19. Februar 2018 · Arbeitsleben · von

„Ich muss bestraft werden!“ – Geheime Fehler und ihre Konsequenzen

Jeder hat es schon mal getan: Mist bauen und es unter den Teppich kehren. Ob das privat oder im Arbeitsumfeld passiert – die eigenen Fehler zu verheimlichen, kann ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen und zwar nicht nur durch andere Personen. Warum geheim gehaltene Fehler verheerend sein können und wie du dir das Leben ganz einfach leichter machen kannst:

Heimlich das letzte Stück Kuchen in der Büroküche mampfen oder dem Chef gegenüber Probleme beim Großprojekt verheimlichen. Immer wieder tun wir Dinge, die wir nicht tun sollten und behalten es für uns, aus Angst bestraft zu werden. Warum es aber verheerend sein kann, Fehltaten zu verheimlichen, damit hat sich eine aktuelle Studie befasst.

Fehler müssen bestraft werden!

Meist verheimlicht man Fehler, um Bestrafung zu umgehen, die sich in Form von Abwertung oder Ausgrenzung durch das persönliche Umfeld ausdrücken könnte. Da wir allerdings als Individuen generell nach einer gerechten und ehrlichen Welt streben, widerspricht dem die Geheimhaltung eines Fehlers – schließlich müssen Fehltritte auch irgendwo Konsequenzen tragen. Bestrafen wir uns deshalb womöglich bewusst oder unbewusst selbst?

Bestrafen wir uns für geheim gehaltene Fehler selbst?

Forschung erleben! berichtet über diese Theorie aus einer Studie. Die Forscher Michael Slepian und Bastian Brock untersuchten ebendiese Fragestellung im Zusammenhang mit Partnerschaften. Dort sind Geheimnisse nicht unüblich und deren Enthüllung folgen mitunter große Konsequenzen. Ausgegangen sind die Forscher davon, dass das Verheimlichen (vs. Gestehen) von begangenen Fehlern das Gefühl hervorruft, bestraft werden zu müssen. Das wiederum sollte ein selbstbestrafendes Verhalten begünstigen – etwa durch die Ablehnung von Belohnungen und das eigene Ausführen von bestrafenden Tätigkeiten.

Dazu wurden Personen in festen Partnerschaften befragt, wie wohl sie sich mit Belohnungen fühlen würden (etwa mit Urlaub oder Geschenken vom Partner) und wie groß ihr Bedürfnis nach bestrafenden Tätigkeiten sei (z.B. Selbstbestrafung durch erschöpfendes Arbeiten oder gestrichene Mahlzeiten). Einige Teilnehmer sollten sich dazu vorher an eigene Fehltaten erinnern, die man dem Partner gestanden hatte. Die restlichen Teilnehmer sollten an Fehltaten denken, die sie dem Partner verschwiegen hatten, die also Geheimnisse geblieben waren. Zudem sollten Letztere das Ausmaß an Bestrafung angeben, welches sie für diese Fehltaten verdient hätten.

Großes Geheimnis – größeres Bedürfnis nach Selbstbestrafung

Tatsächlich gab die Gruppe der Teilnehmenden, die an ihre Geheimnisse gedacht hatten, an, für ihre Fehltaten eine größere Bestrafung zu verdienen. Außerdem fühlten sich diese zudem unwohler mit Belohnungen und empfanden ein größeres Bedürfnis nach bestrafenden Tätigkeiten. Diese Zusammenhänge zeigten sich übrigens nur für große Geheimnisse, die vermutlich schwerwiegendere Konsequenzen mit sich bringen würden.

Interpretiert man die Studie, führt das zum Schluss, dass das Verheimlichen (vs. Gestehen) von größeren Fehltaten unser Bedürfnis nach Selbstbestrafung erhöhen. Weil wir uns immer wieder an diese für uns behaltenen Geheimnisse erinnern, kann das sogar zu wiederholt selbstbestrafendem Verhalten führen. Daher ist es durchaus ratsam, Fehler trotz der möglichen Konsequenzen zu gestehen – um des eigenen inneren Friedens willen.

„Ich wars!“

Was wir daraus lernen? Mit Fehlern offen umzugehen und Fehltaten am besten sofort zu „gestehen“ kann uns das Leben ein Stückchen leichter machen. Beim nächsten Fehltritt in der Arbeit also den ganzen Mut zusammennehmen und sagen: „Ich wars!“ Erfahrungsgemäß sind die Reaktionen der Umwelt nach unmittelbaren Geständnissen zudem viel entspannter als mit großem zeitlichen Abstand. Außerdem sollte das Motto „ganz oder gar nicht!“ gelten: Teilgeständnisse hinterlassen oft ein schlechtes Gefühl – am besten gleich raus mit der ganzen Wahrheit.

Die Fehlerkultur in Unternehmen

Am Arbeitsplatz werden Fehler oft aus Angst vor dem Jobverlust nicht zugegeben. Vor allem junge Arbeitnehmer befürchten schwerwiegende Konsequenzen bei Fehltritten. Umso wichtiger ist es, im Kollegenkreis und vor allem als Führungskraft als positives Beispiel voranzugehen und mit Fehlern offen und locker umzugehen. Das gute alte Bonmot gilt nämlich allemal: Fehler sind da, um daraus zu lernen.

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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