14. August 2017 · Arbeitsleben · von

Großraumbüro, Cubicle und Home-Office: Büros im Lauf der Zeit

Büroräume bewegen sich zwischen Funktionalität und Design und entwickeln sich ständig weiter. Schließlich müssen auch sie Schritt halten mit fortschreitenden Technologien. Nicht zuletzt sind sie immer auch Abbild der vorherrschenden Unternehmenskultur. Ein Blick auf Büro-Trends, die teilweise bis heute nachwirken:

In der Serie Mad Men nehmen Besucher im Büro von Werbetexter Don Draper in orangefarbenen Schalensesseln Platz, während er es sich vielleicht auf dem Sofa gemütlich macht. Natürlich nicht, ohne sich zuvor einen Drink am Barwagen zu mixen. Ein Einzelbüro mit Sitzecke ist heute bestenfalls im Büro des Chefs zu finden – so es überhaupt noch eigene Büros für Führungskräfte gibt. Welche Wandlung Büroräume im Lauf der letzten Jahrzehnte vollzogen haben, hat sich Steelcase angesehen:

Trend #1: Das effiziente Großraumbüro

Es kann der Alptraum eines jeden Arbeitnehmers sein – das Großraumbüro. Praktisch ist es jedoch: Auf relativ kleinem Raum können viele Arbeitsplätze untergebracht werden. In den USA hielt diese Form des Büros bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts Einzug, um das rasante Wirtschaftswachstum nach dem zweiten Weltkrieg zu meistern. Europa zog da erst einige Jahrzehnte später nach. Heute investieren Arbeitgeber nach wie vor in Großraumbüros. Die Zusammenarbeit auf großer Fläche soll Teamwork, Innovation und Kreativität fördern. Was die Anzahl der sogenannten “Open Spaces” betrifft, liegen die USA immer noch vorne. Rund die Hälfte der Amerikaner arbeiten in Großraumbüros, in Deutschland sind es nur 25 Prozent. Das liegt auch an der historischen Baustruktur in Europa. Wer hingegen neu baut, entscheidet sich oft für Gebäude mit Großraumbüros.

Trend #2: Das Chefbüro

Dem Trend zum Großraumbüro haben Einzelbüros trotzdem getrotzt. Nicht jeder Arbeitnehmer muss an einem Schreibtisch inmitten der Bürohengst-Herde Platz nehmen. Das repräsentative Chefbüro ist nie verschwunden. “Nach wie vor existiert in Unternehmen weltweit das Chefbüro, wobei der Status einer Führungskraft meist über die Größe des eigenen Büros definiert wird”, bestätigt Marc Nicolaisen, Director Customer Experience bei Steelcase. Allerdings zog das Führungsteam von Steelcase ebenfalls in Open Spaces um. Und noch ein Beispiel aus Österreich: Seit dem Einzug in den Erste Bank Campus in Wien verzichten die Vorstände dort auf ihre Einzelbüros.

Der Chef im Großraumbüro, das ist zunehmend Ausdruck eines neuen Führungsstils und Zeichen für den Verzicht auf steile Hierarchien. Status und dessen Symbole rücken in den Hintergrund, direkter Austausch und Kommunikation auf Augenhöhe treten an dessen Stelle.

Trend #3: Das Wohlfühlbüro

So effizient ein Großraumbüro auch ist, dort zu arbeiten ist nicht immer angenehm. Anfang des 21. Jahrhunderts entwickelt sich ein Gegentrend dazu. Vor allem europäische Unternehmen realisierten, dass eine Fläche voller Schreibtische nicht unbedingt die beste Lösung für tägliches Arbeiten ist. In den Vordergrund trat langsam ein Büro, in dem sich Arbeitnehmer auch wohlfühlen können. Flexible neue Räume und Rückzugsmöglichkeiten verbesserten die Situation im Großraumbüro.

Trend #4: Das Home-Office

Die Tendenz zum Home-Office finden nicht alle toll, die fortschreitende Digitalisierung zwingt Arbeitgeber und Raumgestalter jedoch, sich mit diesem Trend zu beschäftigen. Mobiles Arbeiten wird auch die Büroräume wieder verändern. Nicht jeder Arbeitnehmer kehrt täglich an seinen Arbeitsplatz zurück oder arbeitet vielleicht nur ein paar Stunden im Büro, bevor er sich ins Home-Office verabschiedet. In den USA wird mobiles Arbeiten bereits als komplett neue Arbeitsform wahrgenommen, in Europa stellen Home Office & Co. immer noch eine Ergänzung dar.

Und das Büro der Zukunft? Das wird kommenden Entwicklungen Rechnung tragen müssen. Mensch, Arbeitsort und Technologie werden noch stärker miteinander vernetzt werden, unsere Büros werden immer smarter. Steelcase beobachtet außerdem eine Veränderung im Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. “Die Führungskraft wird mehr zum Coach, weniger zum fachlich inhaltlichen Tonangeber. Die Tendenz dazu ist in Deutschland und den USA gleichermaßen vorhanden – die Schrittlänge in den USA ist jedoch größer”, schätzt Marc Nicolaisen die aktuelle Entwicklung ein. Das spiegelt sich auch in den Büroräumen wider: Der Chef zieht aus dem Einzelbüro ins Großraumbüro, offene Bereiche ermöglichen flache Hierarchien, die Zusammenarbeit geschieht netzwerkbasiert.

Bildnachweis: Steelcase

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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