Erstellt am 28. Januar 2021 · Arbeitsmarkt, HR · von

karriere.at-Analyse: Corona verändert Jobsuche-Verhalten

Lesezeit: 3 Minuten

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Jobsuche-Verhalten österreichischer Arbeitnehmer*innen aus? Das haben wir in einer umfassenden Analyse unter die Lupe genommen und uns die Branchen angesehen, die 2020 am meisten und jene, die am wenigsten unter der Krise gelitten haben. Analysiert wurden die im Vorjahr geschalteten Stelleninserate und die Jobviews, also die Anzahl der Clicks auf Stelleninserate durch Jobsuchende.

Neues Jahr, neuer Job – ein Motto, das hinsichtlich des Jobsuche-Verhaltens der Österreicher*innen nicht nur so dahingesagt ist. Für gewöhnlich herrscht zum Jahresbeginn Hochsaison auf den Jobportalen. Jahrelang war es so, dass der Jobsuche-Rekordtag auf karriere.at in die erste Jänner-Woche fiel. 2020 sollte das – wie so vieles – anders sein: Der Tag, an dem die meisten Menschen auf dem Karriereportal nach einem Job suchten, fiel auf Ende September (24.9.2020). Was die Gründe dafür sind, ist unklar. Der im Rückblick beinahe sorgenfrei scheinende Sommer ist vorüber, es stehen zu diesem Zeitpunkt erneut verschärfte Corona-Maßnahmen auf dem Plan. Just am 24.9. wurden von der Regierung Einschränkungen für den Wintertourismus in Aussicht gestellt.

Langjährige Muster im Jobsuche-Verhalten aufgebrochen

Sicher ist jedenfalls, dass die Corona-Pandemie langjährige Muster im Jobsuche-Verhalten der Menschen völlig aufgebrochen hat. Waren Schulferien und Feiertage in den letzten Jahren ein Garant für eine gedämpfte Jobsuche bei Arbeitnehmer*innen (etwa das viel zitierte Sommerloch, das in gewöhnlichen Zeiten bei Österreichs Arbeitnehmer*innen kaum Interesse an der Jobsuche erkennen ließ), so waren es 2020 die Corona-Maßnahmen. Sobald ein Lockdown oder Maßnahmen-Verschärfungen einsetzten, ebbte die Jobsuche-Aktivität auf karriere.at ab. Kaum wurden Ausgangsbeschränkungen beendet oder der Handel geöffnet, stieg die Suche rasant an. Gegen Jahresende 2020 erreichte die Aktivität jedoch wieder beinahe das Vor-Corona-Niveau.

Gesundheits-Branche als Gewinner bei Stelleninseraten

Auf Platz eins der Branchen, die während der Corona-Krise am wenigsten gelitten haben, steht wenig überraschend der Bereich „Pharma, Gesundheit und Soziales“. Mit einem historisch hohen Fachkräftebedarf, was Pflege- und Medizinisches Personal betrifft, hatte diese Branche während des Corona-Jahres 2020 großen Personalbedarf. Die passenden Stelleninserate auf karriere.at konnten das Jahr 2019 sogar um ein Plus von 5,3 Prozent übertrumpfen. Auf den weiteren Stockerlplätzen landen die Branchen „Rechtswesen“ (-6 Prozent  zum Jahr 2019) und „Wissenschaft und Forschung“ (-11,2 Prozent zum Vorjahr). Rechts-Fachkräfte sind bereits seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung 2018 stark nachgefragt. Der Bereich „Wissenschaft und Forschung“ ist im Corona-Jahr 2020 generell weiter in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Branchen Rückblick

Gastro bildet das Schlusslicht vor Marketing- und Verwaltungs-Jobs

„Verlierer“ in puncto geschaltene Jobs sind die Branchen „Assistenz und Verwaltung“ (-27,4 Prozent), „Marketing und PR“ (-28,7 Prozent) und weit abgeschlagen auf dem letzten Platz „Gastronomie und Tourismus“ (-37,1 Prozent). Dass in der Branche um „Marketing & PR“ zurzeit Personal eingespart wird, hat bereits eine detaillierte Analyse von karriere.at aus dem letzten Jahr gezeigt: Dort wurden von Februar bis August im Durchschnitt rund 40 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben. Dass Gastronomie und Tourismus aufgrund großer Corona-Einschränkungen, einer hohen Kurzarbeits-Rate und vielen (auch saisonbedingt) Arbeitslosen das Schlusslicht bildet, ist wenig überraschend. Hier muss allerdings betont werden, dass sich karriere.at vorrangig an kaufmännisch-technisch ausgebildete Fachkräfte wendet und nicht die erste Wahl für Jobsuchende aus der Gastro-Branche ist.

 

Jobsuche verzeichnet durchwegs mehr Plus

Sieht man sich die andere Seite – die Arbeitnehmer*innen auf Jobsuche – an, verändert sich das Ranking der Branchen nur marginal. Der Bereich „Pharma, Gesundheit und Soziales“ (+4,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019) muss den ersten Platz nur für das Rechtswesen räumen: Berufe im Rechtskontext haben bei der Jobsuche auf karriere.at ein sattes Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Auf Platz drei landet die Branche „Finanzen und Bankwesen“ mit einem knappen Zuwachs von 1,4 Prozent zu 2019.

Branchen Rückblick Jobviews

Verlierer-Branchen bei der Jobsuche sind wiederum „Marketing und PR“ (-18,3 Prozent), „Assistenz und Verwaltung“ (-21,1 Prozent) und auf dem letzten Platz abermals „Gastronomie und Tourismus“ mit mehr als der Hälfte weniger Suchanfragen als im vergangenen Jahr. Mehr Zahlen und Grafiken zum Download gibts in der aktuellen Pressemeldung zum Thema.

Mehr Unterstützung für Arbeitgeber und Jobsuchende

Um sowohl Arbeitgeber*innen als auch Arbeitnehmer*innen in dieser schwierigen Zeit bestmöglich zu unterstützen, haben auch wir 2020 unser Angebot erweitert: In rund 40 Webinaren mit beinahe 7.500 Teilnehmer*innen haben wir schnell und unkompliziert Wissen über digitales Führen, das Arbeiten im Homeoffice oder Jobsuche in Corona-Zeiten geteilt. Auch in diesem Jahr werden wir regelmäßig Webinare für HR-Verantwortliche und Arbeitgeber*innen sowie für Jobsuchende und Arbeitnehmer*innen abhalten. Auch mit unserem umfassenden E-Book zum Thema Employer-Branding und dem neuen Homeoffice-Filter in der Jobsuche gehen wir auf die veränderten Bedürfnisse ein.

Bildnachweis: shutterstock/fizkes; Grafiken: karriere.at

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.