12. April 2017 · Arbeitsmarkt, HR · von

Glücklich im Job – sonst noch Wünsche?!

Meine Mitarbeiter sind glücklich im Job! Diesen Satz würden viele Unternehmer jederzeit unterschreiben. Wie die Faktenlage tatsächlich ausschaut, wo die glücklichsten Arbeitnehmer zu finden sind und was Arbeitgeber tun können, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen, damit beschäftigt sich eine aktuelle Studie.

In Österreich geht man mit dem Faktor „Glück“ gewohnt ambivalent um. Egal, ob es sich um das persönliche (Lebens)glück oder spontan erfahrene glückliche Zufälle handelt: Beide Bedeutungen werden gerne mit dem Sprichwort „Das Glück ist ein Vogerl“ relativiert. Man hebt also die Zufälligkeit, Vergänglichkeit und Sprunghaftigkeit eines jeden Glückszustandes hervor und macht Faktoren wie Planung, Fleiß oder gute Arbeit zu Nebendarstellern. Ein ziemlich resignativer Ansatz, oder?

Was bedeutet eigentlich Glück im Job?

Denkt man an die Arbeitswelt, stellt sich automatisch die Frage: Kann man einen Job überhaupt länger gut machen, ohne jemals dabei glücklich zu sein? Klar, Ansprüche sind individuell und skalieren mit dem Erreichten: Jemand, der lange arbeitslos war, erfährt Glück im Job allein durch die Tatsache, gebraucht zu werden und produktiv zu sein. Kreative fühlen sich wahrscheinlich glücklich, wenn sie ihr Talent im Beruf leben können. Führungspersönlichkeiten wiederum, wenn sie gestalten können, und so weiter.

Wie glücklich Arbeitnehmer in ihrem Job im Allgemeinen sind, hat eine repräsentative Studie erhoben, die Robert Half mit 23.000 Teilnehmern aus acht Ländern durchgeführt hat. Bekannt ist, dass zufriedene Mitarbeiter nicht nur produktiver, innovativer und leistungswilliger sind. Sie sind dazu seltener krank und bleiben ihrem Arbeitgeber zudem länger treu. So weit, so bekannt.

Führungskräfte sind glücklicher im Job als andere Mitarbeiter

Die Studienergebnisse gehen aber stärker ins Detail und zeigen unter anderem, dass Mitarbeiter am glücklichsten im Job sind, die …

  • im Marketing- und Kreativbereich arbeiten
  • erst kurz im Unternehmen sind (weniger als ein Jahr) oder schon zwischen sechs und zehn Jahre denselben Dienstgeber haben
  • in einer Führungsposition sind
  • bei kleinen Unternehmen angestellt sind
  • zwischen 18 und 34 Jahre alt sind

Arbeitgeber, die hauptsächlich Mitarbeiter mit diesen Merkmalen beschäftigen, haben – statistisch gesehen – also die beste Grundlage für unternehmerischen Erfolg. Statistisch gesehen. Denn rund ein Drittel der Studienteilnehmer plant innerhalb des kommenden halben Jahres einen Jobwechsel. Dafür muss es ja Gründe geben.

Glücklich arbeiten ist mehr als eine Stimmung

Wo aber entsteht das Glück im Job? „Glücklich arbeiten ist mehr als eine kurzfristige Stimmung. Es ist ein Gefühl der allgemeinen Zufriedenheit und des Sinns, den man durch die Arbeit und die Wertschätzung dafür verspürt“, weiß Robert Szvetecz, Senior Manager bei Robert Half Wien.

Arbeitnehmer antworten laut den Studienautoren übrigens relativ selbstkritisch auf die Frage, wer für die Zufriedenheit im Job verantwortlich ist: Die Mehrheit sieht den Ergebnissen zufolge Arbeitnehmer und Vorgesetzte gleichermaßen in der Pflicht. Jeder Fünfte (19 Prozent) sagt, dass jeder Mitarbeiter zum Großteil selbst dafür verantwortlich ist. Nur 6 Prozent erwarten eine Rundum-Versorgung durch den Arbeitgeber, was ihr Glück im Job betrifft.

Glück im Job beginnt beim Recruiting

Für Arbeitgeber hängt viel daran, wie glücklich ihre Mitarbeiter in ihren Jobs sind: Unternehmenskultur, Produktivität, Stimmung in der Belegschaft und vieles mehr. All diese Gegebenheiten bestimmen dann aber auch, wie die Arbeitgebermarke eines Unternehmens besetzt ist, was wiederum maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg im Recruiting hat.

Dass sich Glück und Zufriedenheit am Arbeitsplatz verbessern lassen, davon ist Robert Szvetecz überzeugt: „Österreichische Unternehmen sollten die Bedürfnisse der Mitarbeiter stärker in den Mittelpunkt stellen, um die Zufriedenheit zu steigern. Kurzfristig mag eine Gehaltserhöhung für einen glücklichen Arbeitnehmer sorgen. Auf lange Sicht sorgen jedoch andere Dinge, wie etwa der Stolz auf den Arbeitgeber, ein positives Arbeitsklima, die empfundene Wertschätzung und Fairness für Freude am Arbeitsplatz.“

Sechs Tipps für glückliche Mitarbeiter

Glücklich im Job

#1Jeder Topf hat einen Deckel.Ob ein Mitarbeiter glücklich im Job ist, entscheidet sich zum Teil schon in der Stellenbeschreibung: Je genauer diese ist, umso wahrscheinlicher wird ein passender Kandidat gefunden. Hier zählt nicht nur Fachkompetenz, auch Soft Skills und persönliche Ansprüche müssen mit der Stelle zusammenpassen.
#2Vertrauen und Zutrauen.Wer Dinge selbst entscheiden darf, ist in der Regel stärker engagiert als jemand, der nur Befehle ausführt. Laut Studie beklagt jeder Zweite, keinen Einfluss in der Arbeit ausüben zu können.
#3Sagen, was Sache ist.Viel zu oft bleibt Lob aber auch konstruktives Feedback aus. Wenn sich jemand mit erbrachten Leistungen auseinandersetzt und sich dazu (positiv) äußert, drückt dies Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter und dessen Leistung aus.
#4Sinn stiften, wo es geht.Nur wer versteht, was sein persönlicher Beitrag zum "großen Ganzen" ist, kann auch den "Sinn" in seiner Tätigkeit erkennen.
#5Immer fair bleiben.Fehlt der respektvolle, faire Umgang miteinander, werden Kollegen nie wirklich zu einem Team zusammenwachsen. Frauen legen auf Fairness und Respekt besonderen Wert: Laut Studie ist dieser Aspekt der wichtigste Glücksfaktor.
#6Auch Spaß muss sein.Gute Beziehungen am Arbeitsplatz sorgen nicht nur für Spaß, sondern treiben auch Motivation, Produktivität und Innovationsgeist an.

Bildnachweis: Dirima / Quelle Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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