3. Mai 2017 · Arbeitsleben · von

YouTuber: Traumberuf oder harter Brotjob? Wir haben KSFreak gefragt

„Wenn man einmal von dieser Süßigkeit gekostet hat, will man nicht mehr zurück!“ Hier geht’s nicht um Werbung für Süßwaren, sondern um das Berufsbild des YouTubers. Wir haben mit einem der ganz Großen der österreichischen Internet-Stars am 4GameChangers Festival gesprochen: KSFreakWhatElse über das Berufsbild „Webstar“, nützliche Ferienjobs und warum er so gut massieren kann.


Das World Wide Web als Arbeitsplatz – vor einigen Jahren undenkbar, heute ganz alltäglich. Neben Bloggern, die zu einem großen Teil auf Text als Medium setzen, regieren zunehmend mehr Vlogger das Netz: In Videos geben sie exklusive und teilweise sehr persönliche Einblicke in ihr Leben, liefern Tipps für Probleme des Alltags oder bringen ihre Zuseher einfach zum Lachen. Die Größen der Webstar-Szene genießen oft ein Ansehen, das jenem von Filmstars oder berühmten Sängern um nichts nachsteht.

Im Gegenteil, die Berühmtheiten aus dem Internet können ihren Fans etwas viel Spannenderes bieten: Nähe. Sie plaudern aus dem Nähkästchen, wenn es ums eigene Liebesleben geht, verraten Life Hacks und rezensieren Produkte – manchmal auch gegen Bares. Denn auch sie müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und wenn das Online-Business läuft, dann funktioniert das oft mehr als gut. Aber ist dieser Beruf zukunftsträchtig und wie sieht der Arbeitstag eines Webstars aus?

„Ich schei* auf Schule, ich werde YouTuber!“ Nicht ganz…

„Ich will einmal so werden wie KSFreak!“ Von heute auf morgen zum Webstar? So einfach geht’s dann auch wieder nicht, wie uns der 23-Jährige gebürtige Oberösterreicher im Interview verraten hat. Marcel Dähne, so heißt der YouTuber mit bürgerlichem Namen, wurde dadurch bekannt, dass er sich beim Zocken mit Freunden über die Schulter schauen lässt. Neben Pranks und „Reality Soap“-Elementen versucht er sich jetzt auch als Sänger und bietet Mode im Onlineshop an. Er versteht sich als Unterhalter und kann heute davon leben, vor allem durch Werbeanzeigen auf seinem Kanal.

„Ich hab zwei Millionen!“

Mehr als zwei Millionen Abonnenten – viele davon schauen täglich seine Videos – haben ihn in den Status des Super-Webstars gehoben. Nach einer Zeit in Berlin, ist er nun wieder nach Linz zurückgekehrt. Dennoch achtet er mit seinem dialektfreien Deutsch, das er nicht nur in seinen Videos spricht, sondern auch im Interview, auf Massentauglichkeit. Wir haben mit ihm über Karriere & Co. gesprochen:

Was war dein Traumberuf als Kind?YouTuber KSFreak

KSFreak: Meine Eltern haben mir was vorgeschlagen: Physiotherapeut. Am Anfang fand ich das ziemlich cool – mein Onkel hatte ein Massagestudio und hat mir beigebracht, wie man massiert. Das kann ich heute noch. Aber als kleiner Junge war Fußballprofi ein totaler Traumberuf für mich.

Wie geht’s nach der Karriere als YouTuber weiter? Wenn du zum Beispiel an die Pension denkst… Gibt es einen Plan B?

KSFreak: Ich mache mir da keine Gedanken darüber. Ich bin ein sehr spontaner Mensch und lebe eher von Woche zu Woche. Ich hab nicht unbedingt immer einen Plan, weil ich sonst verrückt werden würde. Jetzt bin ich ja 24/7 beschäftigt und da will ich jetzt keine Pläne für die nächsten zehn Jahre machen. Ich lebe einfach mein Leben und bin spontan.

Wie schaut ein klassischer Arbeitstag in deinem Leben aus?
KSFreak: Es gibt keinen klassischen Arbeitstag. Du bist von Montag bis Sonntag rund um die Uhr mit dem Job beschäftigt und schaust, wo du neue Ideen herbekommst. Du schreibst Konzepte und schaust, was es auf YouTube Neues gibt, bist immer am Handy. Dann ruft das Netzwerk an, ob wir nicht einen Facebook-Post machen und was auf Snapchat… Jeder Tag ist komplett unterschiedlich.

Was glaubst du, wie sich die Branche entwickelt?
KSFreak: Gegenfrage: Wenn man einem Achtjährigen ein Handy hinhält – nimmt er es oder nicht? (lacht). Also ich denke, dass das alles noch viel größer wird und mache mir da keine Sorgen. Das wird ein noch riesigeres Business. Und egal was kommt – wir wachsen mit. Da mache ich mir gar keine Sorgen.

Wie stehst du zu Weiterbildung für deinen Beruf?
KSFreak: Da vertrete ich die Meinung: Mach alles selbst! Ich hab alles, was ich jetzt kann Do-it-yourself gelernt. YouTube ist ja ein Broadcast-Channel fürs Selbermachen – da bringt mir das nichts. Wenn du dir nur was von anderen abschaust, dann bist das nicht du. Du musst einfach immer wieder üben. Niemand kann am Anfang perfekt vor der Kamera sprechen, aber wenn du das hundert Mal machst, kannst du das irgendwann ziemlich gut. Tägliches Training machts – mein erster Vlog war übrigens auch richtig schlecht.

Als Vlogger bist du selbstständig – wie geht’s dir da mit Dingen, die du auch selbstständig regeln musst, etwa Versicherung?
KSFreak: Man ist einfach ganz normal selbstständig angemeldet und wir haben unsere eigene Firma und zahlen Sozialversicherung wie jeder andere auch. Aber als Herausforderung sehe ich das nicht – ich bin jetzt 23 Jahre alt und kein Kind mehr.

YouTube Star als Traumberuf

Was sind die positiven Seiten an deinem Job – was Nachteile?
KSFreak: Etwas sehr Positives ist zum Beispiel, dass du Menschen kennenlernst, die du so nie im Leben kennengelernt hättest: Sänger, Prominente etc. und du bist im Fernsehen… Ich meine, wer will nicht berühmt sein? Einmal im Leben richtig fame zu sein, ist schon richtig cool. Und wir haben die Möglichkeit mit YouTube bekommen. Ich bin zu einhundert Prozent zufrieden mit meinem Leben.

„Wer wäre nicht gerne berühmt?“

Negative Seiten gibt’s natürlich schon auch: Du kannst nicht normal essen oder einfach shoppen gehen. Ein Vater fragt, ob du nicht mit seinem Sohn noch schnell ein Foto machen kannst – und das passiert ständig. Im Großen und Ganzen würde ich aber sagen, dass meine Lebenssituation gerade richtig gut ist. Im Vergleich zu einem Nine-to-five-Job muss ich sagen: Wenn man einmal von dieser Süßigkeit probiert hat, will man nie wieder zurück in einen „normalen“ Beruf. Ich kann mir gar nicht vorstellen, in einem normalen Betrieb zu arbeiten. Seit fünf Jahren bin ich jetzt als Vlogger unterwegs und möchte nichts anderes tun.

Hast du trotzdem auch andere berufliche Erfahrungen gesammelt, die wichtig für dich waren?
KSFreak: Im Sommer hab ich für einen Ferienjob in einer Glasfabrik gearbeitet, wo ich Glas schichten musste. Ich hab mir dort regelmäßig meine Daumen aufgeschnitten. Aber ich habe das gemacht, um mit meiner damaligen Freundin in den ersten gemeinsamen Urlaub fahren zu können. Auch Krappi [KrappiWhatelse, sein YouTube-Kollege, Anm. der Redaktion] hat alles Mögliche durchprobiert: Ob als Kellner oder im Wettbüro. Und alles hat uns irgendwie was gebracht – und wenn es „nur“ Erfahrung war.

„Ehrgeiz lohnt sich!“

Welchen Rat würdest du Leuten mitgeben, die auch mit den sozialen Medien ihr Geld verdienen wollen?
KSFreak: Als erstes: Die Ausbildung fertig machen! YouTuben ist ja eigentlich ein Hobby. Ich hab vorher auch normal gearbeitet als Installateur. Ursprünglich hab ich auch nicht mit dem Vloggen angefangen, um Geld zu verdienen, sondern aus reinem Spaß. Ich hab Videos gemacht und irgendwann konnte ich davon leben – das hat aber Ewigkeiten gedauert. Nach drei Jahren hatte ich meine 100.000 Abonnenten, da habe ich aber wirklich noch nicht viel verdient. Bis ich mir mal gutes Equipment kaufen konnte. Irgendwann kam dann eben der Umschwung und ich hab mich dafür entschieden, das hauptberuflich zu machen. Also, Dranbleiben und ehrgeizig sein lohnt sich!

 

Bildnachweis: Vika Dubovaya / Shutterstock; Elnur/Shutterstock; Studio71

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren