2. August 2017 · HR · von

Digitale Talente und ihre Wünsche an Job, Gehalt und Arbeitgeber

Sie sind „always on“, aber für Arbeitgeber nur schwer zu kriegen: digitale Talente. Was sie auszeichnet ist ihre besondere Sicherheit im Umgang mit digitalen Tools und ein Plus an Kompetenzen. Wie man sie als Mitarbeiter trotzdem gewinnen (und vor allem halten) kann, was digitale Talente sich von einem Job wünschen und wieviel sie verdienen möchten – wir haben exklusive Daten aus dem aktuellen Trendence Graduate Barometer für Österreich.

Wer sind die digitalen Talente?

In diesem Jahr hat trendence im Graduate Barometer den Schwerpunkt auf digitale Talente gelegt. Das sind jene Absolventen, die sich durch überdurchschnittlich hohe digitale Kompetenzen auszeichnen: Sie tracken ihren Alltag online, entwickeln Apps, konzipieren Anwedungen bzw. Websites oder sind im Umgang mit Social Media oder SEO Profis. Diese digitalen Talente bewegen sich in der digitalen Welt noch selbstverständlicher und selbstsicherer als Studierende, die „nur“ als digital Natives aufgewachsen sind. Die digitalen Talente wurden im Rahmen der Befragung anhand eines Fragenkatalogs mit 17 Fragestellungen identifiziert. Abgefragt wurde beispielsweise, ob sie Wearables nutzen, Social Media oder SEO-Kampagnen durchführen können oder im Umgang mit verschiedenen Betriebssystemen sattelfest sind.  Ein Absolvent gilt dann als „Digital“, wenn er mindestens sieben dieser Kriterien erfüllt.

  • Nur ein Drittel der Wirtschaftsabsolventen zählt zu den Digitals (56 Prozent Männer, 44 Prozent Frauen). Bei den Technikern ist es rund die Hälfte der Studierenden, die knapp vor dem Abschluss stehen (Männer: 79 Prozent, Frauen: 21 Prozent).

Warum Digitals rekrutieren?

Die digitalen Talente gibt es auf dem Arbeitsmarkt nicht im Überfluss, für Arbeitgeber sind sie jedoch wertvoll. Von vielem bringen sie einfach mehr mit, als die Nicht-Digitals: Ihre Englischkenntnisse sind besser und sie sind bereits reicher an praktischer Erfahrung. Belastbar und flexibel sind sie bereit, mehr Leistung zu erbringen als Non-Digitals. Allerdings möchten sie auch dementsprechend mehr verdienen. Führungsaufgaben zu übernehmen ist für sie besonders reizvoll. Auf der Suche nach den Nachwuchsführungskräften sollten Arbeitgeber diese Digitals also im Auge behalten. Wer im Unternehmen auf Methoden wie Kanban, Scrum, Big Data oder Design Thinking setzt, ist mit Digitals im Team ebenfalls gut beraten. Im Umgang mit diesen Tools haben sie doppelt bis dreimal so viel Erfahrung wie Absolventen, die lediglich Digital Natives sind.

Digitals finden: Hier suchen sie ihre Jobs

Gute Nachrichten für Arbeitgeber: Digitals nehmen mögliche Arbeitgeber bewusster wahr als Non-Digitals. Sie informieren sich auf verschiedenen Wegen über Jobs und interessante Unternehmen. Das sind die Touchpoints, an denen Tech-, IT- und Wirtschaftsabsolventen besonders gut erreicht werden können:

  • Internet
  • Campus
  • Empfehlung (Freunde, Familie, Bekannte)
  • Fachmessen

Warum sind sie so schwer zu kriegen?

Die schlechte Nachricht: Digitale Talente sind knapp und oft schwer zu bekommen. Das hat verschiedene Gründe. Arbeitgebern gehen sie häufig verloren, weil sie sich nach dem Studium mit einem Start-up selbstständig machen. Ein Drittel der Absolventen (Technische Studien und Wirtschaft) spielt mit dem Gedanken, nach dem Abschluss ein eigenes Unternehmen zu gründen. 47 Prozent der Business-Absolventen haben bereits während ihres Studium eine Jobzusage in der Tasche, bei den Technik-Absolventen sind es 38 Prozent. Wer sich als Arbeitgeber nicht bereits während der Studienzeit um zukünftige neue Mitarbeiter bemüht, hat das Nachsehen.

Diese Branchen gewinnen – oder verlieren:

  • Technik-Absolventen
    IT-Dienstleistungen und Elektrotechnik sind für diese Studierenden die beliebtesten Branchen. Jeder Dritte würde gerne einen Job bei einem IT-Dienstleister annehmen, diese Branche begeistert so drei Mal mehr Digitals als Non-Digitals. Genau umgekehrt ist es dafür bei Chemie/Pharma/Gesundheit: Diese Branche ist für Nicht-Digitals viel interessanter, als für die digitalen Talente. Die Konsumgüterindustrie kann Tech-Digitals ebenfalls überzeugen, 11 Prozent präferieren diese Branche (im Vergleich: nur 4 Prozent bei den Nicht-Digitalen). Die schlechteste Digital-Quote haben übrigens Ingenieurdienstleister. Nur jeder fünfte Bewerber dieser Branche ist ein Digital.
  • Business-Absolventen
    Consulting, Konsumgüterindustrie und Steuerberatung/Wirtschaftsberatung – das sind die Top 3 der beliebtesten Branchen der Wirtschaftswissenschaftler. Im Vergleich mit den Präferenzen der Nicht-Digitals schneiden bei den digitalen Talenten außerdem diese Branchen gut ab: IT-Dienstleistungen, Banken und Elektrotechnik. Nicht überzeugen kann der Handel. In dieser Branche finden sich nur wenige Digitals unter den interessierten Bewerbern. Allerdings gibt es hier Ausnahmen: Hofer, die Spar Group und Lidl schneiden als Arbeitgeber überdurchschnittlich gut bei den digitalen Talenten ab.

Schwierig: Digitals langfristig halten

Digitale Talente ans Unternehmen zu binden, das wird für Arbeitgeber nicht einfach. Eine lange Verweildauer im ersten Job streben die Digitals nämlich nicht an. Häufigere Jobwechsel stellen für sie ebenfalls kein Problem dar. Wer Digitals halten möchte, muss also bestmöglich auf ihre Bedürfnisse eingehen. Wertschätzung, attraktive persönliche Aufgaben und die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung – das ist Digitals und Non-Digitals gleichermaßen wichtig – einige Aspekte sind den digitalen Talenten aber doch um einiges wichtiger: Hohe Innovationskraft eines Unternehmens und Eigenverantwortung übernehmen zu können, diese Dinge liegen Tech- und Business-Absolventen besonders am Herzen. Die Wirtschaftler schätzen es außerdem, wenn ein Arbeitgeber attraktive Produkte oder Dienstleistungen anbietet.

Gehaltswünsche der Berufseinsteiger

Ein hohes Einstiegsgehalt ist den Technikern ein klein wenig wichtiger als den Business-Absolventen. Das möchten beide Absolventengruppen verdienen und das sind sie bereit, dafür zu leisten:

Leistung und GehaltTechnikerDigitalsNon-Digitals
Erwartete Wochenarbeitszeit40,941,340,5
Wunschgehalt/Jahr37.000 Euro38.000 Euro36.200 Euro
Leistung und GehaltBusinessDigitalsNon-Digitals
Erwartete Wochenarbeitszeit41,443,440,2
Wunschgehalt/Jahr35.400 Euro37.100 Euro34.400 Euro
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Die Wunscharbeitgeber der Absolventen

Bildnachweis: SFIO CRACHO / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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