19. Dezember 2016 · Arbeitsmarkt · von

Fluktuation: Frauen bleiben ihren Jobs meist länger treu

Wann verlassen österreichische Arbeitnehmer ihre Jobs und ist die Fluktuation unter Frauen stärker als unter Männern? Ein neuer Bericht der Statistik Austria analysiert, wie lange die Österreicher in ihren Arbeitsverhältnissen bleiben. Interessanter Aspekt: Familienplanung und Karenz ist nicht der Hauptgrund, warum Frauen Jobs verlassen.

Ein bekanntes Klischee aus der Arbeitswelt: Junge Frauen einzustellen ist riskant, denn bedingt durch ihre Familienplanung, fallen sie schnell wieder aus. Was an diesem Klischee dran ist, zeigt ein Bericht der Statistik Austria.

Untersucht wurde die Fluktuationswahrscheinlichkeit von Frauen und Männern. Basis dafür sind die Daten der registerbasierten Erwerbsverläufe. Analysiert wurden eine Million neu aufgenommene Jobs als Arbeiter oder Angestellte, ohne Wiedereinstellungen beim selben Arbeitgeber und exklusive Ferialjobs im Jahr 2010.

Wie lange bleiben die Österreicher im Job?

Die Auswertung der Beschäftigungsverhältnisse zeigt folgendes:

  • 78 Prozent der insgesamt rund 1 Million im Jahr 2010 neu aufgenommenen aktiven Beschäftigungsverhältnisse wurden innerhalb von zwei Jahren wieder beendet.
  • 37 Prozent der Frauen, aber nur 28 Prozent der Männer bleiben mindestens ein Jahr in ihrem Job.
  • Im Alter zwischen 25 bis 34 Jahren ist der Anteil der Frauen, die mindestens ein Jahr im Job bleiben, höher als unter den gleichaltrigen Männern.
  • Vor allem zu Beginn eines Dienstverhältnisses ist die Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigungsbeendigung bei Männern höher als bei Frauen. Im Laufe der Jahre gleichen sich die Wahrscheinlichkeiten immer mehr an.

Unterschiede zeigen sich hinsichtlich der Branchen, in denen die 25- bis 34-Jährigen tätig sind: Im Verkehrswesen, bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und im öffentlichen Bereich bleiben mehr Frauen mindestens zwei Jahre im Job, als Männer. Besonders groß ist der Unterschied im Bauwesen (Frauen: 32 Prozent, Männer: 13 Prozent). Grund dafür ist, dass Männer in der Baubranche häufiger einer Saisonbeschäftigung nachgehen. Im Produktionsbereich, der Informations- und Kommunikationsbranche sowie bei den freiberuflichen und technischen Dienstleistungen bleiben Männer und Frauen gleich lange in ihren Jobs.

Abschied vom Job – und dann?

Arbeitslosigkeit ist bei 25 Prozent jener Personen die Folge, die ihr Beschäftigungsverhältnis innerhalb von zwei Jahren verlassen. 17 Prozent wechseln in ein anderes Beschäftigungsverhältnis, 15 Prozent sind nach dem Ausscheiden aus dem Job sogenannte Nicht-Erwerbspersonen. Fünf Prozent wechseln in ein Ausbildungsverhältnis und beginnen z.B. ein Studium. In Karenz gehen nur zwei Prozent.

Diese Rolle spielt die Ausbildung

Mit sinkendem Bildungsniveau steigt das Risiko einer Beschäftigungsbeendigung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Beschäftigung endet, ist für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss fast doppelt so hoch wie für Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss. Kaum einen Unterschied gibt es für Arbeitnehmer mit Matura: 31 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer sind nach zwei Jahren noch im selben Job tätig.

Bildnachweis: Gonzalo Aragon / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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