22. Februar 2017 · Arbeitsleben · von

Karriere in der Kreativwirtschaft: „Der Konkurrenzkampf ist groß“

Grafik, Design, Konzeption & Co.: Eine Karriere in der Kreativwirtschaft klingt für viele verlockend. Wer einsteigen möchte, benötigt dafür nicht unbedingt eine formale Ausbildung – muss aber zeigen, was er fachlich kann. Über Karrieremöglichkeiten, notwendige Voraussetzungen und die eine oder andere Schattenseite des schönen, kreativen Scheins haben wir mit Helmut Kosa, Geschäftsführer der Kreativagentur isobar gesprochen.

Wie wichtig ist eine formale Ausbildung für eine Karriere in der Kreativwirtschaft?

Kosa: Eine formale Ausbildung ist wie in jedem anderen Job eine gute Basis, aber das aktuelle Know-how – etwa für digitale Kreation und innovative Markenführung – eignet man sich am besten durch „learning by doing“ an. Es mangelt hierzulande an Ausbildungsstätten, die Talente für die „digitalen“ Jobs der Zukunft vorbereiten, da die Lehrpläne dem raschen Wandel der Arbeitsrealität hinterherhinken. Da praxisnahes Training „on the job“ sehr wichtig ist, haben wir beispielsweise mit der isobar academy eine Nachwuchs-Akademie für digitale Kreation ins Leben gerufen.

Welche Chancen haben Quereinsteiger und Autodidakten?

Kosa: Auch Quereinsteiger und Autodidakten haben eine Chance in der Kreativbranche, wenn sie Talent, das nötige Fachwissen, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen mitbringen. Zudem sind lebenslanges Lernen und laufende Weiterbildungen ein Muss, um am Puls der Zeit zu bleiben und mit aktuellen Entwicklungen Schritt halten zu können.

Vom Kreativarbeiter zum Berater

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um in der Kreativwirtschaft erfolgreich zu sein?

Kosa: Das Spannende an unserer Branche ist, dass kein Projekt dem anderen gleicht. Standard-Lösungen für die unterschiedlichen Problemstellungen gibt es kaum. Daher sollte man neben prinzipiellen Markenverständnis eine Bereitschaft für neue Ansätze mitbringen, um sich vom „Einheitsbrei“ abzuheben und aufzufallen. Dabei ist es auch nötig, Althergebrachtes hinterfragen zu können und auch einmal „gegen den Strich“ zu arbeiten. Innovative Lösungen für komplexe Aufgabenstellungen entstehen auch, indem man versucht, die Grenzen in seinem Denken niederzureißen – wir nennen das „Ideas without limits“. Das typisch österreichische „Das geht nicht!“ kann man oft mit einem einfachen „Warum nicht?“ entkräften. Darüber hinaus muss man sich im Klaren sein, dass viele Jobs in der Kreativbranche keine normalen Nine-to-five-Jobs sind. Daher ist Durchhaltevermögen und Commitment gefragt, wenn es einmal stressig wird und Projekte für Klienten abgeschlossen werden müssen.

Gibt es digitale Kreativjobs, die derzeit boomen? Und was bringt die Zukunft?

Kosa: Es entwickeln sich laufend neue Jobprofile, für die es noch keine formalen Ausbildungsmöglichkeiten gibt. Der Einfluss der Technik und der digitalen Transformation macht dabei auch vor der Kreativbranche nicht halt. Neben den kreativen und strategischen Kenntnissen gewinnen technische Skills immer mehr an Bedeutung. Ich denke da beispielsweise an die Programmierung und Content-Entwicklung für Apps auf Mobile Devices in Verbindung mit Beacon-Technologien, die gerade beginnen, sich im Handel zu etablieren.

Außerdem entstehen in den Bereichen Augmented Reality, Virtual Reality und Gamification spannende neue Betätigungsfelder, wie der „Pokemon Go“-Hype gezeigt hat. Diese Bereiche werden für Klienten aus den unterschiedlichsten Branchen – von Bau und Immobilien über Einrichtungshäuser bis hin zu Medizintechnik und IT – künftig eine große Rolle spielen. Zusätzlich sollte man sich immer auch wirtschaftliche Kenntnisse aneignen, da Kreativarbeiter verstärkt zu Business-Beratern werden und die Geschäftsmodelle ihrer Klienten verstehen müssen, um ihre Marken – Stichwort „Brand Leadership“ – weiterentwickeln zu können.

Kreativjobs

Welche Karrierewege gibt es abseits von Agenturen?

Kosa: Abseits von Agenturen gibt es zahlreiche kleinere, auf Spezial-Bereiche fokussierte Dienstleister, die über Praktika oder Trainee-Programme interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Auch in Kommunikations- oder Marketingabteilungen großer Unternehmen bieten sich gute Chancen. Manche wollen oder können sich keine Agentur leisten und schaffen daher entsprechende Positionen für Spezialisten. Darüber hinaus kann man natürlich auch, wenn man eher der Einzelkämpfer-Typ ist, den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und sein eigener Chef sein.

Wie wichtig ist Sichtbarkeit für jene, die in die Kreativwirtschaft einsteigen möchten?

Kosa: Da viele junge Menschen von der Karriere in der Kreativbranche träumen, ist der Konkurrenzkampf um einen guten Arbeitsplatz dementsprechend groß. Es drängen auch viele gut ausgebildete und motivierte Menschen aus den umliegenden Nachbarländern auf den Arbeitsmarkt, die internationale Erfahrung und zusätzliche Sprachkenntnisse mitbringen. Gut die Hälfte unserer Mitarbeiter im Agenturnetzwerk hat keinen österreichischen Background. Auf der anderen Seite tun sich aber auch viele Firmen schwer, die richtigen Fachkräfte zu finden. Da ist es natürlich hilfreich, wenn Bewerber ihre Skills ansprechend präsentieren und sich potenzielle Arbeitgeber einfach online ein Bild von der Person und ihrem Portfolio machen können.

Ihre Empfehlung: Wo mache ich mich als Bewerber/Jobsuchender am besten sichtbar – online wie offline? Suchen Arbeitgeber aktiv nach Referenzen oder Arbeitsproben?

Kosa: Ein Online-Portfolio ist, wie gesagt, ein guter Startpunkt. Neben einem eigenen Blog bieten sich auch Social Media wie Facebook oder Plattformen wie Instagram und Vimeo an, um sich zu präsentieren. Es wird auch von Arbeitgebern registriert, wenn jemand außergewöhnliche Arbeitsproben vorzuweisen hat und viele Follower gewinnt, die über die Arbeitsproben diskutieren oder diese teilen. Networking in Online-Netzwerken der jeweiligen Branche oder in Business-Netzwerken gehört natürlich auch dazu. Viele Jobs werden ja nicht offiziell ausgeschrieben, sondern über Kontakte und Empfehlungen besetzt. Offline bieten sich vor allem Branchen-Messen an, um mit potenziellen Arbeitgebern direkt in Kontakt zu treten und dabei gleich auch den Lebenslauf mit Referenzen und Arbeitsproben mitzuliefern.

Wie kreativ müssen bzw. dürfen Bewerbungen sein und sind Arbeitsproben ein Muss?

Kosa: Das kommt auf die Offenheit des jeweiligen Unternehmens und auf das Bewerbungsprozedere an. Viele Unternehmen wickeln das Recruiting ja über standardisierte Online-Formulare ab, die oft wenig Spielraum für Kreativität lassen. Grundsätzlich kann es schon hilfreich sein, wenn man sich durch eine ungewöhnliche Bewerbung von den anderen abhebt und dabei gleich zeigt, was man drauf hat – zum Beispiel eine Bewerbung in Form eines Videos.


Zur Person

Helmut Kosa ist CEO der Kreativagentur isobar. Zu den Kunden des weltweit agierenden Kreativagenturnetzwerks zählen Marken wie Novomatic, Red Bull Media House, UPC, Danone oder Bahlsen. Helmut Kosa engagiert sich selbst in der Nachwuchs-Ausbildung und leitet die „isobar academy“ sowie die Dozentur für Werbung und die Vortragsreihe „Brand Slam“ an der FH St. Pölten.

Bildnachweis: dotshock/Shutterstock; SFIO CRACHO / Shutterstock

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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