Erstellt am 4. Mai 2021 · Gehalt · von

Gehaltserhöhung trotz Corona: Geht das überhaupt?

Lesezeit: 5 Minuten

In der Corona-Krise Gehalt verhandeln – das geht doch nicht. Oder etwa doch? Finanzexperte Florian Märzendorfer räumt mit einem grundlegenden Missverständnis auf und zeigt, wo wir ansetzen müssen:

Im ersten Teil dieses Artikels haben wir bereits von den Ergebnissen des jüngsten FiP.S-Jams, der jährlichen Befragung von Studienabsolvent*innen und Jungakademiker*innen von fip-s.at, berichtet. Dabei wurde deutlich, dass sich Berufseinsteiger*innen zu wenig auf die Bewerbung vorbereiten. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Thema Gehalt. Ein Grund: Viele glauben, dass man in einem Krisenjahr wie dem heurigen nicht mehr Gehalt verlangen darf. Ein Irrtum.

Ein Gastartikel von Florian Märzendorfer

Gehaltsverhandlung – In Zeiten von Corona überhaupt noch möglich?

Florian Märzendorfer

Florian Märzendorfer, CEO von fip-s.at

Die persönliche Gehaltsentwicklung ist den Uni- und FH-Absolvent*innen nach wie vor wichtig – zumindest geben das knapp über 80 % an. Das ist zwar um die Spur weniger als vor der Pandemie, aber dass das Gehalt nach wie vor einen bedeutsamen Bestandteil der persönlichen Karriere darstellt, ist jetzt nicht besonders überraschend. Gerade in der Corona-Krise sollte man meinen, dass sich die Menschen noch intensiver auf ihr Gehaltsgespräch vorbereiten, oder?

Nein, dem ist nicht so.

vorbereitung auf gehaltsverhandlung in pandemieAls ich die Ergebnisse gelesen habe, dachte ich zuerst, ich bin Bill Murray und muss über den Murmeltiertag berichten. Im Großen und Ganzen hat sich fast gar nichts verändert. Gegenüber 2019 hat sich die Vorbereitungszeit sogar reduziert. Und das obwohl sich nur ca. 1/3 aller Teilnehmer*innen des FiP.S JAMs „sehr gut” oder „eher gut” auf die Gehaltsverhandlung vorbereitet fühlen.

Das ist etwas, das du ändern solltest

Denn auch die Fähigkeit, erfolgreich dein Gehalt zu verhandeln, begleitet dich die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Je früher du dir die Fähigkeit aneignest, desto besser. Ca. 60 % planen KEINE Gehaltsverhandlung im Jahr 2021 (bei den Frauen sind es sogar 75 %). Jetzt könnte man natürlich meinen: Ja, klar, das geht ja auch nicht während der Pandemie.” Aber ist das wirklich so? Einerseits hatten bereits knapp 54 % VOR der Pandemie nicht vor, ihr Gehalt zu verhandeln, und andererseits solltest du dich fragen:

Habe ich wegen der Pandemie einen schlechteren Job gemacht?

Nein? Ja? Wenn die Antwort Nein ist, dann solltest du definitiv dein Gehalt verhandeln. Speziell wenn du in einer Branche tätig bist, die von der Pandemie nicht so stark betroffen ist. Dass in der Stadthotellerie jetzt nicht unbedingt der beste Zeitpunkt dazu ist, liegt auf der Hand. Doch in vielen Branchen ist die Lage nicht so dramatisch. Du solltest nach deiner Leistung entlohnt werden und nicht ausschließlich nach externen Faktoren. Wie es bei dir im Unternehmen ist, wirst du selbst am besten abschätzen können. Doch Corona sollte nicht als Ausrede gelten, das Gehalt nicht zu verhandeln.

Tipps für die Vorbereitung

Für Tipps, wie du am besten vorgehst, habe ich zwei Vorschläge

  1. Hör dir den karriere.at Podcast Episode #10 an – da gehts speziell ums Thema Gehaltsverhandlung & Co (und dann liest du nicht nur was von mir, sondern hörst mich auch).
  2. Hol dir unseren Fahrplan zur (garantierten) Gehaltserhöhung. Den kannst du hier downloaden.

So machst du den ersten Schritt zu mehr Gehalt.

Umfrageergebnisse: Strategie als größte Herausforderung

Eines haben die Teilnehmer*innen des FiP.S JAMs nämlich erkannt

Als größte Herausforderung gilt die Strategie zur erfolgreichen Gehaltsverhandlung. Ich stimme mit dem zu 100 % überein. Im oben erwähnten Podcast erwähne ich das Zitat von Sunzi „Strategy without tactics is the slowest road to victory. Tactics without strategy is the noise before defeat.“ Eine schön formulierte Antwort reicht im Bewerbungsgespräch und in der Gehaltsverhandlung nicht aus, wenn du keine Strategie hast. Die beiden Ressourcen oben helfen dir, eine allgemeine Strategie zu entwickeln. Denn über dein Gehalt nachdenken oder die nächste Gehaltsverhandlung vorbereiten solltest du immer – egal welche Krise gerade herrscht.

Auch bei der jetzigen Pandemie wissen wir Anfang 2021 nicht, wie lange sie uns noch begleitet.

Falls du diesen Artikel im Jahr 2022 oder später liest, und die Pandemie vorbei ist: Wir wissen auch nicht, wann die nächste Krise uns trifft – egal ob es ein Virus oder etwas anderes ist. Während Marcus Aurelius herrschte, plagte das Römische Reich die Antoninische Pest (die ist auch nach ihm benannt). Sie dauerte 15 Jahre! Womöglich sogar länger – so im Detail ist das nicht ersichtlich, wenn wir 2.000 Jahre in der Geschichte zurückblicken. Doch egal wie lange uns diese oder die nächste Krise begleitet, eines der Dinge, die uns Marcus Aurelius lehren kann, ist:

You have power over your mind, not outside events. Realize this, and you will find strength.

  • Wir können nicht beeinflussen, wann die Pandemie vorbei ist. Doch wir können beeinflussen, ob wir uns auf die nächste Gehaltsverhandlung und das nächste Bewerbungsgespräch intensiver vorbereiten und die Zeit nutzen.
  • Wir können nicht beeinflussen, ob unsere Branche von einer unvorhersehbaren Krise schwerer oder leichter betroffen ist. Aber wir können beeinflussen, wie wir darauf reagieren.
  • Wir können nicht beeinflussen, ob unser*e Vorgesetzte*r gerade gut oder schlecht gelaunt ist. Aber wir können uns auf beide Szenarien vorbereiten.

Wir sollten uns immer nur auf das fokussieren, was wir beeinflussen können. Und ja, ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan. Doch versuchen sollten wir es trotzdem.

Nochmals, und um dir das Zitat schon fast ins Hirn zu brennen:

It’s not what happens to you, but how you react to it that matters.
Epictet

Wenn das nicht reicht: Ich habe zu Beginn Viktor Frankl zitiert. Wenn er dir nichts sagt, dann hol dir unbedingt sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen”.

Veränderung gehört zum Leben

Egal ob Wirtschaftskrise, Pandemie oder in Zukunft vielleicht künstliche Intelligenz

Unser Leben verändert sich stetig. Wenn Hiroji Satoh oder jemand anderer 15 Jahre früher seinen Schwammschläger benutzt hätte (wie in Teil 1 erwähnt), dann hätte die Revolution bereits vorher begonnen. Es sollte im Tischtennis nicht die letzte Veränderung sein. Die Beläge haben sich stetig weiterentwickelt, verdeckte Aufschläge wurden verboten, die Ballgröße wurde angepasst. Die Veränderung gehört zu unserem Leben wie Atmen. Die Frage ist, wie wir darauf reagieren.

„Die Veränderung gehört zu unserem Leben wie Atmen.“

Covid-19 oder was auch immer gerade aktuell ist, kann für dich der Auslöser sein, dass du deine Karriere- und Gehaltschancen drastisch verbesserst. Dazu ist keine Pandemie oder Ähnliches nötig, du kannst das jederzeit machen, aber vielleicht ist gerade diese Ausnahmesituation der Ansporn dazu.

Ich hoffe, dass dieser Artikel als kleiner Stupser in die richtige Richtung hilft.

Wie gehts jetzt weiter?

Wie sich der Tischtennissport weiterentwickelt oder wie es um die nächste Pandemie steht, weiß ich nicht. Das können wir auch nicht beeinflussen. Doch um deine Karriere und dein Gehalt voranzutreiben, kannst du folgendes machen:

  1. Nimm dir wirklich bewusst und aktiv Zeit für deine Karriere. Wenn du zu den 5,2 % gehörst, denen ihre Karriere nicht wichtig ist, dann hättest du gar nicht bis hierher gelesen. Jetzt gehts darum, dass du auch aktiv wirst und nicht nur passiv die Inhalte konsumierst.
  2. Beginnen kannst du damit, dass du dir den Fahrplan zur (fast) garantierten Gehaltserhöhung holst. Hier nochmals der Link zum Download.

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Bildnachweis: shutterstock/ABO PHOTOGRAPHY

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.