12. Februar 2018 · Arbeitsleben, HR · von

Mobbing: Warum Kollegen oft wegsehen

Für viele Arbeitnehmer steht Mobbing durch Kollegen oder Vorgesetzte an der Tagesordnung. Laut einer aktuellen Studie sagen zwei von drei Österreichern, dass sie bereits Mobbing an ihrem Arbeitsplatz erlebt hätten. Häufig treten die „Täter“ in Gruppen auf oder sind sogar Führungskräfte. Kollegen von Mobbingopfern fällt es daher oft doppelt schwer, diesen zu helfen.

500 Österreicher wurden für die repräsentative Viking-Studie  befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema Mobbing unter Kollegen für viele tagtäglich präsent ist. Jeder kann Opfer werden, egal ob Führungskraft, Produktionsmitarbeiter oder IT-Experte. Noch erschreckender ist jedoch die Tatsache, dass jedem Mobbingopfer aber mindestens ein Verursacher, wenn nicht sogar eine ganze Gruppe gegenübersteht.

Isolation des Opfers ist Ziel von Mobbing

„Mobbing ist in den meisten Fällen ein Phänomen, das vielleicht von einer oder zwei Personen ausgeht, aber viele andere folgen – das sogenannte Mitläufertum. Das Wesen von Mobbing besteht auch aus der zunehmenden Isolation des Opfers“, erklärt Psychotherapeutin und Mobbingexpertin Elisabeth Knizak.

Laut Studie sagen 40,4 Prozent der Österreicher, dass Mobbing an ihren Arbeitsplätzen ein Problem darstellt. Zwei Drittel (66,8 Prozent) geben an, Mobbing am Arbeitsplatz schon einmal erlebt zu haben. Drei Viertel aller Befragten (75,4 Prozent) sagen sogar, dass sie die Firma verlassen werden, wenn sie Opfer würden oder eine hartnäckige Mobbingkultur in ihren Teams herrschen würde.

Kollegen, die bei Mobbing nicht reagieren

Entscheidend für Opfer und auch das gesamte Unternehmen kann es sein, ob Mobbing als das erkannt wird, was es ist – und wie Kollegen darauf reagieren. Die, laut Viking-Studie, vier häufigsten Gründe, warum Mitarbeiter nicht eingreifen, wenn sie Mobbinghandlungen an Teammitgliedern feststellen:

Mobbing und wie Kollegen darauf reagieren

Mobbing-Expertin Knizak dazu: „Oft haben Leute Angst, dass sie eine Situation falsch verstehen und wollen sich nicht blamieren, indem sie sich einmischen. Auch ist die Angst sehr groß, zum nächsten Opfer zu werden. Es gibt ja, wie wir wissen, verschiedene Arten von Mobbing, wie zum Beispiel ‚wirtschaftliches Mobbing‘, wo es darum geht, Leute loszuwerden. Dann gibt es natürlich das ‚Kollegen-Mobbing‘, also das Mobbing im klassischen Sinne.“

Was tun? Mobbing-Tagebuch führen

Um Mobbing zu erkennen und im Endeffekt auch dagegen vorgehen zu können, ist es laut Experten ratsam, ein Mobbing-Tagebuch zu führen: Geschehnisse sollten darin möglichst neutral dokumentiert und mit Unbeteiligten besprochen werden, was dabei hilft, objektiv zu bleiben.

Bildnachweis: ESB Professional / Shutterstock, Viking

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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