30. Oktober 2017 · Arbeitsleben · von

Von der Faszination des Randes – 7 Erkenntnisse von der TEDxVienna 2017

Technology, Entertainment, Design – dafür steht TED. Und für mitreißende Talks der spannendsten Speaker aus der ganzen Welt. Bei der diesjährigen TEDxVienna hat man sich dem Thema „On the Edge“ gewidmet, in all seinen Facetten. Vom Psychologen, der über sexuelle Konflikte spricht bis zum Game Designer, der mit rassistischen Spielen provoziert – 7 Erkenntnisse, die wir euch nicht vorenthalten möchten:

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Wir befinden uns in einem Grenzbereich: Einerseits leben so viele Menschen auf der Welt wie noch nie zuvor, andererseits stehen wir am Rande eines Durchbruchs von AI, Blockchain und anderen Technologien, die wenig Menschliches an sich haben. Unter dem Motto „On the Edge“ haben sich bei der Wiener TEDx wieder zahlreiche Speaker aus aller Welt eingefunden und dem Publikum Einblicke in technische Entwicklungen, wissenschaftliche Forschungen und ganz persönliche Grenzerfahrungen gegeben.

Diese 7 Erkenntnisse haben wir mitgenommen:

#1 Wir sind in der Lage unser zukünftiges Aussehen vorherzusagen

Stehen mir lange dunkle Haare oder bin ich mit einer blonden Kurzhaartolle attraktiver? Wie hätte ich wohl in den 1920ern ausgesehen oder wenn ich in Indien aufgewachsen wäre? All das macht Ira Kemelmacher-Shlizerman anschaulich. Die Computerwissenschaftlerin aus den USA kann mithilfe von visuellen Daten unser Äußeres sehr realitätsnah verändern. Mit ihrem Wissenschaftsteam konnte sie aus gewöhnlichen Fotos und Videos die äußere Veränderung von Menschen konstruieren. Warum? Neben dem Spaßfaktor, der etwa Virtual Reality eine neue Dimension geben wird, ist es vor allem die noble Absicht, das Aussehen lange vermisster Personen rekonstruieren zu können, um ungelöste Fälle zu klären.

#2 Die Geheimformel, um eine Internetberühmtheit zu werden

Mit dem Internet hat ein „Rennen um die Aufmerksamkeit“ begonnen: Jeder kann an diesem Wettbewerb teilnehmen. So gibt es heute Kinder, die auf Youtube mehr Zuseher verzeichnen als manch alteingesessener TV-Sender. Shahak Shapira ist deutscher Künstler und Comedian mit jüdischen Wurzeln. Durch virale Aktionen wie #HEYTWITTER, einem Hatespeech-Experiment, oder der kontroversen Website YOLOCAUST erntete er weltweit Aufmerksamkeit. Seine Geheimformel für den Erfolg online: IDEA = INSIGHT + MECHANIC

Ein Beispiel gefällig? Zwei ähnliche Aussagen – zwei unterschiedliche Blickwinkel, die die Nachhaltigkeit der Aussage bestimmen:
Die Geschichte von Harry Potter ist unrealistisch, weil er in der Schule Magie lernt.
Die Geschichte von Harry Potter ist unrealistisch, weil er in der Schule Magie lernt und damit etwas, das er tatsächlich im Leben brauchen kann.

Was Shapira uns mitgeben will: Wenn du etwas zu sagen hast, sag es jetzt! Das Internet bietet dir die Möglichkeit, von zuhause die ganze Welt zu erreichen.

#3 Fake ist nicht immer schlecht!

Fake News sind seit den amerikanischen Präsidentschaftswahlen ein großes gesellschaftliches Thema. Dementsprechend negativ bewerten wir alles rund um den Begriff „Fake“. Aber Fake ist nicht immer böse oder schlecht. Warum Unmengen an Geld ausgeben für eine Smartwatch, wenn man ein nahezu identisches Modell mit den gleichen Funktionen (und sogar noch etwas mehr) um 15 Dollar haben kann? Pablo Garcia kann sich dafür durchaus erwärmen. Er ist Professor für Art und Technology und selbst Künstler. Umso spannender ist seine Reiseempfehlung: Shenzhen City in China ist die Welthauptstadt der Imitate und Fälschungen. Das dort ansässige Künstlerdorf Dafen ist die weltweit größte Werkstatt für kopierte Ölgemälde. Jährlich werden dort ca. 5 Millionen Gemälde von bekannten Künstlern wie Picasso, Dalí oder Renoir kopiert. Damit einher geht allerdings nicht die klassische Negativkonnotation von allem, was nachgemacht ist, denn die „Künstler“ dort können für chinesische Verhältnisse recht gut davon leben und sind teilweise sogar Absolventen von Kunsthochschulen.

#4 Wir sind alle Rassisten!

Ein Onlinespiel, in dem der User Frauen in einem Krankenhaus nach ihrem Aussehen (Hautfarbe, Kopftuch etc.)  sauberen oder weniger hygienischen Zimmern zuteilt? Das ist doch ganz klar rassistisch! Genau – deshalb hat der Game Designer Dori Adar dieses Spiel auch entworfen. Als Israeli ist er vertraut mit tagtäglichem Rassismus. Mit seinen Spielen, die den User impliziten oder expliziten Rassismus praktizieren lassen, will er beweisen: Wir alle sind geborene Rassisten, dem sollten wir uns auch bewusst sein. Entgegen der Erwartung wurde das Game zum viralen Hit. Mit einem neuen Gaming-Projekt will er die Zusammenarbeit von israelischen und arabischen Teenagern fördern und diesen uns anscheinend inhärenten Rassismus bekämpfen.

#5 Technologie hat doch ein Herz

Ein kleiner Junge ist körperlich beeinträchtigt. Er würde gerne zur Schule gehen, auf Bäume klettern und mit seinen Freunden durch die Gegend ziehen, aber seine Krankheit lässt es nicht zu. Der kleine Roboter „Telia“ soll solche Schicksale in Zukunft ändern. Er ist dafür konzipiert, der Isolation ein Ende zu setzen, in dem sich beeinträchtigte Personen befinden. Karen Dolva ist CEO und Co-Gründerin von „No Isolation“, einem Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Leute in Einsamkeit und sozialer Isolation zu helfen. Sie ist der Meinung, dass Technologie uns nicht das Gefühl geben sollte, dumm zu sein – sie ist dafür da, um uns zu helfen und uns zu unterstützen. Hier setzt auch ein weiteres Projekt an: Ein Kommunikations-Tool für ältere Menschen, welches ihnen erleichtern soll, mit der Umwelt in Kontakt zu bleiben.

#6 Männer und Frauen missverstehen sich – ständig!

Eine Frau und ein Mann unterhalten sich, die Frau lächelt. Warum tut sie das? A: Sie ist an ihrem Gegenüber offensichtlich sexuell interessiert. B: Sie will einfach freundlich sein. Die Geschichte von Venus und Mars ist ja nun wirklich nichts Neues, der amerikanische Psychologe David Buss hat die Konflikte zwischen den Geschlechtern jetzt allerdings auch wissenschaftlich untersucht und belegt Vermutungen, die viele von uns ohnehin schon lange hegten. Heruntergebrochen auf die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse heißt das: Männer überinterpretieren gerne und Frauen wollen einfach nur freundlich sein.

#7 Wir sollten alle mal „random“ einschalten

In unserem verplanten Leben passiert es schnell, dass wir die immer gleichen Abläufe mit den immer gleichen Menschen erleben und uns in einem Hamsterrad befinden, ohne es zu wissen. Max Hawkins wollte daraus ausbrechen und überließ sein Leben dem Zufall. Ein Computerprogramm sollte für den Computer Künstler von nun an zwei Jahre lang willkürlich bestimmen, wo er lebt, welche Musik er hört oder wie seine Freizeit aussieht. Dabei ist er viel herumgekommen: vom Einkaufszentrum in Japan bis zur Ziegenfarm in Slovenien. Seine Botschaft an uns: Die Kontrolle abzugeben macht frei!

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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