Erstellt am 7. August 2019 · Arbeitsleben, Arbeitsmarkt · von

Falsche Selbsteinschätzung? Frauen bewerben sich unter Niveau

Lesezeit: 2 Minuten

Frauen bewerben sich oft nicht für Berufe, für die sie eigentlich qualifiziert wären – das hat eine Studie ermittelt. Die Gründe: falsche Selbsteinschätzung, fehlende Vorbilder und „zu männliche“ Stelleninserate.

62.000 freie Stellen für Hochschulabsolventen gab es in Deutschland im Jahr 2018 – fast die Hälfte davon hätte mit bestens ausgebildeten Frauen besetzt werden können. Hätte. Denn 28.000 Akademikerinnen suchten im vergangenen Jahr dennoch einen Job unter ihrem Qualifikationsniveau. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und weist damit auf den Zusammenhang von Fachkräftemangel und veralteten Geschlechterrollen hin.

Frauen könnten Fachkräftemangel eindämmen

In welchen Bereichen ist der Fachkräftemangel am höchsten und was kann man dagegen tun? Dieser Frage ging die Studie nach und stellte fest: In geschlechtstypischen Berufen wie Metall- und Maschinenbau oder aber Alten- und Krankenpflege bleiben Stellen öfter unbesetzt als in „geschlechtsneutralen“ Bereichen. Als „typisch“ werden Berufe dann bezeichnet, wenn mehr als 70 Prozent der Mitarbeiter jeweils männlich oder weiblich sind.

Weiblich, überqualifiziert und selbstkritisch

Obwohl die Jobchancen in sogenannten Engpass-Berufen, sie definieren die Studienautoren mit weniger als 200 Arbeitslosen für 100 freie Stellen, gut sind, bewerben sich Frauen offenbar selten, auch wenn sie dafür qualifiziert wären. Ein Drittel der Frauen orientiert sich als überqualifizierte Fachkraft unterhalb ihres Niveaus, wohingegen Männer sich häufiger für Berufe bewerben, für die sie nicht die nötigen Fähigkeiten mitbringen. Das liegt, so das Fazit, daran, dass Frauen die eigenen Kompetenzen eher unterschätzen oder glauben, nicht in ein bestimmtes Berufsbild zu passen.

Falsche Vorbilder, falsche Stellenanzeigen

Berufsbilder scheinen der Studie zufolge auch bei jungen Leuten nach wie vor sehr traditionell zu sein. Man orientiert sich am Beruf der Eltern oder Großeltern beziehungsweise an Erzählungen über die jeweiligen Berufe. Die sind häufig nicht mehr zeitgemäß, denn Berufsbilder verändern sich. Bau oder Metallbau beispielsweise sind durch den technologischen Fortschritt (Stichwort: Automatisierung) heute weit nicht mehr so körperlich anstrengend wie ein oder zwei Generationen davor. Dennoch bewerben sich nur wenige Frauen für vermeintliche „Männerjobs“.

Nicht nur die fehlenden Vorbilder, sondern auch Stellenanzeigen sind laut den Studienautoren schuld daran. Diese würden nicht gendergerecht beziehungsweise „zu maskulin“ formuliert. Begriffe wie „Verhandlungsgeschick“ und „Durchsetzungsvermögen“ sprechen Frauen demnach weniger an als „Wortgewandtheit“ und „Selbstbewusstsein“. Außerdem seien Stellenanzeigen oft überladen mit Anforderungen, wovon Frauen sich eher überfordert fühlen als Männer.

Bildnachweis: shutterstock/Shift Drive

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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