26. Juni 2017 · Arbeitsleben, HR · von

Keine Motivation im Job? Ist der Chef schuld?

Es ist so eine Sache, mit der Motivation. Ist sie da, ist alles super aber wehe, wenn nicht. Vor allem lang anhaltende Motivationstiefs sind zermürbend und scheinen oft auswegslos. Woher die Motivation im Job wirklich kommt und welche Aufgabe dabei Chef und Mitarbeiter haben, verrät Psychologe, Autor und Coach Klaus Sejkora im Interview.

Geld ist NICHT das Wichtigste

Woher kommt ein Motivationstief?

Klaus Sejkora

Klaus Sejkora: Es gibt eine Menge möglicher Ursachen. Wenn man von jenen im privaten oder gesundheitlichen Bereich absieht, und sich auf den beruflichen Bereich konzentriert, dann würde ich von der umgekehrten Seite anfangen und fragen: Was motiviert mich eigentlich? Geld ist, entgegen mancher Meinung, nämlich nicht der Hauptmotivator. An erster Stelle steht für mich die soziale Beziehung. Wenn wir in eine Gruppe von Menschen kommen, strecken wir unbewusst unsere Antennen aus und schauen: Wo sind hier Menschen, mit denen eine Unterhaltung bzw. auch Zusammenarbeit interessant sein könnte? Wenn man in der Firma eine Umgebung hat, insbesondere einen Vorgesetzten, der sich nicht für einen interessiert, dann geht das Gehirn auch Standby und das wirkt extrem demotivierend. Also ein Hauptmotivator ist wirklich die Frage: Gibt es Interesse an mir? Sowohl an mir als Mensch, als auch an meiner Arbeit? Gibt es dieses Interesse nicht, ist Dienst nach Vorschrift der nächste Schritt. Der zweite Motivator ist es, in der Arbeit einen Sinn sehen zu können. Einen Sinn für mich selbst aber auch einen Sinn für die Menschheit.

Ich brauche klare und erreichbare Ziele

Gefühlt hört man diesen Wunsch gerade immer häufiger?

Klaus Sejkora: Genau. Wenn ich meine Arbeit nur mache, um Geld zu verdienen, oder wenn ich das Gefühl habe, dass meine Arbeit völlig sinnlos ist, dann ist das sehr demotivierend. Wir alle wollen unserem Leben einen Sinn abgewinnen und den wollen wir auch in der Arbeit finden, wo wir doch den größten Teil unserer wachen Zeit verbringen. Und hier ist egal, was das ist und worin ich den Sinn sehe: Ich muss ihn aber finden. Der dritte Punkt ist es, dass ich klare, nachvollziehbare und erreichbare Ziele haben. Es ist zu wenig zu sagen: Ihr müsst zehn Prozent mehr Gewinn machen, damit die Firma auch Gewinn machen kann.

Lob: Kaum jemand fragt, weshalb etwas gut läuft

Motivationstiefs entstehen also hauptsächlich durch Fehler in der Führung?

Klaus Sejkora: Ich würde sagen ja – aber im weiteren Sinn geht es darum, wie die Führung das Arbeitsumfeld gestaltet.

Welche Tipps haben Sie für Führungskräfte, zum Beispiel um den Mitarbeitern Interesse an deren Person zu signalisieren?

Klaus Sejkora: Man sollte sich zum Beispiel wirklich für die Leistung der einzelnen Mitarbeiter interessieren. Auch oder gerade dann, wenn etwas gut läuft, fragen, weshalb etwas so gut funktioniert hat. Es geht hier zum einen um konstruktive Kritik aber auch um konstruktives Lob. Gerade das Lob wird meist vernachlässigt oder man geht davon aus, dass das ohnehin jeder kann. Fehler hingegen werden bis zum Gehtnichtmehr analysiert. Man sollte aber auch über Erfolge sprechen und sich diese genauer ansehen. Kleine Details des menschlichen Kontakts sind auch wichtig. Man sollte ein wenig über den Mitarbeiter wissen, zum Beispiel einmal nachfragen, wie der Hausbau voran geht oder wie es einer jungen Familie mit dem Nachwuchs geht. Es geht hier nicht darum, zu private Fragen zu stellen oder ins Detail zu gehen, sondern darum, Interesse an der Lebenssiatuion zu haben und auch Bescheid zu wissen, was im Leben eines Mitarbeiters gerade vorgeht.

Wie kleine Kinder: Der Mensch braucht Aufmerksamkeit

Wie kann man seine Führungskraft auf Fehler hinweisen?

Klaus Sejkora: Man kann von der Führungskraft das einfordern, was einem fehlt. Das kann zum Beispiel so aussehen: „Ich würde gerne öfter mit dir über die Aufgabenstellung sprechen, mir ist da manches nicht klar“ oder aber auch „Ich wünsche mir mehr Lob und Anerkennung.“ Man kann sich als Beispiel immer ein kleines Kind vorstellen: Menschen sind grundsätzlich genetisch motiviert, Erfolge zu erzielen und die Welt kennen zu lernen. Ein Kind ist nicht demotiviert, außer, es bekommt zu wenig Aufmerksamkeit. Unser Gehirn ist hungrig nach Neuem, wenn wir in den immer gleichen Abläufen drinnen sind, wird es langweilig und die Motivation sinkt.

„Aufschieberitis“ ist stille Rebellion gegen etwas, das einem sinnlos vorkommt.

Wie kann man sich selbst für ungeliebte Arbeiten motivieren?

Klaus Sejkora: Als erstes sollte man versuchen, den Sinn einer Arbeit herauszufinden. „Aufschieberitis“ ist sehr oft eine stille Rebellion gegen etwas, das einem sinnlos vorkommt. Wenn der Sinn nicht ersichtlich ist, dann sollte man nachfragen. Die Begründung: „Weil es einach getan werden muss“, ist zu wenig. Als zweites sollte man herausfinden, was daran für einen interessant sein könnte. So kann man das eigene Interesse an einer Arbeit wecken. Punkt drei ist der Austausch mit anderen Menschen über die Arbeit: das kann auch im privaten Umfeld geschehen und ja, hier darf man auch über etwas schimpfen, das erleichtert.

Chef ist kein Animateur im Ferienclub

Es ist jetzt aber auch nicht der Job der Führungskraft, wie der Animateur im Ferienclub ständig für Stimmung zu sorgen und zu motivieren. Aufgabe jedes einzelnen Mitarbeiters ist es, sich selbst zu motivieren – das beinhaltet das Unterschreiben eines Dienstvertrages ja auch: dass ich die fachlichen aber auch selbstmotivatorischen Voraussetzungen für einen Job mitbringe.

Zur Person: Klaus Sejkora

Klaus Sejkora, Psychologe, Psychotherapeut, Trainer und Coach, Co-Leiter des Donau Institut Campus für Transaktionsanalyse Deggendorf-Linz für Aus- und Weiterbildung und Führungskräftetraining. Autor und Co-Autor mehrerer Bücher: Trennung oder Neubeginn. Hilfe für Paare in der Krise (2015), Positive Führung. Resilienz statt Burnout. (2015, gemeinsam mit Henning Schulze; 2. überarbeitete und erweiterte Auflage erscheint 2017), Die Kunst der starken Führung. Persönliche Potenziale kraftvoll nutzen – Ressourcen der Mitarbeiter stärken. (2016, gemeinsam mit Henning Schulze)

Bildnachweis: file404 / Shutterstock, Sejkora

Heike Frenner

Heike war lange Zeit Autorin für unseren karriere.blog. Als Kollegin und Tastentiger kam uns die Jung-Mama leider abhanden, ihre Texte bleiben aber erhalten.

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