Erstellt am 16. Juli 2020 · Arbeitsmarkt, HR · von

Mehr Wechselbereitschaft durch Corona: Warum Menschen jetzt einen neuen Job wollen

Lesezeit: 3 Minuten

Unsere aktuelle Studie „Jobwechsel in Zeiten von Corona“ zeigt: Die Krise hat die Wechselbereitschaft gefördert. Warum so viele Menschen jetzt einen neuen Job wollen und was Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Homeoffice damit zu tun haben, fassen wir in diesem Artikel zusammen:

Im Juni 2020 führte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com im Auftrag von karriere.at eine repräsentative Studie über das Jobwechselverhalten in Zeiten der Corona-Krise durch. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Wechselbereitschaft gestiegen.

Alle Details zur Studie gibts im kostenlosen Whitepaper.

Mehr Menschen suchen einen neuen Job

Die Zeit ist unsicher, dennoch schließen 62 Prozent der Befragten einen Jobwechsel momentan nicht aus. Fragt man diese nach ihrem aktuellen Status, so ergibt sich folgende Aufteilung:

umfrageergebnis status jobsuche in coronakrise

Interessant sind diese Zahlen im Vergleich zum Herbst des Vorjahres. Bei einer Bekanntheitserhebung (GfK, 2019) fragten wir auch nach der aktuellen Wechselbereitschaft. Lediglich 9 Prozent suchten hier aktiv nach einer Arbeitsstelle, 41 Prozent waren offen für einen Wechsel. Die Wechselbereitschaft ist in der Krise demnach um 12 Prozentpunkte gestiegen.

Gründe und Motive im Vergleich zum Vorjahr verändert

Nicht nur die grundsätzliche Bereitschaft für einen neuen Job hat sich während der Corona-Krise verändert, auch die Gründe für einen Wechsel haben sich im Vergleich zum Vorjahr ein wenig verschoben. In unserer Studie „(R)Evolution Arbeit“ (2019)  waren die am häufigsten genannten Gründe folgende:

warum Mitarbeiter den Job wechseln

Quelle: Studie „(R)Evolution Arbeit“, Juni 2019, n=467

2020 spielen „softe“ Themen wie Verwirklichung und Unternehmenskultur eine zunehmend große Rolle. Zwar rangiert das Gehalt weiterhin auf Platz 1, allerdings nur mehr mit 54 Prozent – 23 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Geld scheint trotz – oder aufgrund? – der Krisensituation an Bedeutung zu verlieren. Gleichzeitig dürfte vor allem die Zeit des Lockdowns zu mehr Reflexion und Neuausrichtung von Lebens- und Karrierezielen geführt zu haben.

umfrageergebnisse gründe für jobwechsel nach corona

Quelle: Studie „Jobwechsel in Zeiten von Corona“, Juni 2020

Mit 28 Prozent Zustimmung liegt eine interessantere Tätigkeit auf Platz zwei der Jobwechselgründe, weitere 10 Prozent Zustimmung erhält die Antwort „Ich habe andere Interessen entwickelt, die ich gerne ausleben möchte“. Im Vorjahr erhoben wir mit insgesamt 22 Prozent etwas weniger Arbeitnehmer, die für interessantere Aufgaben eine neue Stelle angetreten hätten.

Unternehmenskultur ist in der Krise essenziell

Neben Geld und Selbstverwirklichung ist das weite Feld der Unternehmenskultur momentan ausschlaggebend für den Jobwechsel. Schlechte Stimmung im Unternehmen / ein negatives Arbeitsklima bildet den dritt-meistgenannten Grund (23 Prozent). Zählt man ähnliche Aussagen wie „Unzufriedenheit mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen“ (22 Prozent), „Unzufriedenheit mit meinem Vorgesetzten“ (18 Prozent), „Unzufriedenheit mit meinen Kollegen“ (13 Prozent) und „Unzufriedenheit mit der Firmenpolitik“ (12 Prozent) hinzu, gelangt man auf bemerkenswerte 88 Prozent. Arbeitgeber, die sich in der Vergangenheit zu wenig um eine gute Unternehmenskultur gekümmert und das Employer Branding in der Krise vernachlässigt haben, bekommen nun die schmerzhafte Rechnung präsentiert. Was gute Arbeitgeber jetzt auszeichnet, erfahren Sie in diesem Artikel. Welche Employer-Branding-Lösungen den Außenauftritt unterstützen, erklären wir hier.

Mehr Zufriedenheit gefragt: Wie sich Corona auswirkt

Wie schon erwähnt, beeinflusst die Krisensituation die Wechselwilligkeit. Fast jeder Vierte (23 Prozent), der jetzt bereit ist, Job zu wechseln, hat dies innerhalb der vergangenen zwei bis drei Monate entschieden. Danach gefragt, auf welche Art die Corona-Krise den Jobwechsel beeinflusst, zeigen sich sehr interessante Motive.

Arbeitslosigkeit und Finanzen als Schlusslicht

Betrachtet man die aktuell hohen Arbeitslosenzahlen, könnte man diese für den Hauptgrund halten, warum jetzt mehr Menschen einen Job suchen. Unsere Studie zeichnet ein anderes Bild: Jobverlust und finanzielle Schwierigkeiten finden sich im unteren Feld der Corona-bedingten Jobwechselgründe.

  • Neun Prozent sind der Meinung, rasch einen besser bezahlten Job zu benötigen, um die durch die Krise entstandenen finanziellen Einbußen ausgleichen zu können.
  • Acht Prozent geben an, aufgrund der Krise ihren Job verloren zu haben oder zumindest zu wenig Umsatz gemacht zu haben.
  • Fünf Prozent bleibt schließlich nichts anderes übrig, als eine neue Arbeitsstelle zu suchen, da sie aufgrund der Krise in ihren alten Job nicht zurückkehren können.

Krisensicherheit und entspanntes Arbeiten

Jeder Fünfte (21 Prozent) wünscht sich einen krisensichereren Job, um besser gewappnet zu sein, sollte es zu einer neuen Ausnahmesituation kommen. 16 Prozent möchten ihre Talente nun besser nutzen, um in Zukunft beruflich zufriedener zu sein. Auch Homeoffice, Kurzarbeit und ein dadurch verändertes Verantwortungsverhalten dürften viele Arbeitnehmer nachhaltig geprägt haben: 15 Prozent geben an, in der Krise eine entspanntere Art zu arbeiten kennengelernt zu haben und darauf nicht mehr verzichten zu wollen. Und auch hier kommt die Unternehmenskultur zum Vorschein: 15 Prozent geben an, ihr Arbeitgeber habe sich in der Krise nicht so verhalten, wie sie es sich erwartet oder gewünscht hätten.

Umfrageergebnisse Einfluss Corona auf Jobwechsel marketagent

Mehr Mut in der Krise: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wie schnell – und mitunter einfach – Veränderung sein kann, hat der Lockdown und die damit veränderten Arbeitsweisen gezeigt. Das beflügelt offenbar die Arbeitnehmer: 15 Prozent geben an, in den vergangenen Wochen erkannt zu haben, dass sie in ihrem derzeitigen Job nicht glücklich sind und nun den Mut bzw. auch den Willen gefunden hätten, beruflich etwas zu verändern. Knapp dahinter rangiert ein ähnlicher Beweggrund: 14 Prozent haben schon länger über eine berufliche Veränderung nachgedacht. Die Krisensituation sei schließlich der Knackpunkt gewesen und habe gezeigt: Wenn nicht jetzt, wann dann? Weitere 13 Prozent wiederum hatten in den vergangenen Wochen Zeit zum Nachdenken und dabei den Wunsch nach einem neuen Job entwickelt.

Bildnachweis: shutterstock/fizkes; karriere.at

Lisa-Marie Linhart

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