29. März 2017 · Arbeitsleben · von

Homeoffice mit Kleinkind: Survival-Guide für Job und Kinder

Homeoffice mit Kleinkind ist ungefähr so wie Einkaufen mit Hunger: Man braucht einen guten Plan, sonst ist man am Ende vollgeschmiert mit Schokolade und realisiert spätestens am nächsten Tag, dass man fast nichts von dem erledigt hat, was man wollte. Ein Survival-Guide für Job und Kinder:

Eines sei vorweg gesagt: Nicht jeder Arbeitgeber, aber auch nicht jeder Job, lassen ein Arbeiten im Homeoffice zu. Glücklich also, wer diese Chance des flexiblen Arbeitens nutzen kann. Und auch, wer das Vertrauen von Chef und Kollegen genießt. Denn am Ende des Tages sollte es nur die Leistung sein, die zählt. Dass diese zu erbringen im Homeoffice sogar deutlich schwieriger sein kann, als im richtigen Office, das habe ich bereits am ersten Tag mehr als deutlich gespürt. Denn wer kleine Kinder zu Hause hat, der weiß, dass eigentlich nichts nebenbei geht. Konzentriert Arbeiten erst recht nicht.

Ein Plan mit doppeltem Boden muss her

Es braucht also einen Plan, und zwar einen guten mit mindestens doppeltem Boden und Sicherheitsnetz. Bei uns sind gleich in der zweiten Arbeitswoche drei von fünf möglichen Betreuungspersonen wegen Grippe ausgefallen und da merkt man dann schnell, dass Laptop und Einjähriger keine, wirklich gar keine gute Idee sind und dass der Satz „Dann arbeite ich halt am Abend, wenn die Kinder im Bett sind“ in manchen Situationen nicht mehr als ein guter Witz sein kann. Nicht selten schlafe ich nämlich Abends mit den Kindern mit ein. Ja, mein Leben war diesbezüglich schon mal aufregender. Aber, zurück zur Sache: Hier meine erprobten und empfohlenen Tipps für alle Mamas und Papas im Homeoffice:

Tipps für Mamas und Papas im Homeoffice

  • Hilfe holen und annehmen: Wer von zu Hause aus arbeitet, sollte sich für sensible Arbeitsphasen unbedingt rechtzeitig Hilfe organisieren und diese auch annehmen: Denn freilich, es gibt Tätigkeiten, die sich leicht unterbrechen lassen und die man zeitunabhängig erledigen kann. Es gibt aber auch Situationen, etwa Telefonkonferenzen, die sich nicht verschieben lassen und wo der Druck, erreichbar zu sein, groß ist. Gerade wenn man dankbar für die Chance auf Homeoffice ist, möchte man nicht der Grund für verpasste Meetings und dergleichen sein. Besonders wichtig ist dies für Eltern, deren Kinder noch sehr klein sind bzw. nicht auswärts betreut werden.

Mit Kindern kommt es immer anders, als man denkt

  • Spontan bleiben: Nehme ich mir vor, am Abend zu arbeiten, ist das zu 99 Prozent der Abend, an dem das Zubettgehen ewig dauert und ich entweder selbst dabei einschlafe oder aber danach so ko bin, dass nichts mehr geht. Plane ich, während dem Mittagsschlaf der Kinder zu arbeiten, dann wecken sie sich genau an diesem Tag gegenseitig auf oder schlafen ausnahmsweise komplett zeitversetzt, so dass von sechs Uhr früh bis neun Uhr abends zumindest einer immer wach ist. Was ich damit sagen will: Auch oder gerade im Homeoffice mit Kleinkindern muss man spontan bleiben und dann arbeiten, wenn es die Situation zulässt. Ich nehme mir gerne einen Arbeitstag Anfang der Woche vor, damit ich Notfalls nach hinten ausweichen kann.

Laptop mit der nötigen Software

  • Die richtige Infrastruktur: Je nach Job und Aufgabe braucht man gewisse Voraussetzungen, um sinnvoll von zu Hause aus arbeiten zu können. Es macht wirklich Sinn, vorab zu schauen, dass alles, was man zum Arbeiten braucht, auch wirklich funktioniert. Ein Laptop mit der für den Büroalltag nötigen Software – falls nötig mit direkter Verbindung zum Firmenserver – ist dabei Pflicht.

Der Couchtisch ist kein (!) guter Schreibtisch

  • Der Arbeitsplatz im eigenen Heim: Zum entspannten Arbeiten gehört aber auch ein richtiger Arbeitsplatz: für kurze Tätigkeiten ist der Couchtisch vielleicht ok, wer Kreuzschmerzen hat, sollte sich unbedingt gleich nach einer vernünftigen Lösung umsehen. Gerade dann, wenn aus dem einstigen Arbeitszimmer in der Wohnung ein Kinderzimmer geworden ist, ist Kreativität gefragt. Oft lassen sich schon mit einfachen Mitteln kleine Arbeitsplätze in Schlaf- oder Wohnzimmer einrichten. Wer mehr Platz hat, wird sich sicher über die Möglichkeit freuen, in kindersicherer Höhe arbeiten und Unterlagen etc. auch einmal liegen lassen können. Kindersicher deshalb, weil, auch aus eigener Erfahrung, der Saft auf der Arbeitsmappe ist kein Mythos. Ebensowenig wie der Laptopsturz durch neugieriges Ziehen am Ladekabel.

Homeoffice spart und raubt Zeit

  • Arbeitszeiten: Homeoffice ist toll, weil Homeoffice spart viel Zeit: Keine Arbeitswege, kein Stau, und, ja, kein schickes Anziehen, wenn man es nicht möchte. Aber Homeoffice kann auch gefährlich für die Freizeit sein, weil, anders als beim Büro kann ich meinen eigenen vier Wänden nach Feierabend oder an den Wochenenden nicht den Rücken kehren. Daher: auf die Arbeitszeiten achten, mitschreiben, wie viel man tatsächlich arbeitet und unbedingt darauf achten, den Kopf nach erledigter Arbeit wirklich auszuschalten und frei zu sein für Familie, Freunde und – was man gerne einmal vergisst – sich selbst.

Der Geheimtipp für konzentriertes Arbeiten trotz Kind

  • Der ultimative Tipp für fünf Minuten Ruhe: Springt der Babysitter in letzter Minute ab oder kommt ein unerwarteter Task ins Haus, muss man als Elternteil manchmal tief in die Trickkiste greifen, um sich kurz entbehrlich zu machen. Hier mein absoluter Geheimtipp: Eine Schachtel mit „verbotenem“ Spielzeug bereithalten, dass es nur ins ganz besonderen Ausnahmefällen gibt. Was da so alles drin sein kann? Alles, Hauptsache ungefährlich. Unser Kleiner lässt sich mit einer Rolle Toilettenpapier gut beschäftigen, die Große dann, wenn man ihr erlaubt, eine Rolle Tixoband abzurollen oder aber, wenn sie ihre Hände (Kinderfarben, wohl gemerkt) anmalen darf. Und ja, das Handy von Mama oder Papa zum Foto schauen ist natürlich auch immer der Hit. In diesem Sinne: gutes Arbeiten!

Bildnachweis: Frenner/karriere.at

Heike Frenner

Heike war lange Zeit Autorin für unseren karriere.blog. Als Kollegin und Tastentiger kam uns die Jung-Mama leider abhanden, ihre Texte bleiben aber erhalten.

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