Erstellt am 13. Februar 2020 · Arbeitsleben · von

Kollegin Künstliche Intelligenz – was du über KI in der Arbeit wissen solltest

Lesezeit: 5 Minuten

„Alexa, schreib meinen Bericht fertig!“ Künstliche Intelligenz wird schon sehr bald nicht mehr wegzudenken sein aus der Arbeit. Aber wie wird sie uns beeinflussen, unterstützen oder ersetzen? Welche Überraschungen birgt die neue Kollegin? Ein KI-Experte aus der Kreativbranche verrät es:

New Work ohne Künstliche Intelligenz (KI) – beinahe undenkbar. Denn wo Maschinen leisten, was wir nicht mehr leisten wollen, werden wir freier in unserer Wahl: Was wollen wir wirklich?
Die Zusammenarbeit mit KI ist eine Herausforderung, ermöglicht aber auch ganz neue Horizonte. Im Rahmen eines Workshops der Creative Region Linz & Upper Austria gab uns der Geschäftsführer der Digitalagentur TUNNEL23 und KI-Experte Michael Katzlberger Einblicke in die neuen Dimensionen und verrät uns, welche Tools uns schon jetzt das Leben erleichtern.

Künstliche Intelligenz 101

Was genau ist Künstliche Intelligenz? KI ist eine Universaltechnologie, die alle Branchen durchdringt, vergleichbar mit Strom. Ihr liegt etwas Magisches inne: KI ist überall, man sieht sie aber nicht. Der Begriff der Künstlichen Intelligenz meint im Übrigen das große Ganze, viele Disziplinen fließen darin ein: Mathematik, Informatik, Robotik, Philosophie, Ethik etc.

Man unterscheidet zwischen drei Arten von KI:

  • schwache KI (Alexa, Staubsaugerroboter etc.)
  • starke KI (erreicht menschliches Niveau, siehe Film „Ex Machina“)
  • Superintelligenz (Terminator, Matrix – eine Intelligenz, die die menschliche überflügelt, momentan noch immer negativ besetzt)

Das Stück „SacreCoeur“ wurde von künstlicher Intelligenz komponiert.

Was ist ein Algorithmus? Dabei handelt es sich um ein Regelwerk, in etwa wie ein Kuchenrezept.

Warum gibts das jetzt erst? Bisher waren Computer zu langsam, außerdem braucht man dazu leistbare Hardware, Deep-Learning-Systeme und Big Data.

Was ist der Turing-Test: Benannt nach Alan Turing (brit. Mathematik-Genie, „Enigma“). Der Test funktioniert folgendermaßen: Ein Mensch stellt Fragen an einen Menschen und an eine KI (der Fragensteller und die zwei antwortenden Instanzen sind räumlich voneinander getrennt). Kann der Fragensteller anhand der Antworten nicht feststellen, dass es sich um eine Maschine handelt, ist der Turing-Test bestanden. Übrigens ist dies bereits passiert. Beispielsweise gibt es KI-Systeme von Google (Duplex) die Termine am Telefon vereinbaren und nicht als solche identifiziert werden.

Wie funktioniert KI?

Wie lernt KI? Die Künstliche Intelligenz lernt ganz ähnlich einem Kleinkind. Sieht es eine Katze, lernt es, indem die Eltern auf die Katze zeigen und das Wort dazu nennen. Mit der Zeit lernt das Kind zu abstrahieren und erkennt auch andere Arten von Katzen, Comic- oder Plüschkatzen. Nicht unähnlich vergleicht auch die KI mehrere Bilder von Katzen (bloß sind es hier Millionen davon!) – diese werden analysiert. Das Ergebnis ist ein Machine-Learning-Modell, welches verwendet werden kann, um Katzen auch ohne einen Menschen identifizieren zu können.

Wer trainiert diese Maschinen? Daten sind der Treibstoff für KI. Je mehr (offene) Daten, umso besser läuft das Ganze. Gesetzliche Einschränkungen wie die DSGVO setzen der Entwicklung in gewissen Bereichen einen Riegel vor. Zum Vergleich: In China herrscht quasi eine digitale Diktatur. Das beschert dem Land in puncto KI einen großen Vorsprung.

Wozu das alles? Google ist dabei, alle Bücher dieser Welt zu scannen, und wird damit bald die größte Bibliothek der Welt sein. Auch erfasst man bei Google alle bedeutenden Kunstwerke („Google Arts and Culture“) und wird irgendwann das größte Museum der Welt sein. Die Lernkurve der KI ist deutlich steiler als die des Menschen. So hat die Google-Tochter Deepmind etwa eine Software geschrieben, die dem autodidaktischen Computerprogramm „AlphaZero“ komplexe Brettspiele beibringt. Nur vier Stunden hat dieses gebraucht, um Schach zu erlernen und danach den besten Schachcomputer der Welt zu besiegen.

The Winner takes it all!

Hier geht es um Geschwindigkeit. Das Rennen um die KI-Vorherrschaft hat begonnen! Fast jedes Land hat bereits Strategien herausgebracht. Auch Österreich hat eine Strategie festgelegt, die man hier nachlesen kann. Zudem hat es die KI ins neue Regierungsprogramm geschafft.

Bild von KI gemalt

KI kann auch Bilder „malen“. Mehr über GAN Kunst

Menschen und Maschinen – so verändert die KI unsere Arbeit

Computer werden schlauer als Menschen – dieses Phänomen, die so genannte technische Singularität, soll laut Forschern um 2040 eintreffen. Aber welche Auswirkungen hatten die Digitalisierung und der technische Wandel der letzten Jahrzehnte eigentlich auf uns Menschen?

Der Mensch: Eine Aufmerksamkeitsspanne wie ein Goldfisch

Traurig, aber wahr: Unsere Aufmerksamkeitsspanne soll mittlerweile der eines Goldfischs entsprechen – nämlich 8 Sekunden. Dennoch machen uns die Entwicklungen der KI immer unabhängiger – zumindest von einer Fülle an technischen Geräten: Während man in einem Büro der Neunzigerjahre meist einen PC, ein Telefon, ein Faxgerät, einen Drucker, einen Taschenrechner, vielleicht auch ein Aufnahmegerät fand, wirkt der Schreibtisch zwanzig Jahre später fast kahl: Der PC ersetzt beinahe alles, auch ein Telefon ist meist nicht mehr vorhanden und das Faxgerät kennen viele der jüngeren Generation nur noch aus Erzählungen. Wer weiß, ob wir bald nur noch mit Sprachassistenten und anderen Tools der Künstlichen Intelligenz arbeiten?

Welche Probleme gibt es mit der KI?

Das Hauptproblem im Umgang mit der Künstlichen Intelligenz ist folgendes: Wir sind nicht ausreichend vorbereitet. Vieles, das sich momentan noch anhört, als wäre es die Handlung eines Science-Fiction-Filmes, ist tatsächlich schon möglich – bloß ist es noch nicht erlaubt oder gesellschaftsfähig. Das ist eine Frage der Zeit und der Strategie, die es zu erarbeiten gilt.

Fragen, die wir uns im Umgang mit KI unbedingt stellen sollten:

  1. Muss sich eine KI deklarieren, z. B. wenn sie mich anruft?
  2. Wer schreibt in Zukunft Diplomarbeiten, wer macht Job-Interviews?
  3. Wer besitzt die Rechte auf KI-Kunst? (z. B. automatisiert erstellte Musik-Kompositionen)
  4. Wie gehen wir mit Deepfake um? (täuschend echt wirkende Bilder oder Videos, die mit KI manipuliert wurden)
  5. Das Bias-Problem: algorithmische Voreingenommenheit (diskriminierender AMS-Algorithmus; Menschen, die aufgrund ihrer Ethnie von der KI nicht als Menschen erkannt werden etc.)

Wird uns die Maschine bald ersetzen?

Machen wir uns eines nicht vor: In den Bereichen Effizienz und Skalierbarkeit ist der Mensch der Maschine definitiv unterlegen. Wo wir als Menschen aber höchst wahrscheinlich immer unschlagbar sein werden, ist hingegen Intuition, Gefühl und Kreativität. Außerdem gibt es vier ganz einfache Gründe, warum uns die Maschinen nicht so schnell ersetzen werden:

  1. Sie sind total unflexibel
  2. Sie brauchen enorme Mengen an Energie
  3. Der Mensch kann sich viel schneller an seine Umgebung anpassen
  4. Der Maschine fehlt der gesunde Hausverstand

Die besten KI-Helferlein

KI Helfer

Wie heißt es immer so schön: Keine Angst vor der Digitalisierung! Sie nimmt uns nicht die Jobs weg, vielmehr soll sie uns den Arbeitsalltag erleichtern und uns im Sinne des New-Work-Gedankens freier machen, um das zu tun, was wir wirklich tun wollen. Diese Tools und Services vereinfachen unseren Arbeitsalltag:

3 (Softwaretool-)Engel für alle Fälle

  • Für Tippfaule: Die App Voice Notebook (Android) mit Diktierfunktion transkribiert (auch deutsche) Texte sehr gut und erspart damit viel Tipparbeit.
  • Freistellen von Bildern in 5 Sekunden: die kostenlose AI Software „Remove BG“ spart enorm viel Zeit beim Freistellen von Bildern.
  • Bilder (stark) komprimieren ohne große Verluste: Hoch auflösende Bilder online einbinden ohne lange Ladezeiten geht schnell und einfach mit Tiny PNG

Contentmanagement-Tools, die unser Leben erleichtern

  • Answerthepublic: Keywordrecherche – Findet heraus, welche Fragen User zu bestimmten Themen auf Basis ihrer Google Suche haben und gibt dadurch spannende Einblicke für Marketing, Produktentwicklung etc. (Export als Bild oder CSV, Basisversion kostenlos)
  • Ubersuggest: eine kostenlose SEO-Waffe! Wie hoch ist das Suchvolumen für mein Keyword, wie viel Konkurrenz besteht, welche Altersgruppe klickt darauf wie oft, welche Begriffe sind auf welchen Websiten zu finden etc. Das Tool liefert außerdem Keyword-Ideen für Content-Marketing-Strategien und eine kleine Wettbewerbsanalyse.
  • Google Trends: Gibt die neuesten Trends der Google-Suchanfragen aus, zeigt tagesaktuelle Trends („Moments Marketing“), Interessen können im zeitlichen Verlauf, regional und mit anderen Begriffen erfasst und verglichen werden. Besonders interessant: „verwandte Themen“ und „ähnliche Suchanfragen“.
  • Google Suggest: So einfach und doch so hilfreich – der Google Suchschlitz verrät bei der Eingabe eines Wortes mit den darunter angezeigten Begriffen aktuelle Trends. Nicht unterschätzen: Das sind die beliebtesten Suchbegriffe!

Wer noch mehr über KI erfahren möchte, dem empfiehlt Michael Katzlberger folgende Lektüre: „Super intelligenz“ von Nick Bostrom.

Zur Person

Michael Katzlberger studierte Grafik-Design an der Werbeakademie Wien und ist Gründer und Geschäftsführer von TUNNEL23, einer der führenden, unabhängigen Agenturen für digitale Werbung in Österreich. Seit den Neunzigerjahren beschäftigt sich Michael Katzlberger in erster Linie mit innovativen Kreativprojekten zur Weiterentwicklung digitaler Display Werbeformen, insbesondere in den Bereichen Online, Mobile sowie Artificial Intelligence.

Claudia Pisch (derzeit in Bildungskarenz) und Michael Katzlberger von TUNNEL23 haben im Rahmen des Workshops „Storytelling und Content Creation Reloaded“ gezeigt, dass Kreativität und Künstliche Intelligenz sich perfekt ergänzen. Der Workshop fand im Rahmen der Workshopreihe FOKUS: KOMMUNIKATION der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria in Kooperation mit dem CREATIV CLUB AUSTRIA im Jänner 2020 in der Tabakfabrik Linz statt.

Noch mehr KI: Künstliche Intelligenz im HR?

Bildnachweis: Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.