Erstellt am 18. Juli 2019 · HR · von

Recruiting und Personalentwicklung: Hier hat HR Nachholbedarf

Lesezeit: 3 Minuten

Wie gut arbeiten HR-Abteilungen? Das kommt darauf an, wen man fragt, zeigt eine aktuelle Studie. Denn während HR-Verantwortliche über weite Strecken sehr zufrieden mit ihrer Arbeit sind, stellen Fach- und Führungskräften ihren Personalern ein durchwachsenes Zeugnis aus. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

Das Marktforschungsunternehmen Trendence hat in der aktuellen Studie „So gut sind HR-Abteilungen“ ermittelt, wie zufrieden sowohl die Personaler selbst als auch ihre Kollegen aus den Fachabteilungen und der Führungsriege mit Recruiting und Personalarbeit sind. Dazu wurden von Dezember 2018 bis Mai 2019 505 HR-Verantwortliche sowie 1.405 Fach- und Führungskräfte befragt. Das sind die Ergebnisse im Überblick:

Personalgewinnung läuft zu unreflektiert

Fragt man Personaler, ob sie mit ihrer Leistung im Recruiting zufrieden sind, so beantworten das 72 Prozent mit „ja“, so die Ergebnisse der Trendence-Studie. Allerdings sieht das nur knapp die Hälfte der Fach- und Führungskräfte so. 49 Prozent zeigen sich mit der Personalgewinnung unzufrieden, 18,3 Prozent davon sogar sehr. Das könnte, so die These der Studienautoren, an zu geringer Eigeninitiative und zu wenig Analyse der eigenen Arbeit der Personaler liegen. Anders gesagt: Vielen Kollegen erscheinen die Recruiting-Maßnahmen der HR-Abteilungen zu passiv und unreflektiert.

Social Recruiting und Active Sourcing: HR wünscht sich mehr Schulungen

Tatsächlich gaben 74,3 Prozent der befragten HR-Beauftragten an, nicht zu wissen, wie gut der Bewerbungsprozess bei den Kandidaten ankommt, da bislang keine Touchpoint-Analyse durchgeführt wurde. Lediglich ein Viertel der Personaler hat die Candidate Experience bereits unter die Lupe genommen, um Rückschlüsse über den Recruiting-Erfolg oder -Misserfolg ziehen zu können.

Entsprechend wünschen sich Fach- und Führungskräfte von ihren Personalern bessere Kenntnisse im Bereich Digitalisierung und Datenanalyse. Immerhin betreiben 86,2 Prozent eine eigene Karriere-Website und acht von zehn nützen soziale Medien als Recruitingtool. Wie professionell hier vorgegangen wird, ist laut Studienautoren aber fraglich, denn nur etwa die Hälfte der Befragten setzt dabei auf gezielte Personalmarketing-Kampagnen. Das gilt auch fürs Active Sourcing, das immerhin 65 Prozent der HR-Verantwortlichen betreiben. Die These wird von der Selbsteinschätzung der HR gestützt: Danach befragt, in welchen Bereichen sie für sich selbst mehr Schulungsbedarf sehen, geben die Personaler vor allem Social Recruiting und Active Sourcing an.

In welchen Recruiting-Bereichen sehen HR-Verantwortliche Schulungsbedarf?

Im Recruiting gibts Nachholbedarf

Administration und Personalentwicklung mangelhaft

Wie eine Studie zur Recruiter Experience ergab, empfinden Personalverantwortliche ihren Job häufig als sehr administrativ. Mit ihrer Arbeit in der HR-Administration zeigt sich die überwiegende Mehrheit (82 Prozent) dabei auch zufrieden. Nur 21 Prozent der Fach- und Führungskräfte geht damit dʼaccord. Das Problem: Die HR arbeitet in den Augen der Fachkollegen zu langsam, etwa wenn es um Arbeitszeugnisse geht, und oft sind Verantwortlichkeiten unklar. Viele Mitarbeiter wissen schlicht nicht, mit welchem HR-Thema sie zu wem gehen können. Und sogar mit der Lohnabrechnung zeigt sich ein Fünftel der befragten Fach- und Führungskräfte unzufrieden. Hier gehen die Meinungen von HR und Fachabteilungen also stark auseinander.

Einig sind sie sich hingegen in der Personalentwicklung. Diese bewerten beide Seiten als mangelhaft: Aus Sicht der HR müsse die Feedbackkultur besser geschult und mehr in die Führungskräfteentwicklung investiert werden.

In welchen Bereichen der Personalentwicklung sieht HR Nachholbedarf?

Nachholbedarf in der Personalentwicklung

Trotz Diskrepanzen: Zufriedenheit mit Beschäftigungsbedingungen hoch

Bei den Beschäftigungsbedingungen zeigen sich die Fach- und Führungskräfte versöhnlich. Mit 75 Prozent sind sie damit fast so zufrieden wie die HR-Manager selbst (85 Prozent). Sieht man sich die Details an, überrascht dieses Ergebnis, denn auf viele Wünsche der Beschäftigten wird von HR-Seite noch nicht genug reagiert. So finden neun von zehn Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten (sehr) wichtig, aber nur etwas mehr als die Hälfte der HR-Abteilungen bieten sie für die gesamte Belegschaft an. Auch in Sachen Mobilität gibt es Nachholbedarf.

Ein Firmenfahrrad ist nach einem eigenen Parkplatz am wichtigsten.

Wie die Studie zeigt, wünschen sich die meisten Mitarbeiter einen Parkplatz bei der Arbeit, gefolgt von einem Firmenfahrrad. Erst an dritter Stelle kommt das Jobticket für öffentliche Verkehrsmittel und etwas abgeschlagen der Firmenwagen.

Welche Mobilitätslösungen wünschen sich Mitarbeiter?

Wuensche der Arbeitnehmer für Mobilitätslösungen

Tatsächlich bieten nur 55,3 Prozent all ihren Mitarbeitern einen eigenen Parkplatz am Firmengelände, weitere 31,8 Prozent nur bestimmten Mitarbeitergruppen, etwa dem Vertrieb. Ein Firmenfahrrad gibt es nur in 26,3 Prozent der Fälle für alle Kollegen, weitere 20 Prozent gewähren es bestimmten Gruppen. Bei den restlichen 53,8 Prozent gibt es gar keine Firmenfahrräder. Insgesamt scheinen die Fach- und Führungskräfte aber dennoch mit den Beschäftigungsbedingungen und Benefits, die ihre HR-Abteilungen für sie geschaffen haben, zufrieden zu sein, so die Studie.

Bildnachweis: shutterstock/Estrada Anton;
Infografiken: Ullah Robindroh „So gut sind HR-Abteilungen“, auf: Website der Trendence Institute GmbH 26.06.2019; www.trendence.com/reports/personalentwicklung/qualitaet-hr-abteilungen

 

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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