14. April 2017 · Arbeitsmarkt · von

Digitalisierung: Das sind die gefährdeten Jobs in Österreich

Die fortschreitende Digitalisierung wird Jobs kosten – wie viele tatsächlich und wen wird es treffen? Eine IHS-Studie hat untersucht, welche Arbeitsplätze in Österreich mittelfristig betroffen sein werden.

Die Digitalisierung schreitet voran und damit rückt auch die Tatsache näher, dass am heimischen Arbeitsmarkt bestimmte Jobs in Zukunft wegfallen werden. Ob die Verluste so massiv sein werden, wie eine US-Studie prognostiziert, hat das Institut für Höhere Studien im Auftrag des Sozialministeriums untersucht. Das Ergebnis: Mittelfristig sind rund neun Prozent der heimischen Arbeitsplätze in Gefahr, durch die Digitalisierung wegzufallen. Das ist wesentlich weniger, als laut US-Studie prognostiziert (40 bis 50 Prozent).

Die Methodik: Job ist nicht gleich Job

Den unterschiedlichen Ergebnissen liegen verschiedene Methodiken zugrunde, erklärt Martin Kocher, Direktor des IHS: „Unsere Berechnungen beziehen mehrere Dimensionen und Parameter bei der Bewertung der Automatisierbarkeit von Berufen mit ein. So gibt es auch innerhalb ein- und desselben Berufs oftmals unterschiedliche Tätigkeitsstrukturen, die man bei der Prognose hinsichtlich der Automatisierungswahrscheinlichkeit berücksichtigen muss.“

Für die IHS-Studie wurde zunächst eine bestehende Bewertung des Automatisierungspotenzials der einzelnen US-Berufe herangezogen. Danach wurde der Tätigkeitsanteil, der durch Maschinen oder Algorithmen ersetzbar ist, für alle Beschäftigten in Österreich sowie auf Ebene der neun Berufshauptgruppen und 43 Untergruppen berechnet. Der Unterschied zur US-Studie: Es wird nicht davon ausgegangen, dass alle Arbeitnehmer im gleichen Beruf auch die gleiche Tätigkeit ausüben. Dafür werden individuelle Tätigkeitsstrukturen anhand von Jobbeschreibungen berücksichtigt. Können mehr als 70 Prozent eines Jobs durch maschinelle Prozesse übernommen werden, gilt dieser Arbeitsplatz mittelfristig als gefährdet.

Diese Jobs sind von der Digitalisierung bedroht

Arbeitnehmer, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen, sind von der digitalisierten Arbeitswelt am stärksten betroffen: Rund 30 Prozent der Jobs für Hilfsarbeitskräfte werden wegfallen. 18 Prozent der Maschinenbediener und 19 Prozent der Handwerker wird die Digitalisierung ebenfalls treffen. Entwarnung gibt es für Jobs, die Kreativität, soziale Intelligenz und Flexibilität fordern. Die Tätigkeiten von Führungskräften, Akademikern und Technikern sind ebenfalls kaum oder gar nicht bedroht.

Jobs werden also wegfallen, dafür werden laut Studienautorin Gerlinde Titelbach aber neue Arbeitsplätze entstehen: „Zur gleichen Zeit werden aufgrund der Automatisierung in bestimmten Bereichen, wie etwa bei der Entwicklung neuer Technologien oder aufgrund veränderter Arbeitsprozesse, neue Arbeitsplätze entstehen. Demnach sind merkliche Gesamtbeschäftigungseffekte unwahrscheinlich, jedoch werden sich die Anforderungen und Tätigkeiten der Erwerbstätigen verändern. Zudem bleibt auch noch abzuwarten, wie rasch Klein- und Mittelbetriebe technologische Entwicklungen in ihre Arbeitsprozesse implementieren.“ Damit die Digitalisierung letztendlich aber mehr Jobs schafft, als diese zu eliminieren, sind laut IHS treffsichere Qualifikationsprogramme notwendig sowie ein Bildungssystem, das sich auf die Digitalisierung einstellt.

Bildnachweis: josefkubes/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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