24. März 2017 · Arbeitsleben · von

Niemals genug: Wie uns das Streben nach Glück unglücklich macht

Wer sich öfter denkt „Früher war alles besser!“ oder nicht mehr weiß, wann er seinen letzten Erfolg richtig gefeiert hat, der steckt vermutlich in der hedonistischen Tretmühle fest. Was es damit auf sich hat, warum wir uns damit privates und berufliches Glück verbauen und wie man den Ausstieg schafft, weiß Psychologin Christa Schirl.

Der Geschäftsführer renoviert aufwändig sein Büro, der Abteilungsleiter verhandelt um einen neuen Dienstwagen und der Kollege schiebt Überstunden, um sich bis zum Sommer seinen Swimmingpool zu finanzieren. Was diese Dinge gemeinsam haben ist, dass sie ihre Käufer glücklich machen – zumindest kurzfristig. Denn die Büroeinrichtung ist in ein paar Jahren schon wieder out, der Dienstwagen Modell von vorgestern und die Erhaltung des Pools frisst hauptsächlich Zeit und Geld.

„Wer immer nach mehr strebt, der kommt nie an.“

Als „hedonistische Tretmühle“ bezeichnet man die Tendenz, nach Erreichen eines erhöhten Glücklevels schnell wieder auf den Normalzustand zurückzufallen. Die Folge: Beim Versuch, möglichst viele Glücksmomente zu erhaschen, bleibt das Leben auf der Strecke. „Wenn ich ständig nach mehr strebe, trete ich irgendwann auf der Stelle und komme nie an. Auch, wenn ich die schönste oder beste Version einer Sache besitze, wird es irgendwann etwas geben, das besser oder schöner ist“, erklärt Christa Schirl. Das geschieht auch abseits materieller Dinge. „Menschen können z.B. ihre Erfolge nicht mehr feiern, weil sie sofort nach mehr trachten. So gelangt man in einen Kreislauf, aus dem man schwer wieder herauskommt“, so die Psychologin.

Während es im Privatleben oft materielle Dinge sind, nach denen man sich sehnt, sind es im Job Statussymbole oder Meilensteine, die andere bereits erreicht haben: Noch eine neue Filiale, eine neue Werkshalle, das neueste Modell beim Firmenwagen, der hohe Bonus.

Der Schritt in die Tretmühle…

„In diese Situation gelangen wir, weil wir uns mit anderen vergleichen“, sagt Schirl. „Mein Haus hat einen Whirlpool, der Nachbar bekommt einen Schwimmteich. Den möchte ich auch, also erreiche ich das. Dann kauft sich der Nachbar noch eine Sauna – die will ich auch. Dafür muss ich Geld verdienen, in dieser Zeit kann ich Whirlpool und Schwimmteich jedoch gar nicht genießen – und so dreht sich die Spirale immer weiter“, erzählt die Psychologin.

Sich zu vergleichen sei aber nicht grundsätzlich schlecht. Solange der Vergleich mit anderen und die Zielsetzung danach bewusst passieren, läuft man nicht Gefahr, in die Tretmühle zu gelangen.

…und der Ausstieg aus dem Hamsterrad

Der Ausstieg aus der hedonistischen Tretmühle gelingt nicht von heute auf morgen, ist aber schaffbar. Dabei helfen folgende Fragestellungen:

  • Was besitze ich? Was habe ich beruflich bereits erreicht?
  • Wieviel Lebensenergie und Zeit stecke ich in das, was ich habe?
  • Ein Blick auf materielle Dinge: Benutze ich alles, was sich in meinem Besitz befindet?
  • Welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen, wenn ich eine bestimmte Sache erreichen möchte?
  • Was möchte ich nur, weil es jemand anderer auch hat? Möchte ich jemanden übertrumpfen?
  • Ist der Weg, den ich gehe, noch aktuell? Richtungswechsel sind völlig legitim!

Ein Kardinalfehler, der uns immer wieder in die Tretmühle zurückbefördert, ist laut Schirl die falsche Perspektive: „Niemals zurückschauen, immer im Hier und Jetzt leben. In der Psychologie sprechen wir von einem ‚Rückschaufehler‘: Früher war alles einfacher. Im alten Job ging es mir viel besser – so war es nicht, es war nur anders. Ständiges Zurückschauen auf das, was man einmal hatte, macht  unzufrieden. Das Leben findet im Hier und Jetzt statt.“

Bildnachweis: igorstevanovic/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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