25. Juli 2017 · HR · von

Top oder Flop? Es liegt nicht am Job, es liegt an der Führungskraft

„Mein Job ist ja ganz okay – aber der Chef ist unmöglich.“ Aussagen wie diese sind im Arbeitsleben keine Seltenheit. Dass Engagement und emotionale Bindung ans Unternehmen hauptsächlich von den Führungskräften abhängen, zeigt der aktuelle Gallup Engagement Index. Der Haken: Was die Qualität der Führungsarbeit betrifft, klaffen Wunsch und Realität meist sehr weit auseinander.

Schlechtes Führungsverhalten kostet Mitarbeitern Nerven und Arbeitgebern Geld. Innere Kündigung, Dienst nach Vorschrift, Arbeitnehmerkündigungen und die oft langwierige Nachbesetzung vakanter Stellen bringen beachtliche finanzielle Einbußen mit sich: In Deutschland sind es rund 105 Milliarden jährlich. Errechnet hat das der aktuelle Gallup Engagement Index für Deutschland. Der Report hat erfragt, wie es um die Zufriedenheit der Arbeitnehmer steht und wie stark sie sich ihrem Arbeitgeber verbunden fühlen.

Trotz Zufriedenheit geringe Bindung

Grundsätzlich ist die Stimmung unter den Arbeitnehmern gut: Sie sind zufrieden mit ihrem Leben, bewerten die wirtschaftliche Lage als positiv und haben kaum Angst, ihren Job zu verlieren. Trotzdem ist die Mehrheit emotional nicht an ihren Arbeitgeber gebunden. Die Folge von „Dienst nach Vorschrift“: weniger Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbereitschaft. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gallup Index für 2016:

Das sinkende Schiff ist nicht mein Problem

Wenig engagierte Arbeitnehmer schweigen häufiger zu Fehlentwicklungen im Unternehmen. Im Zeitraum eines Jahres hat jeder dritte Mitarbeiter mindestens einmal den Gang zum Chef vermieden und schwere Bedenken für sich behalten. Bei den Arbeitnehmern ohne emotionale Bindung ans Unternehmen ist es sogar jeder Zweite.

Mehr Arbeitnehmer auf Jobsuche

Die geringe Bindung an den Arbeitgeber führt zu höherer Fluktuation. Nur 31 Prozent der Arbeitnehmer mit wenig Bindung sehen sich in drei Jahren noch im selben Unternehmen. Jeder Dritte ist bereits aktiv auf Jobsuche. Im Vergleich dazu ein Blick auf die Gruppe der Mitarbeiter, die eine engere Bindung an den Arbeitgeber aufweisen: 84 Prozent denken, in drei Jahren noch den gleichen Job zu machen.

Zuversicht auf der Jobsuche

Unterstützt wird die Wechselbereitschaft durch die gute Konjunktur. Die Arbeitnehmer sind zuversichtlich, schnell einen neuen Job zu finden. Fast zwei Drittel der Befragten rechnen sich gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. 16 Prozent der Beschäftigten wurden im vergangenen Jahr von Headhuntern kontaktiert.

Arbeitgeber setzen auf falsche Maßnahmen

Der Wille, Arbeitnehmer an das Unternehmen zu binden, ist bei vielen Arbeitgebern da. Es scheitert allerdings an den falschen Maßnahmen. Faktoren wie gutes Gehalt, Sozialleistungen oder flexible Arbeitszeit wirken sich zwar positiv auf Mitarbeiter aus, haben auf langfristige Bindung aber nur geringen Einfluß. Was Mitarbeiter wirklich zufriedenstellt, ist z.B. die Möglichkeit das zu tun, was sie wirklich gut können. Eine als sinnvoll empfundene Tätigkeit, die Kollegen und ein guter Führungsstil sind entscheidende Dinge.

Kündigungsgrund: Führungskraft

Sich selbst stellen die Führungskräfte ein gutes Zeugnis aus – nicht ganz zu Recht. Denn Wunsch und Realität klaffen beim Thema Führungsqualität weit auseinander. Nur jeder fünfte Befragte fühlt sich durch die erlebte Führung zu hervorragender Leistung motiviert. 18 Prozent haben in den letzten zwölf Monaten bereits daran gedacht, aufgrund ihrer direkten Führungskraft zu kündigen. Die Vorgesetzten sind sich ihrer Defizite allerdings nicht bewusst: 97 Prozent halten sich selbst für einen guten Chef. So haben 2016 auch nur 40 Prozent der Führungskräfte eine Weiterbildung besucht, um den Umgang mit ihren Mitarbeitern zu verbessern.


Über den Engagement Index Deutschland

Gallup erstellt den Engagement Index seit 2001 jährlich anhand von Fragen zu Arbeitsplatz und -umfeld. Die repräsentative Studie gibt Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Für die jüngste Untersuchung wurden insgesamt 1.413 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer in Deutschland ab 18 Jahren telefonisch interviewt.

Bildnachweis: jehsomwang/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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