26. April 2017 · Arbeitsleben · von

Ländervergleich: Kinderbetreuung während einer Dienstreise

Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen – gar nicht so einfach. Besonders knifflig wird es dann, wenn Dienstreisen zu längeren Abwesenheiten eines Elternteils führen. Eine Studie der Johannes Kepler Universität in Linz hat untersucht, wie Eltern weltweit diese Schwierigkeit meistern.

51 Frauen aus sieben Ländern haben Iris Fischlmayr und Katharina Puchmüller vom Institut für Internationales Management an der JKU für ihre Forschungen befragt: Welche Art von Unterstützung gibt es für berufstätige Frauen in Deutschland, Österreich, Kanada, Kolumbien, Kroatien, Mexiko und Taiwan, wenn sie dienstlich verreisen?

Über alle Kulturen hinweg schätzen berufstätige Frauen die Unterstützung, die sie von ihrer Familie erfahren wenn es darum geht, den Nachwuchs zu betreuen. Die Hauptorganisation von Kinderbetreuung und Haushalt liegt laut Studie meist in den Händen der Frauen, die beruflichen Reisetätigkeiten nachgehen. Während ihrer Dienstreise übernehmen der Partner, weitere Familienangehörige und fallweise auch Freunde Haushaltsführung und Kinderbetreuung.

Kinderbetreuung während der Dienstreise: Privatsache?

Länderspezifisch fällt die außerfamiliäre Unterstützung sehr unterschiedlich aus. Frauen in Österreich und Deutschland nehmen auch öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch. Dass der Staat berufstätige Mütter unterstützt, ist für sie eine übliche Forderung. Kinderbetreuung als Privatsache, das sehen Frauen z.B. in Mexiko und Taiwan so. Sie nutzen vor allem private Einrichtungen, um den Nachwuchs versorgt zu wissen, oder engagieren ein Kindermädchen. Vom Staat fordern Frauen in diesen Ländern vor allem finanzielle Unterstützung.

Unterstützung durch den Arbeitgeber, das gibt es so nur in der westlichen Welt: Flexible Arbeitszeiten und -orte erleichtern es Frauen, ihrer Reisetätigkeit im Job nachzugehen. Frauen aus westlichen Industrienationen sehen das als wichtigste Maßnahme, die ihnen ein Arbeitgeber bieten kann. In sämtlichen nicht-westlichen Ländern ist diese Form des Vertrauensbeweises allerdings noch nicht Teil der Unternehmenskultur. Einrichtungen wie ein Betriebskindergarten werden in westlichen Ländern zwar als hilfreich angesehen, aber nur von wenigen Frauen tatsächlich genutzt.

Flexibilität stärkt Arbeitgeberimage

Das Fazit der Studienautorinnen: „Firmen, die zeitliche und örtliche Flexibilität ermöglichen, zum Beispiel durch einen Home Office Tag nach einer längeren Reise, werden hierbei sicherlich als die attraktiveren Arbeitgeber gesehen und von der untersuchten Zielgruppe bevorzugt. Gerade in nicht-westlichen Kulturen wäre es für Frauen am wichtigsten, Arbeitszeit und -ort flexibler zu gestalten. Ebenso zeichnet sich generell eher der Ruf nach staatlicher als unternehmensseitiger Unterstützung ab.“

Bildnachweis: mooshny/Shutterstock

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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