23. März 2018 · Gehalt · von

Wie der Gedanke an Geld unser Mitgefühl schmälern kann

Geld regiert bekanntlich die Welt und auch im Arbeitsleben dreht sich vieles um Finanzen: Von Gehältern bis zu Investitionen. Das allgegenwärtige Thema Geld kann jedoch auch negative Auswirkungen auf das zwischenmenschliche Verhalten haben: Wer auf den eigenen finanziellen Vorteil bedacht ist, kann in Konflikte geraten oder für Korruption anfällig werden. Studien zeigen: Es genügt schon der Gedanke an Geld, um unethisches Verhalten zu triggern.

Die Plattform Forschung erleben berichtet von Studien, die untersuchen, ob das Denken an oder das Betrachten von Geld zu egoistischem und unethischem Verhalten führen kann – und tatsächlich: Der Gedanke an Geld kann zudem das Mitgefühl mit anderen schmälern und sogar das Hilfeverhalten reduzieren. Dazu benötigt es nicht einmal reales Geld, es genügen bereits unauffällige Hinweise auf Geld, wie z.B. Bilder.

Warum kann Geld solche negativen Auswirkungen auf uns haben?

Mit dieser Frage beschäftigten sich Xijing Wang und Eva Krumhuber. Die Forscherinnen vermuteten, dass Geld oft eine wirtschaftliche Denkweise hervorruft, die auf persönliche Bereicherung ausgerichtet ist. Ziel sei es dann, den eigenen Nutzen zu maximieren. Das führt dazu, dass andere Personen danach beurteilt werden, wie nützlich sie für die Erreichung der eigenen Ziele seien. Diese Objektivierung von Menschen würde zu verstärktem egoistischem und unethischem Verhalten führen.

Um diese Annahme zu überprüfen, führten die Forscherinnen eine Studie durch und erfassten die Tendenz der Befragten, andere Menschen als Mittel zum Zweck zu sehen. Dazu sollten die Teilnehmenden in einem Fragebogen das Ausmaß ihrer Zustimmung zu verschiedenen Aussagen angeben, z.B. „Ich umgebe mich immer mit solchen Personen, die sehr nützlich für mich sind.“ Zudem wurde ihre Einstellung bzgl. Geld erfasst, z.B. ob jemand vom Thema Geld besessen ist. Auch hier konnten die Studienteilnehmer verschiedenen Aussagen mehr oder weniger zustimmen (z.B. „Geld ist das wichtigste Ziel in meinem Leben.“) Wie erwartet zeigte sich: Sprach eine Person Geld hohe Bedeutung zu, wuchs auch die Bereitschaft, andere Menschen als Mittel zur Zielerreichung zu sehen – ganz unabhängig vom sozialen bzw. ökonomischen Status einer Person.

In einer zweiten Studie wurden die Hälfte der Teilnehmer gebeten, sich ein Leben in Reichtum vorzustellen. Die andere Hälfte sollte ihren Alltag beschreiben. Danach wurden beide Gruppen dem hypothetischen Szenario ausgesetzt, ein Projekt erfolgreich abschließen zu müssen. Dazu konnten sie sich Unterstützung holen und zwischen zwei Personen wählen: Person 1 wurde als fachlich kompetent, aber unfreundlich beschrieben, Person 2 als warmherzig, aber weniger kompetent. Wer sich zuvor mit Reichtum auseinandergesetzt hatte, wählte als Hilfe eher die nützliche, aber unfreundliche Person, im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern, die ihren Alltag beschreiben mussten.

Ein starker Fokus auf Geld kann also zur Folge haben, dass wir unsere Mitmenschen als Mittel zum Zweck ansehen: Wer nützt uns für die Erreichung unserer Ziele? Die Forschungsergebnisse könnten zur Erklärung beitragen, warum Geld zu unethischem und egoistischem Verhalten führen kann.

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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