6. November 2018 · Arbeitsleben, Bewerbung, HR · von

Unmoralisches Verhalten: Jobabsage wegen Postings?

Lebenslauf, Motivationsschreiben, Facebookstatus – viele Recruiter achten bei der Kandidatenauswahl auch auf deren Auftritt in sozialen Medien. Das kann sogar zur Jobabsage wegen Postings führen, die auf geringe moralische Wertvorstellungen hindeuten. Denn wer unmoralisches Verhalten an den Tag legt, wird auch als fachlich weniger kompetent eingestuft, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie.

Neben klassischen Bewerbungsunterlagen ist auch der Auftritt im Netz ein entscheidender Faktor im Bewerbungsprozess. Bereits in den „Recruiting Trends 2017“ von Staufenbiel Institut und Kienbaum gaben mehr als die Hälfte der befragten HR-Verantwortlichen an, die Namen ihrer Bewerber zu googeln. 32 Prozent überprüften sogar vorab die Facebook-Profile der Kandidaten. Eine Studie hat nun belegt: Wenn die Infos aus den sozialen Medien Rückschlüsse über unmoralisches Verhalten zulassen, wird die fachliche Kompetenz geringer eingestuft. Wer unmoralisch handelt, so die Forscher, gelte als sozial weniger intelligent und beeinflusse damit sein Gesamtbild negativ.

Freundin betrogen – Jobabsage wegen Posting?

Bei der Durchführung der Studie bekamen die Teilnehmer kurze Beschreibungen über Bewerber, die entweder ein positives oder ein negatives Ereignis enthielten. Zudem ließen die Ereignisse Rückschlüsse über moralisches Verhalten zu. Anhand der Kurzbeschreibung sollten die Teilnehmer der Studie einschätzen, wie kompetent der jeweilige Bewerber im Beruf ist. Dabei zeigte sich, dass die Bewerber, die laut Beschreibung beispielsweise ihren Partner betrogen hatten, weitaus weniger kompetent eingestuft wurden als Bewerber, die keinen moralischen Fauxpas begangen hatten.

Fehler erlaubt, aber keine moralischen

Dass nicht alle negativen Ereignisse Auswirkungen auf die berufliche Einschätzung hatten, zeigt ein weiterer Aspekt der Studie. Bei Misserfolgen im Sport oder anderen „Fehlern“, die nicht mit Moralvorstellungen in Verbindung stehen, wurden die Bewerber kompetenter eingeschätzt als die unmoralisch handelnden. Die Erklärung dafür sieht folgendermaßen aus: Menschen, die sich über moralische Wertvorstellungen hinwegsetzen, gelten als sozial unintelligent. Das bedeutet, dass man ihnen das richtige Verhalten in sozial anspruchsvollen Situationen, wie in der Zusammenarbeit mit Kollegen oder beim Befolgen von Anweisungen eines Vorgesetzten bzw. Ausbildners, nicht zutraut.

Karrierekiller Facebookstatus

Damit belegt die Studie, was man vorher vielleicht schon vermutet hat: Die (vermeintlichen) Charaktereigenschaften eines Bewerbers sind für Recruiter im Vorfeld ebenso wichtig wie ein professioneller Lebenslauf und ein gutes Motivationsschreiben. Da der Charakter hauptsächlich durch den Auftritt in sozialen Kanälen ermittelt wird, sollte man bei allen Aktivitäten auch an die Karriere denken. Der Ruf als Frauenheld oder Partymaus kommt zwar vielleicht bei den Freunden gut an, kann aber den Traumjob kosten.

Bildnachweis: BoBaa22/shutterstock

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für alle Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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