2. Mai 2018 · Arbeitsleben · von

Befreundet mit dem Chef: Warum das nicht immer gut geht

Mit der Führungskraft auch privat gut auskommen und befreundet sein? Klingt gut! Grundsätzlich ja, doch die Vermischung von Privatem und Beruflichem birgt einiges an Konfliktpotenzial. Psychologin Christa Schirl über Freundschaften im Spannungsfeld zwischen Chefbüro und Freizeitaktivität.

Christa Schirl

Christa Schirl

Wenn sich Berufliches mit Privatem vermischt, hat das auch Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Am Arbeitsplatz spielen sich solche Beziehungen auf zwei Ebenen ab – der sozialen und der organisationalen. „Auf der sozialen Ebene ist niemand ersetzbar: Jedes Familienmitglied oder jeden Freund gibt es so nur ein einziges Mal auf dieser Welt. Auf der organisationalen oder auch funktionellen Ebene – in einem Unternehmen, einer Partei oder einem Verein – sichere ich mir meine Zugehörigkeit durch meine Funktion. In dieser Funktion bin ich auch ersetzbar. Scheidet ein Kollege aus dem Unternehmen aus, folgt ein anderer nach“, erklärt Psychologin Christa Schirl.

Von der Freundschaft zur Freunderlwirtschaft

Allerdings lassen sich diese Ebenen und Funktionen nicht immer klar trennen – und das birgt Konflikte. Die berühmte „Freunderlwirtschaft“ ist nur eines der Symptome dafür. „Angenommen, ich leite ein Unternehmen und eine gute Freundin benötigt einen Job. Momentan benötige ich zwar keine neuen Mitarbeiter, aber ich stelle sie trotzdem ein. Hier passiert gleich ein doppelter Fehler: Ich belaste die Organisation mit etwas, das ich nicht brauche und die neue Mitarbeiterin ist auch noch meine Freundin“, sagt die Psychologin.

Selbst wenn die Einstellung der besten Freundin als Mitarbeiterin hinsichtlich Bedarf und Qualifikationen gerechtfertigt ist, birgt die Beziehung der Personen am Arbeitsplatz Konfliktpotenzial. „Es kann schwierig werden, denn privat miteinander verbrachte Zeit gestaltet sich anders, als auf der beruflichen Ebene“, sagt Schirl. Feedback und mitunter Kritik kann unter diesen Voraussetzungen schwer formuliert oder verstanden werden: Privat mag ich dich gerne, aber es missfällt mir wirklich, dass du deine Arbeitszeitaufzeichnungen immer zu spät fertigstellst. Oder, dass du immer Überstunden anhäufst und Freitag frei nimmst, während der Kollege den Tag im Büro alleine bewältigen muss. Als Freundin verstehe ich das, als Mitarbeitern nicht. Je enger die Zusammenarbeit, desto komplexer wird es.

Schirl kennt noch weitere Beispiele aus der Praxis: „Problematisch können auch partnerschaftliche Beziehungen am Arbeitsplatz werden, wenn z.B. einer für den anderen im beruflichen Kontext Partei ergreift, obwohl es nicht seiner Funktion entspricht. Oder, wenn sich jemand von der Führungskraft einen Gefallen erwartet, nur weil sie gut befreundet oder miteinander verwandt sind.“

So klappts mit der Freundschaft am Arbeitsplatz

  • Sich seiner eigenen Rolle immer bewusst sein: Spreche ich jetzt in meiner Funktion als Führungskraft, Kollege oder guter Freund? Spricht mich der/die andere jetzt in meiner Funktion als guter Freund oder als Mitarbeiter an?
  • Schirl rät dazu, die eingenommene Rolle auch zu betonen: „In meiner Rolle als Führungskraft benötige ich von dir jetzt folgendes.“
  • Eine Führungskraft, die sich mit einem Mitarbeiter besonders gut versteht, weil sie miteinander verwandt oder sehr gut befreundet sind, muss sich bewusst sein, dass so ein Verhalten Probleme mit sich bringen kann. Andere Mitarbeiter dürfen nicht das Gefühl bekommen, hier im Nachteil zu sein. Klar Verhältnisse schaffen!
Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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