4. Mai 2017 · Arbeitsmarkt, HR · von

Bewerber auf Info-Jagd: Der ideale Arbeitgeber kommt ihnen entgegen

„Wissen ist Macht“ besagt ein geflügeltes Wort und das bewahrheitet sich auch im Bewerbungsprozess. Bevor sich Kandidaten an die Arbeit machen und Lebenslauf und Bewerbung angehen, machen sie sich auf die Suche nach Informationen zu Jobs und Arbeitgebern. Die Zeiten, in denen Unternehmen kontrollieren konnten, welche Informationen über sie verbreitet werden, sind jedoch längst vorbei. Das sollten Arbeitgeber deshalb zum Thema Wissensdurst der Bewerber wissen:

Das Bewerbungsgespräch ist längst nicht mehr der Zeitpunkt, an dem Jobsuchende endlich an relevante Infos zu Gehalt, dem Unternehmen und der vakanten Position kommen. Wer sich auf Jobsuche begibt, weiß solche Dinge größtenteils bereits vorab. Wer an solche Infos nicht kommen kann, sieht im schlimmsten Fall von einer Bewerbung ganz ab. Eine aktuelle Studie hat jetzt untersucht, welche Faktoren für Bewerber auf Jobsuche wirklich zählen. 14.000 Berufstätige in 19 Ländern wurden dafür befragt, darunter auch Deutschland (785 Befragte).

Das beeinflusst Karriereentscheidungen

Welche Faktoren auf Jobsuche positiv oder negativ beeinflussen, ist im Ländervergleich unterschiedlich. Das sind die Top 5 der Dinge, die für deutsche Arbeitnehmer auf Jobsuche eine Rolle spielen – Zahlen, die sich so wohl auch auf Österreich gut umlegen lassen:

  1. Gehalt
  2. Art der Tätigkeit
  3. Standort
  4. Berufliche Aufstiegschancen
  5. Marke/Image eines Arbeitgebers

Wie tickt der Arbeitgeber?

Die ideale Situation: Wenn Bewerber und Unternehmen dieselben Werte mitbringen und sich einig sind, wofür und woran sie arbeiten möchten. Die Wertvorstellungen eines Arbeitgebers sind auf Jobsuche also eine relevante Info. Über Philosophie und Vision eines potenziellen Arbeitgebers wissen 33 Prozent der deutschen Bewerber bereits frühzeitig Bescheid.

Starke Marke – starker Arbeitgeber?

Im weltweiten Durchschnitt verfügen 28 Prozent der Jobsuchenden bereits vorab über Informationen zu Unternehmen und der Marke. Vor allem für Bewerber zwischen 18 und 35 Jahren gewinnt die Marke eines Arbeitgebers immer mehr an Bedeutung.

Und was wird bezahlt?

Über Geld spricht man nicht, zumindest nicht in unserem Kulturkreis. Dementsprechend schwierig ist es für Bewerber, an Informationen zur Vergütung zu kommen. Im weltweiten Durchschnitt verfügen 44 Prozent der Bewerber bereits vor Abschluss des Bewerbungsprozesses über Informationen zu Gehältern, in Deutschland sind es 36 Prozent. Sonderleistungen sind für deutsche Arbeitgeber übrigens nicht sonderlich ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder wider einen Job: Nur zehn Prozent sagen, dass Sonderleistungen für die Entscheidung relevant sind.

Das können Arbeitgeber tun

Welche Informationen Bewerber über Unternehmen oder ausgeschriebene Jobs ausfinding machen, das können Arbeitgeber längst nicht mehr kontrollieren. In Foren, auf Bewerbungsplattformen oder über Social Media plaudern (ehemalige) Arbeitnehmer aus dem Nähkästchen und Jobsuchende lernen: Für den Job bewerben oder besser die Finger von diesem Arbeitgeber lassen? Für Unternehmen ergeben sich daraus verschiedene Handlungsempfehlungen:

  • Inhalte auf externen Plattformen monitoren: Bewertungen aktiv sichten, offene Fragen beantworten und notwendige Reaktionen auf negative Einträge abklären. Auch wenn es einem widerstrebt, Personalangelegenheiten auf öffentlichen Plattformen zu behandeln. Dabei nicht vergessen: Wie ein Arbeitgeber auf (negatives) Feedback oder sogar Falschmeldungen reagiert, sagt viel über die dort vorherrschende Kultur und die Wertvorstellungen aus.
  • Über Geld sprechen! Gehälter und Verdienste sind immer noch ein Tabuthema, in Stelleninseraten lassen sich Unternehmen immer noch nicht in die Karten blicken. Mindestgehalt, Bereitschaft zur Überzahlung, mögliche Boni – alles kann, nichts muss? Wer Gehälter und Verdienstmöglichkeiten transparenter gestaltet, punktet bei Bewerbern. Dabei muss nicht einmal alles offengelegt werden – wer den Mittelweg beschreitet, hat der Mehrheit anderer Arbeitgeber schon viel voraus.
  • Mehr Kommunikation, digital und visuell: Stellenbeschreibungen per Video, interaktive Unternehmensrundgänge oder die Möglichkeit, mit HR oder bestehenden Mitarbeitern kurz zu chatten – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Bewerber abseits von Jobinserat und Karrierewebsite aktiv zu informieren. Viele Informationen auf unterschiedlichen Kanälen, damit werden vor allem die passiven Bewerber erreicht: Sie bewerben sich erst dann für einen anderen Job, wenn sie sich über Arbeitgeber und vakante Position ausreichend informiert fühlen.

Bildnachweis: nito/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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