27. November 2018 · Arbeitsleben · von

Gutes Betriebsklima hält Arbeitnehmer im Job, Mobbing weckt den Fluchtinstinkt

Geld alleine macht nicht glücklich. Ein erfüllendes Aufgabengebiet und ein tolles Betriebsklima, das schätzen Arbeitnehmer am meisten. Schlechtes Arbeitklima und Mobbing sind hingegen Gründe, warum sich Mitarbeiter am ehesten nach einem neuen Job umsehen. Herausgefunden hat das eine österreichische Studie, die Personalberaterin Geraldine Hofstetter unter mehr als 500 Bewerbern durchgeführt hat. Was man als Arbeitgeber tun kann, um Mitarbeiter wegen Mobbings nicht zu verlieren, weiß Expertin Christa Kolodej.

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Was macht im Job wirklich zufrieden?

Geraldine Hofstetter

Geraldine Hofstetter, JOB bowl

Rund 700 Personen hat Geraldine Hofstetter im Rahmen einer Studie seit 2009 befragt, über 500 relevante Fragebögen wurden ausgewertet. „Mich hat interessiert, was Mitarbeiter an einen Arbeitgeber bindet und wie Unternehmen Arbeitnehmer halten können“, erklärt Hofstetter, die als Personalberaterin und Personalistin aus langer Erfahrung beide Seiten der Job- und Bewerbersuche kennt. Teilgenommen haben Bewerber quer durch alle Altersschichten, Führungsebenen und Branchen. In über 30 Fragen rund um Arbeitsumfeld, Weiterbildung, Kündigungsgründe, Gehalt, Motivation und Arbeitsbedingungen verrieten die Teilnehmer, was ihnen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag wichtig ist. Im ersten Teil der Blogserie verraten wir:

Was Arbeitnehmer wirklich glücklich macht, kostet nichts

Zufrieden JobAuf die Frage, was Arbeitnehmern im Job wichtig ist, liegt anhand der Studie ganz klar auf Platz 1 ein erfüllendes Aufgabengebiet, dicht gefolgt von gutem Arbeitsklima. Erst auf Platz 3 liegt der Wunsch nach hohem Gehalt. „Was Mitarbeiter schätzen, ist absolut nicht mit hohen Kosten verbunden“, bringt es Hofstetter auf den Punkt. Nicht teure Fringe Benefits, sondern z.B. flexible Arbeitszeiten und ein toller Vorgesetzter, sind den Arbeitnehmern wichtig.

Der ideale Chef ist kompetent, loyal und menschlich

Arbeit Zufriedenheit ChefDer Wunsch nach einem „tollen Chef“ liegt auf Platz 5 der Wunschliste. Was Arbeitnehmer von ihrem Chef erwarten, wurde im Rahmen der Studie ebenfalls abgefragt. Die Top 3 der Dinge, die an einem Chef besonders geschätzt werden: Einen kompetenten Vorgesetzten wünschen sich 61,2 Prozent der Befragten, Loyalität gegenüber den Arbeitnehmern ist für 58,6 Prozent ein wichtiges Kriterium. Dass ein Chef menschlich sein muss, steht für 57,5 Prozent der befragten Bewerber außer Frage. Ein tolles Jobangebot ist für die Befragten aber noch kein Grund, den Posten zu wechseln. Denn die Top-Gründe für den Jobwechsel sind folgende:

Schlechtes Klima und Mobbing? Ich bin dann mal weg!

Buero Streit„Was sind Gründe, einen Job zu wechseln?“ wollte Hofstetter wissen und es liegt klar auf der Hand: Schlechtes Arbeitsklima wäre für 90 Prozent der Befragten Anlass Nummer Eins, um die Flucht zu ergreifen. Für 66 Prozent ist Mobbing Grund genug, um sich betrieblich neu zu orientieren. Stimmt der Draht zum Chef nicht, würden 64,5 Prozent einen Jobwechsel in Erwägung ziehen. Werden die Bewerber nach dem konkreten Grund ihres aktuellen Berufswechsels befragt, geben 44,6 Prozent schlechtes Arbeitsklima als Grund dafür an. Für junge Arbeitnehmer zwischen 18 und 28 Jahren liegen davor nur noch fehlende Aufstiegschancen im Betrieb als Grund für die berufliche Veränderung (52,3 Prozent).

Prävention: Die richtigen Rahmenbedingungen schaffen

„In wirtschaftlich schlechten Zeiten wird die Ellbogentechnik womöglich schneller und eher eingesetzt“, vermutet Hofstetter. Auch die Psychologin und Soziologin Christa Kolodej, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Thema Mobbing beschäftigt, hat in der Beratungsstelle die Erfahrung gemacht, dass zwischen wirtschaftlichen Krisensituationen und dem Auftreten von Mobbing ein klarer Zusammenhang besteht.

Diese drei grundlegenden Säulen müssen vorhanden sein, um präventiv wirken zu können:

  • Konflikte angemessen managen: Damit Konflikte konstruktiv ausgetragen werden können, muss der Arbeitgeber auch die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Ein vernünftiges Konfliktmanagement sollte also unbedingt im Unternehmen etabliert werden. Dazu gehören unter anderem eine Meeting- und Kommunikationskultur sowie eine konstruktive Feedbackkultur.
  • Klare Deklaration der Führungskraft gegen Mobbing: Management und Führungskraft müssen ein deutliches Signalabgeben. Unter keinen Umständen darf Mobbing toleriert werden.
  • Allgemeine Rahmenbedingungen: Es obliegt der Führungskraft sicherzustellen, dass Klarheit herrscht bezüglich der eigenen Rolle und der gesetzten Ziele. Sie ist auch dafür zuständig, dass ein Bewusstsein für strukturelle Abläufe herrscht. Können Mitarbeiter ihre Konflikte nicht selbst lösen, muss die Führungskraft einschreiten.

Mobbing nimmt Führungskräfte in die Pflicht

Stopp MobbingFür Kolodej steht fest, dass Mobbing ein Führungsthema ist. „In Österreich gibt es klare Rechtsnormen, was Mobbing betrifft. Die Führungskraft hat eine Fürsorgepflicht und ist dadurch verpflichtet sämtliche Schikanen, die auftreten, wirksam zu unterbinden.“

Im ersten Schritt geht es darum, sich klar gegen sämtliche Übergriffe auf Kollegen zu positionieren. Danach werden im Rahmen von Einzelgesprächen alle Beteiligten zu sich gerufen, um die Situation zu klären.  Auf Grundlage des Ergebnisses dieser Gespräche entscheidet die Führungskraft darüber, wie weiter vorgegangen wird. Entweder führt man ein moderierendes Gespräch zwischen den Beteiligten oder zieht externe Beratungen hinzu.

Ohne den Chef ist Mediation nicht möglich, ist Kolodej überzeugt. „Die Vorstellung, dass ein mediatives Verfahren initiiert wird, an dem die Führungskraft nicht beteiligt ist, ist aus meiner Sicht in Bezug auf Mobbing nicht sinnvoll. Sie hat die Verantwortung vor Ort, während und nach dem Prozess. Darüber hinaus hat sie je nach Schweregrad die normalen juristischen Sanktionsmöglichkeiten, die von der bloßen Ermahnung bzw. Verwarnung über die Versetzung bis zur Kündigung und Entlassung reichen.“

Wenn wirklich alle Stricke reißen, kann man sich als FühruTeamworkngskraft durchaus auch an diverse Beratungsstellen wenden. Die Arbeiterkammer kann eine gute erste Anlaufstelle darstellen. Coaches oder Organisationsentwickler sind ebenfalls kompetente Berater und  in der Intervention erfahren. Das Thema Mobbing braucht vor allen anderen Dingen eine Person, die mit dem Phänomen vertraut ist!

In diesem Artikel findet ihr vertiefende Informationen zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz.

Bildnachweis: PromesaArtStudio /Shutterstock; Theresa Schrems (Portraitbild Hofstetter); Syda Productions /Shutterstock; Nomad_Soul /Shutterstock; Tom Wang /Shutterstock; hxdbzxy /Shutterstock

Martina Kettner

Martina Kettner hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at hat sie lange über Karrierethemen gebloggt, jetzt führt sie ihre eigene Karriere in den USA weiter.

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