22. März 2018 · HR · von

„Sinnstiftende Unternehmen kennen ihre Verantwortung“

Unternehmen, die sich für neue Arbeitsformen interessieren und sich dazu mit anderen Arbeitgebern austauschen möchten, sollten sich den 11. und 12. Juni 2018 vormerken: An diesen beiden Tagen findet in Graz wieder die Freiräume (Un)Conference statt. Worum es in diesem Jahr gehen wird und wie man an ein kostenloses Ticket kommt, hier gibts die Infos:

Die Freiräume (Un)Conference ist Österreichs größte Veranstaltung zu neuen Organisations- und Arbeitsformen. Mini-Workshops, Pionierstationen, Keynotes, Open Spaces und andere Formate widmen sich vielfältigen Fragen rund um neue Arbeitswelten. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen steht nicht nur Zuhören auf dem Programm, sondern vor allem aktiver Austausch und Ausprobieren.

Gregor Karlinger und Manuela Grundner veranstalten die Freiräume (Un)Conference in diesem Jahr zum dritten Mal und erzählen, worum es bei der diesjährigen Veranstaltung geht. Außerdem verlosen wir ein Ticket für die Freiräume 2018:

Welchen Leitthemen wird sich die Freiräume (Un)Conference in diesem Jahr widmen?

Manuela und Gregor: Die Freiräume beschäftigen sich mit Selbstorganisation, Ganzheit und Sinn. Heuer geben wir dem dritten Leitthemen besonderen Raum, nämlich dem unternehmerischen Sinn. Sinn stiftende Organisationen begreifen sich als Lebewesen mit eigenem Sinn und Zweck. Sie bieten durch eine klare Vision und eine mitreißende Mission Orientierung für das Handeln der Mitarbeiter. Sinnstiftende Unternehmen kennen ihre Verantwortung und ihren Beitrag für die Gesellschaft. Sie erneuern sich ganz selbstverständlich laufend selbst. In sinnstiftenden Unternehmen sind Umsatz, Gewinn und Marktanteil notwendiges Mittel zur Erfüllung des Zwecks.

Bei der (Un)Conference im Juni wollen wir uns speziell mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Was verstehen die Teilnehmer unter „Sinn“? In welcher Beziehung steht er zu Selbstorganisation und Ganzheit? Welche Erfahrungen machen Unternehmen, die für sich gut definiert haben, was für sie der Daseinszweck ist?

Sinn als schwer fassbares Thema

Warum habt ihr euch für diese Themen entschieden?

Manuela und Gregor: Im Sommer letzten Jahres haben wir uns auf die Suche nach einem Schwerpunkt für die (Un)Conference 2018 gemacht. Bei einem langen Spaziergang haben wir uns entschlossen, als Schwerpunkt für die Freiräume 2018 eine der drei thematischen Säulen zu wählen, und zwar den Sinn. Wir glauben, dass diese Säule für die meisten, die sich mit New Work auseinandersetzen, am schwierigsten fassbar und konkretisierbar ist.

Wir haben dann mit einigen Freiräumerinnen unsere Entscheidung reflektiert und die Resonanz geprüft. Beispielsweise in einer Open Space Session am Agile Coach Camp Austria (ACCAT). Es gab eine große, bestärkende Resonanz, sich in den Freiräumen 2018 mit Sinn als Schwerpunkt auseinanderzusetzen. Viele Teilnehmer finden es wichtig, dieses schwer greifbare Thema zu bearbeiten.

Im Vorfeld der Freiräume setzen wir uns intensiv mit den Begriff Sinn und seiner Bedeutung auseinandersetzen. Gemeinsam mit einigen Freiräumerinnen schreiben wir verschiedenste Artikel, um uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Erschienen sind bis jetzt beispielsweise Weshalb eigentlich das Warum suchen von Richard Pircher oder Neue Unternehmenswelt: Purpose driven und demokratisch von Annemarie Schallhart.

Denkt ihr, das Thema Sinn(haftigkeit) im Berufsleben hat in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen?

Manuela und Gregor: Ja, wir denken schon. Zunächst sehen wir an unserem eigenen Engagement für die Freiräume, wie stark das Verspüren eines Zwecks für das Empfinden von Sinn an der eigenen Arbeit zeugt. Beide beschäftigen wir uns mit den Leitthemen der Freiräume auch in unseren Stammberufen. Es hat jedoch noch einmal eine andere, sehr besondere Qualität, wenn wir unsere eigene Wirksamkeit im Rahmen von etwas Größerem (den Freiräumen) sehen, das hohe Resonanz mit unseren persönlichen Visionen erzeugt.

Und dann spüren wir anhand einer Vielzahl von persönlichen Beispielen in unserem Umfeld, dass einige Menschen zweierlei im Zusammenhang mit Sinn bewegt: Das Finden eines persönlichen Purpose (Was möchte ich in die Welt bringen?) und darauf aufbauend das Identifizieren von etwas Größerem, z.B. einem Unternehmen, das für sich selbst einen klaren Daseinszweck artikuliert, und in dem sie Teil von etwas Größerem werden können (Wo kann ich gemeinsam mit anderen Menschen etwas erreichen, das mir allein nur schwer gelänge?).

Woran das liegen könnte? Viele jüngere Menschen – leider bei Weitem nicht alle – erfahren in der heutigen Zeit den Luxus, als erste Generation über diese Fragen im Zusammenhang mit Arbeit nachdenken zu können. Arbeit muss nicht mehr nur dem Zweck dienen, für das eigene Auskommen zu sorgen, die Ansprüche an Arbeit steigen somit, vor allem in Richtung selbstbestimmteres Handeln und dem Verspüren eines Sinn stiftenden Zwecks.

Und wir denken, es gibt noch einen zweiten wesentlichen Einfluss: Immer mehr Menschen spüren, dass wir mit dem vorherrschenden Leistungs-Paradigma (Wachstum um jeden Preis, Konsum um des Konsums willen, etc.) an ein Ende kommen, und dass es ein Umdenken von uns Menschen braucht, wenn wir auf diesem Planeten nachhaltig ein gutes Auskommen haben wollen.

Selbstbestimmtes Arbeiten, Selbstorganisation & Co.: Worin liegen eurer Meinung nach für Unternehmen die Schwierigkeiten, wenn es um die Umsetzung geht?

Manuela und Gregor: Für neues Arbeiten sind zwei Parameter besonders wichtig: Welche Rahmenbedingungen braucht es, um Selbstorganisation möglich zu machen und welchen Reifegrad brauchen die Mitarbeiter, um innerhalb dieser Rahmenbedingungen agieren zu können.

Um die passenden Rahmenbedingungen für die eigene Organisation zu finden, kann man bestehende Frameworks erkunden und, meistens mit einigen Anpassungen, das Sienlichste für das Unternehmen auswählen und implementieren. Innerhalb dieser Einführungsphase werden immer wieder Adaptionen notwendig sein, da es schwer ist, ein Modell in der Blaupause ohne Anpassungen zu übertragen. Es ist also ein ständiges Reflektieren notwendig, um zu eruieren, was im Unternehmen funktioniert und was eben nicht.

Christoph Haase von TELE hat das im Film AugenhöheWEGE so beschrieben: Zuerst haben wir uns überlegt, Personalmanager einzuführen und jeder hat uns gesagt, dass das nicht funktionieren wird. Nachdem wir es umgesetzt haben, sind wir draufgekommen, es funktioniert wirklich nicht. Ein paar Mitarbeiterinnen haben sich zusammengetan und ein neues Format entwickelt. So ging es also von der Idee zu einer nicht funktionierenden Umsetzung, die dann von den Mitarbeiterinnen wieder angepasst wurde.

Der zweite Parameter ist der Reifegrad der Mitarbeiter. Unser vorherrschendes Bildungssystem sieht nur bedingt vor, das man selber zum Gestalter und Umsetzer der eigenen Ideen wird. Und so ist es auch nicht notwendig zu lernen, wie man eigene Entscheidungen trifft, diese mit seinem Umfeld abstimmt und immer wieder nachjustiert. Dabei sind das wichtige Fähigkeiten, um in neuen Organisations- und Arbeitsformen bestehen zu können. Die Organisation muss einen Raum schaffen, in dem kontinuierlich Lernen und Weiterentwicklung möglich werden.

Zurück zur vorangestellten Frage: Auf der einen Seite brauchen Unternehmen eine hohe Ambiguitätstoleranz um damit umzugehen, dass es keine vorgefertigten Lösungen gibt. Ein Framework und die darin enthalten Tools müssen hinterfragt und angepasst werden an die individuellen Bedürfnisse der Organisation. Auf der anderen Seite braucht das Unternehmen Mitarbeiter, die dieser Herausforderung gewachsen sind und Mut zu Veränderung haben.

Verlosung

Wir verlosen ein Konferenz-Ticket für die Freiräume (Un)Conference in Graz. Für die Teilnahme einfach bis spätestens 15. April 2018 eine E-Mail an win.tickets@freiraeume.community schicken und folgende Frage beantworten: Was sind die beiden Schwerpunkte der Freiräume (Un)Conference 2018? Das Ticket wird vom Veranstalter unter den teilnehmenden Einsendungen verlost.

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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