Erstellt am 17. Dezember 2018 · Bewerbung · von

Bewerbungsmythen aufgedeckt – Unsere Antworten auf eure Fragen

Lesezeit: 5 Minuten

Rund um die Bewerbung geistern immer wieder viele Mythen und Halbwahrheiten. Ist es etwa noch immer ein No-Go, einen Lebenslauf zu versenden, der länger als eine Seite ist? Soll man auf Lücken im Lebenslauf eingehen? Und wie geht man mit Gehaltsvorgaben im Bewerbungsgespräch um? Wir haben wieder einmal eure häufigsten Fragen zusammengefasst und liefern als „Bewerbungs-Myth-Busters“ die Antworten dazu:

Zum Thema „Lücken im Lebenslauf“ – wie geht man damit um? Wie ist das mit krankheitsbedingten längeren Ausfällen?

Lücken in deinem Lebenslauf solltest du auf jeden Fall nicht unkommentiert lassen. Das Problem bei Lücken, die gerne vertuscht werden, ist nämlich: Personalverantwortliche werden sich fragen, was du in dieser Zeit gemacht hast. Das führt schnell zu Spekulationen, die in alle Richtungen gehen können. Besser: Gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Bei der Angabe auf eine möglichst neutrale oder positive Formulierung achten. Schreibe z.B. „arbeitssuchend“ (statt „arbeitslos“) oder „Genesungszeit nach Krankheit (vollständig ausgeheilt)“. Bei krankheitsbedingten Ausfällen musst du auch nicht den genauen Grund angeben.

Übrigens: Eine Lücke ist ab rund drei Monaten als solche zu betrachten. Warst du einfach nur ein bis zwei Monate auf Reisen oder bist auf der faulen Haut gelegen, hat das für gewöhnlich keine Auswirkungen auf deinen Lebenslauf. Für ein später folgendes Gespräch solltest du dir jedenfalls auch gleich Gedanken machen, was du auf Fragen in diese Richtung antwortest.

Wie wird das Gehalt in Bewerbungsgesprächen am häufigsten thematisiert? Wird von Brutto oder Netto gesprochen, Jahresgehalt oder Monatsgehalt? Ist es üblich, dass um das Gehalt im Bewerbungsgespräch gehandelt wird?

Der Personaler spricht in der Regel vom monatlichen Bruttogehalt bzw. vom Gehalt, wie es im Stelleninserat angegeben war. Natürlich kann es auch passieren, dass du nach deiner Gehaltsvorstellung gefragt wirst und auch kleinere Verhandlungen im Rahmen des Gesprächs vonstattengehen. Eventuell hat der Arbeitgeber im Inserat oder auf karriere.at schon einen Gehaltsbalken angegeben, an dem man sich in der Verhandlung orientieren kann. Idealerweise bereitest du dich vorab darauf vor, indem du mit unserem Gehaltsrechner recherchierst, wie viel man in der Branche generell im Schnitt verdient und wie viel du „wert bist“. Zum Thema Gehalt haben wir hier noch einige Tipps für dich und auch ein eigenes Webinar, das du hier nachhören kannst.

Wie sieht es mit sogenannten Überqualifizierungen aus? Wie kann ich den potenziellen Arbeitgeber schon vorab (im Anschreiben, CV etc.) davon überzeugen, dass ich trotz Überqualifzierung die richtige Person für den Job bin? Soll ich auf die Überqualifizierung aktiv eingehen?

Die Frage ist immer, warum bewirbt man sich auf eine Stelle, für die man überqualifiziert ist? Ist es nur eine Übergangslösung oder strebt man die Position aus einem persönlichen Interesse heraus an. Wichtig ist, dass du auf jeden Fall im Bewerbungsgespräch eine Antwort auf diese Frage hast. Vorab kannst du auf jeden Fall mit einem Motivationsschreiben punkten, in dem du darauf eingehen kannst, warum du trotz deiner Überqualifizierung genau die richtige Person für den Job bist. Im Bewerbungsgespräch kann man dann genauer darlegen, warum man trotzdem oder gerade deswegen einen Mehrwert für das Unternehmen bietet. Wichtig ist dabei, dass der Lebenslauf und die Bewerbungsunterlagen schon überzeugen – es sollte natürlich bei einer Überqualifizierung die Berufserfahrung hervorgehoben werden und auch die Motivation hinter deiner Bewerbung für die Stelle.

Wie „schlimm“ ist es, wenn man kürzere Jobstationen im Lebenslauf hat (nur 4 bis 6 Monate) – einfach weil man sich im jeweiligen Job/Unternehmen nicht wohl gefühlt hat?

Ein öfterer Jobwechsel ist heute durchaus üblich und kennzeichnet dich nicht sofort als schwierigen Mitarbeiter, falls du das befürchtest. Du kannst dieses sogenannte Job-Hopping damit argumentieren, dass du Jobs einfach ausprobieren wolltest und deswegen viel Verschiedenes gemacht hast, aber immer relativ schnell gemerkt hast, dass es nichts für dich war. Dabei solltest du (wie generell im Lebenslauf) allerdings nie lügen, aber musst auch nicht immer die ganze Wahrheit sagen. ;-) Eine klare Regel gibt es hier dennoch: Verliere auch über vergangene Arbeitgeber nie ein schlechtes Wort – erst recht nicht im Bewerbungsprozess.

Müssen Interessen wirklich im Lebenslauf angeführt sein – ich bevorzuge das eher im Vorstellungsgespräch. Man fliegt oft sehr schnell raus, wenn man z.B. Fußball angibt (Verletzung und Krankenstand).

Wir empfehlen dir auf jeden Fall, bereits im Lebenslauf deine Interessen anzuführen, da sie sehr viel über deine Persönlichkeit aussagen und sich Personalverantwortliche diese menschliche, eher private Komponente laut mehreren Umfragen auch tatsächlich wünschen. Dadurch zeigst du schon vor dem ersten Kennenlernen, ob du auch mit deiner Persönlichkeit in ein Team passen könntest. Als Fußballspieler bist du vermutlich ein Teamplayer – viel besser ist es also, das durch dein Hobby zu argumentieren, als mit der leeren Floskel „Ich arbeite gern im Team“.

Am besten nennst du drei bis vier Interessen, dabei solltest du dich nicht auf allgemeine Stichworte beschränken, sondern deiner Bewerbung eine persönliche Note geben: In meiner Freizeit spiele ich gerne Fußball im Verein, in dem ich schon seit meiner Kindheit bin. Meine Reiselust und meine Leidenschaft für asiatisches Essen führt mich im November nach Japan. Befürchtungen bezüglich möglicher krankheitsbedingter Ausfälle solltest du dann einfach im Bewerbungsgespräch entkräften.

Bei manchen Unternehmen scheint als 1. Runde ein Telefongespräch mit HR üblich zu sein – gibt es Regeln/Vorgaben dazu?

Telefoninterviews sind durchaus üblich, um erste Informationen abzuholen. Wichtig dabei ist, dass du dir bewusst machst, dass die Infos beim Telefoninterview auch notiert werden und dies schon Teil des Bewerbungsprozesses ist. Gute Vorbereitung ist daher auch beim Telefoninterview notwendig. Via Telefon kann prinzipiell alles gefragt werden, was auch im Bewerbungsgespräch relevant ist. Falls du in einem ungünstigen Moment erwischt wirst oder dich nicht wirklich vorbereitet hast, kannst du auch um einen Rückruf bitten, bevor du dich unvorbereitet einfach hineinstürzt. Ausführlicher haben wir hier dazu berichtet:

Ist das nicht ein Widerspruch, dass mein Lebenslauf standardisiert sein soll, aber gleichzeitig an die ausgeschriebene Position angepasst werden soll?

Generell solltest du beim Standard Layout bleiben, was Bewerbungsunterlagen betrifft, weil Recruiter Kreativität in dieser Hinsicht eher weniger schätzen (außer es soll wirklich eine Kreativbewerbung in einer kreativen Branche sein – hier haben wir mehr dazu). Bei stapelweise Lebensläufen sehen HR-Verantwortliche gern auf den ersten Blick, wo sie die gewünschten Informationen über dich finden. Für dich heißt das, formal lieber bei der einfacheren, übersichtlichen Form bleiben und besser mit dem Inhalt aus der Masse hervorstechen.

Gimme more! Mehr zum Thema Bewerbung

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Bildnachweis: Andrey_Popov/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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