3. August 2017 · Arbeitsleben · von

Entscheidungen treffen: Wer öfter Nein sagt, hat mehr vom Leben

Nein. Ein kleines Wort mit großer Wirkung. Vorausgesetzt, du bringst es über deine Lippen. Wie oft hast du schon Ja gesagt zu Dingen, die du eigentlich gar nicht wolltest? Und am Ende denkst du: Hätte ich doch gleich Nein gesagt! Was falsche oder vermiedene Entscheidungen mit uns machen, damit beschäftigen sich Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem Buch “Nein. Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können”.

Wir leben in einer Welt voller Wahlmöglichkeiten: Lehre oder Studium? Weltreise oder Urlaub zu Hause? Heirat oder lieber wilde Ehe? Arbeitgeber A oder B? Vollzeit oder Teilzeit, was darf’s sein? Theoretisch steht uns die Welt also offen – aber nur theoretisch. Denn viele Wahlmöglichkeiten stellen uns vor zahlreiche Entscheidungen – und die plagen uns. Was ist die richtige Wahl? Wer sich für eine Sache entscheidet, der entscheidet sich damit auch gegen viele andere Optionen. Was, wenn die bessere Wahl sich in einer der abgelehnten Optionen versteckt?

Die Freiheit, Nein zu sagen

Wer sich entscheiden muss, der sagt entweder Ja oder Nein – und besonders letztere Option hat es in sich. Es ist nur ein kleines Wort, und trotzdem tun wir uns oft so schwer damit: Nein. Denn laut Anja Förster und Peter Kreuz wurden wir alle von Kindesbeinen an zu Ja-Sagern erzogen: der Linie folgen, sich anpassen. Das brave Schulkind, der perfekte Bewerber sein. Das erschwert auch im Erwachsenenleben das Fällen von Entscheidungen. Im schlimmsten Fall lebt man dann ein Leben, das man so eigentlich gar nicht führen möchte.

Vier Typen der Unentschiedenen haben Förster und Kreuz in ihrem Buch herausgearbeitet. Erkennst du dich in einem wieder?

  • Der Träumer
    Er verspürt zwar den Drang zu Freiheit und Unabhängigkeit, fühlt sich von den vielen Wahlmöglichkeiten im Leben jedoch überfordert. Verunsichert und passiv überlässt er anderen die Entscheidung über sein Leben. Wenn er etwas nicht tun kann, liegt das an den anderen: “Du kannst das ja machen, aber in meiner Situation geht das wirklich nicht!”  Die Entscheidungslosigkeit zieht sich durch bis ins Berufsleben: Gemacht wird, was in der Stellenbeschreibung steht und Änderungen müssen schon “die da oben” anstoßen. Der Träumer ist innerlich konstant zerrissen: Einerseits weiß er, dass das Leben mehr zu bieten hätte, andererseits hat er nicht das Gefühl, sein Leben selbst in der Hand zu haben.
  • Der Stammgast
    Sehr orientiert und nach fixem Schema lebt er sein Leben. Von der Automarke über die klassische Karriere bis hin zur politischen Ansicht – alles bleibt so, wie es ist. Aufstehen, arbeiten gehen, heimfahren, fernsehen, schlafen. Er tut, was gemeinhin als normal gilt. Durchhalten bis zum Ruhestand. Das Streben nach Sicherheit hat seinen Preis: Selbstbestimmung und Mut zum Risiko bleiben auf der Strecke. Was bleibt ist der Funken Hoffnung für die Zeit nach dem Erwerbsleben. “In der Pension hole ich dann alles nach!”
  • Der Pauschaltourist
    Dieser Typ hat einen klaren Lebensplan und startet durch: Studium, Heirat, Haus, Kinder, Karrieresprung, Ruhestand. Sicherheit und Kontinuität genießen bei ihm hohen Stellenwert – ein lückenloser, perfekter Lebenslauf ist für ihn das Um und Auf eines gelungenen Lebens. Was seine Karrierechancen gefährden könnte, macht er auch nicht. Neue Dinge? Ja gerne – aber nur, wenn sie auch ganz fix funktionieren. Insgeheim träumt der Pauschaltourist von einer zweiten Geburt. Einfach nochmal anfangen und diesmal alles anders machen. Weil das aber zu unsicher ist, vertagt er seine Träume. “Wenn die Kinder erstmal aus dem Gröbsten raus sind, dann…”
  • Der Globetrotter
    Er probiert gerne Neues aus und ist für Spannung, Spaß und Action sofort zu haben. Disziplin, Durchhaltevermögen oder das Tragen von Konsequenzen sind jedoch nicht sein Ding. “Ich halte mir alle Türen offen”, sagt der Globetrotter und springt von einer reizvollen Sache zur nächsten. Klappt einmal etwas nicht, wälzt er die Verantwortung reflexhaft auf Personen oder die Umstände ab. So muss er niemals die Verantwortung für die Konsequenzen einer Entscheidung übernehmen.

“Danke, das möchte ich nicht!”

Wer sich in seinem Leben an einem Punkt befindet, an dem er vielleicht gar nicht sein möchte, der hat vielleicht ein paar Mal zu oft “Ja” gesagt und die unpassenden Entscheidungen getroffen. Die gute Nachricht: Mit dem Nein-sagen kannst du ab sofort loslegen, mit diesen Tipps der Autoren fällt es auch leichter:

Not-To-Do-Liste

Was für dich überflüssig geworden ist oder sich als Last herausstellt, kommt auf die Liste der Dinge, die du ab sofort nicht mehr tun möchtest. Etwas nicht zu tun ist mindestens genauso wichtig wie Dinge, die du tust. Du fühlst dich nach einer Entscheidung schlecht (“Das waren wirklich zwei vergeudete Stunden!”)? Setz es auf deine Liste! Vom Abend, den du mit einem schlechten Film vor dem Fernseher vergeudet hast bis zur Bekanntschaft mit einer Person, die dich eigentlich nervt. Was du nicht mehr machen willst, kommt auf die Liste. Diese Dinge bewusst wahrzunehmen statt wegzuschauen, das erfordert etwas Mut aber ist der erste Schritt zum Nein.

Das große Ja finden

Wer zu gewissen Möglichkeiten Nein sagen möchte, muss wissen, wozu er Ja sagen will – Anja Förster und Peter Kreuz nennen es “das große Ja”. Wer das nicht kennt, kennt auch den Weg nicht, den er gehen möchte. Und woher willst du wissen, welche Dinge du ausschlagen sollst, wenn du dein Ziel nicht kennst? Selbstreflektion ist etwas, das viele Menschen nicht praktizieren. Folgende Fragen kannst du als Ausgangspunkt verwenden: Ist mein Leben nach den Dingen ausgerichtet, die mir wirklich wichtig sind? Bin ich der Mensch, der ich sein will?

Das Buch “Nein. Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können” ist im Pantheon Verlag erschienen.

Bildnachweis: Falcona/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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