30. Januar 2018 · Arbeitsleben · von

Karriereweg: Von der Werbeagentur aufs Weingut

Von der Werbebranche auf ein italienisches Weingut und wieder retour nach Österreich: Susanne Janotka ist Exportmanagerin für das Weingut Esterházy und hat ihre Karriere so gar nie geplant. Ihre Leidenschaft für Wein lebt sie im Beruf und im privaten Weingarten, den sie mit zwei Freunden pflegt.

Wer sich für den Beruf des Exportmanagers interessiert, kann eine entsprechende Ausbildung absolvieren – oder die Sache ganz anders angehen. Susanne Janotka ist Exportmanagerin im Weingut Esterházy im Burgenland. Ihre Karriere hat sie so nie geplant und dennoch ist sie genau dort, wo sie sein möchte. Wir haben uns mit ihr unterhalten über Bauchentscheidungen, radikale Berufswechsel und die Leidenschaft zum Wein als Beruf.

Ihr Werdegang als Exportmanagerin ist eher ungewöhnlich. Wie sind Sie zum Wein gekommen?

Janotka: Ich war in Wien zwölf Jahre lang in der Werbebranche tätig. Wein habe ich damals nur als Konsumentin genossen, ich hatte dazu keinerlei größere Beziehung. Im Italienurlaub mit Freunden hatte ich dann ein einschneidendes Erlebnis. Ein alter Mann hatte dort bei seinem Haus ein paar Reihen Weinstöcke. Er hat die Trauben gelesen und daraus Wein gemacht. Er hatte nicht viel Ahnung davon und der Wein war nicht einmal richtig gut aber dennoch, es hat nach Wein geschmeckt. Das hat mein Interesse geweckt: Der Weinherstellung wollte ich auf die Schliche kommen. Zu Italien hatte ich immer schon eine Affinität. Bei meinen Aufenthalten habe ich mir immer sofort eine Zeitung geschnappt, um nach Jobs oder Wohnungen Ausschau zu halten. Bis dahin habe ich das aber noch nicht umgesetzt. Einerseits war der Wunsch da, nach Italien zu gehen – andererseits wusste ich nicht genau, was ich dort dann machen sollte.

Nachdem mein Interesse an der Herstellung von Wein nun geweckt war, dachte ich mir: Jetzt aber wirklich! Ich nahm mir vor, mir einen Job auf einem Weingut zu suchen, um mein Italienisch zu verbessern und zu lernen, wie Wein gemacht wird. Zurück in Wien habe ich angefangen, mich durchzufragen. Im Lauf der Zeit habe ich mit immer mehr Menschen gesprochen und so Kontakte gesammelt. Es hat sich dann alles schnell auf die Toskana konzentriert. Ein Wochenende lang war ich dort vor Ort, um die Leute kennenzulernen. Schlussendlich habe ich mich für ein kleines Boutique-Weingut entschieden. Dort hatte ich die Gelegenheit, das Handwerk von Grund auf zu lernen. Ich habe alle notwendigen Arbeiten getan und alle Handgriffe selbst gemacht – von anstrengenden Tagen bei 40 Grad im Weingarten bis hin zur Arbeit im Weinkeller.

Im Lebenslauf eines Export-Managers ist das sicher die ungewöhnlichste Station. Die wenigsten bringen derartige Erfahrung und Hands-on mit. Für mich macht dieses Wissen in meinem Beruf eine Menge aus. Dem Handwerk Wein bin ich auch privat treu geblieben. Gemeinsam mit zwei Freunden bewirtschafte ich einen kleinen Weingarten, in dem ich in meiner Freizeit gerne arbeite.

Susanne Janotka Weingut Esterházy

Das war aber alles so nicht geplant?

Janotka: Nein, gar nicht. Ursprünglich wollte ich nur sechs Monate auf diesem Weingut bleiben, dann wurden zwei Jahre daraus. Nach meiner Zeit am ersten Weingut habe ich noch auf anderen Weingütern gearbeitet. Die Tatsache, dass ich Deutsch, Englisch und Italienisch spreche, hat mich langsam in Richtung Verkauf gebracht. Für den Ab-Hof-Verkauf habe ich Kunden durch das Weingut geführt, Verkostungen geleitet und den deutschsprachigen Raum ein wenig mitbetreut. Wenn Zeit blieb, bin ich noch mit zur Arbeit in den Weingarten gegangen. Geplant habe ich das alles nicht. Alle Schritte, die ich gegangen bin und alle Entscheidungen, die ich getroffen habe, waren Bauchentscheidungen. Es hätte auch sein können, dass ich nach sechs Monaten meine Zelte in Italien wieder abbreche und retour gehe nach Wien.

Wie kamen Sie dann zurück nach Österreich?

Janotka: Nach zwölf Jahren habe ich mir gedacht dass es gut wäre, auch in der österreichischen Weinwelt Fuß zu fassen. Komme ich erst mit 50 oder 55 Jahren zurück, dann wird es schwierig. Die Werbebranche war für mich allerdings kein Thema mehr. Damit blieb nur der Wein. Ein guter Freund ist in der Gastro- und Weinwelt gut vernetzt und hat mir verraten, dass das Weingut Esterhazy jemanden sucht. So kam es zum Treffen mit der Geschäftsführung des Weinguts und zwei Monate später bin ich mit Sack und Pack von der Toskana nach Eisenstadt gezogen.

Wie sieht ihr Aufgabengebiet als Exportmanagerin jetzt aus?

Janotka: Ich betreue unsere Kunden in Europa und Russland. In meinem Beruf bin ich generell sehr viel unterwegs, allerdings nicht so häufig bzw. lange wie andere Exportmanager, die für die ganz großen Weinhäuser arbeiten. Durchschnittlich komme ich auf 25 Reisen im Jahr, die jeweils rund drei Tage dauern, inklusive der Weinmessen, die ich besuche. Deutschland ist sicher der intensivste Kernmarkt, den ich betreue, dort bin ich z.B. sieben bis acht Mal pro Jahr unterwegs. Auf meinen Dienstreisen bin ich mit den Außendienstmitarbeitern unseres Importeurs im jeweiligen Land auf Tour. Wir besuchen Kunden, ich stelle die Weine und das Weingut vor oder führe mit Verkaufsteams Trainings durch. An den Abenden gibt es oft noch ein Essen und Verkostungen. Mein Job ist es außerdem, den Markt zu beobachten und zu überlegen, was unsere Kunden noch brauchen könnten.

Welche Voraussetzungen sollte jemand mitbringen, der sich für einen Job als Exportmanager interessiert?

Janotka: Aufgrund der doch umfangreichen Reisetätigkeit denke ich nicht, dass man diesen Job mit Familie und Kindern so vereinbaren könnte. In der Schweiz werden Weinverkostungen gerne am Wochenende gemacht, dann bin ich von Donnerstag bis Sonntag unterwegs. Das ist nicht die Regel, kommt jedoch hin und wieder vor. Im Umgang mit Kunden ist es wichtig, Fingerspitzengefühl zu beweisen: Authentisch bleiben, nichts aufschwatzen wollen und mit Fachwissen auftreten. Den Job erledigt gut, wer kompetent ist und einen hohen Qualitätsanspruch an sich selbst stellt und an die Menschen, mit denen man arbeitet.

 


Wein ist nur eines von zahlreichen österreichischen Produkten, das im Ausland stark nachgefragt wird. Für österreichische Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen exportieren, gewinnen Drittländer wie z.B. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, aber auch die USA oder Kanada zunehmend an Bedeutung. Die Karrierechancen im Exportbereich stehen also gut, mehr Infos zur Thematik gibt es an dieser Stelle. Mehr als 100 Jobs im Export-Bereich gibts momentan hier auf karriere.at.

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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