im Arbeitsleben ist es ohnehin tabu, nicht beschäftigt zu sein, aber auch in der Freizeit fällt Müßiggang oft schwer. Dabei ist die Sehnsucht nach Stille und unproduktiven Auszeiten größer denn je. Meditationsapps versprechen: Fünf Minuten nichts denken, das kriegst du hin! Oder das komplette Gegenteil, ganz ohne technische Unterstützung: Im Digital-Detox-Camp bezahlen Teilnehmer dafür, dass sie ihr Mobilgerät abgeben und beim stillen Yoga ihre innere Mitte finden.

„Hast du morgen Nachmittag Zeit?“
– Nein, da tue ich schon nichts.

Langeweile und Nichtstun haben einen schlechten Ruf – zu Unrecht. Unproduktive Auszeiten geben dem Geist Gelegenheit, sich zu erholen und im Unterbewusstsein Dinge zu ordnen. Das hilft, den Blick für Wesentliches wiederzufinden. Wer im Urlaub bereits einmal ein paar Tage völlig unproduktiv verbummelt hat weiß, dass sich irgendwann der Wunsch regt, wieder etwas zu machen und zu schaffen. Und plötzlich ist sie wieder da, die Lust ein altes Hobby wieder aufzugreifen oder die Gewissheit, wohin es in naher Zukunft eigentlich gehen soll.

Kleine Anleitung zum süßen Nichtstun

#1 Auf eine Sache konzentrieren

Nichtstun ist schwierig, aber nur eine einzige Sache zu tun ist für viele ebenfalls sehr schwierig. Auf den Bus warten, ohne das Smartphone zur Hand zu nehmen? Einen Film schauen ohne zwischendurch einen der Schauspieler zu googlen? Im Meeting nicht noch nebenbei eine E-Mail tippen? Vor allem leidenschaftlichen Multitaskern wird es schwer fallen, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren. Vom Nichtstun auf Profilevel ganz zu schweigen! Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um deinen Fokus nur auf eine Sache zu richten: Höre bewusst einen Song, betrachte ein Bild, kritzle selbst ein Kunstwerk oder schaue einfach aus dem Fenster und beobachte, was sich draußen in der Welt tut.

#2 Durchhalten!

Von 100 auf Null: Wer sein Projekt „Süßer Müßiggang“ zu ambitioniert angeht, der leidet eventuell eine Niederlage. Denn zu Beginn fühlt sich Nichtstun nicht gut oder zumindest sehr ungewohnt an. Vor allem im Arbeitsumfeld. Wer starrt schon gerne guten Gewissens zehn Minuten einfach aus dem Fenster oder verschönert die Schreibtischunterlage mit kleinen Zeichnungen? Deshalb: Zu Beginn nur kurze Pausen des Müßiggangs einlegen und nicht zwanghaft auf Tätigkeits-Entzug gehen.

#3 Die Perspektive wechseln

Zeit, in der man nichts tun kann, ist keineswegs verlorene Zeit – das wird von vielen aber gegenteilig wahrgenommen. Die Bahn hat Verspätung? 10 Minuten verloren! Lange Wartezeit im Supermarkt? Nur verlorene Zeit! Nutze diese kleinen, oft aufgezwungenen Pausen, um dich zu sammeln und ohne schlechtes Gewissen die Gedanken wandern zu lassen. Gegen viele der kleinen, täglichen Unterbrechungen kannst du ohnehin nichts unternehmen – also wozu darüber ärgern?

Noch mehr Infos zum notwendigen Leerlauf

Bildnachweis: maxpetrov / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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