15. März 2017 · Bewerbung, Jobsuche · von

Aufnahmeprüfung für Studium und Job: „Fair ist das nicht“

An immer mehr Universitäten wird eine Aufnahmeprüfung Voraussetzung für ein Studium, aber auch für manche Jobs ist ein Aufnahmetest nach wie vor Standard. Dass diese Eignungstests alles andere als fair sind und weshalb Vorbereitung nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist, erklärt der Autor von „Testtraining 2000 plus“, Jürgen Hesse, im Interview.

Wenn Alkohol und Holz über die Zukunft entscheiden

Jürgen Hesse

„Was haben Holz und Alkohol gemeinsam?“ Wer findet, dass Fragen wie diese in Eignungstests nicht über die eigene berufliche Zukunft entscheiden sollten, der ist mit seiner Meinung nicht alleine. Im Gegenteil. „Solche Tests sind absolut nicht fair“, betont einer, der es wissen muss: Der Psychologe Jürgen Hesse. Gemeinsam mit seinem Kollegen Hans-Christian Schrader hat er unter anderem das Buch „Testtraining 2000 plus“ geschrieben, eines der Standardwerke zur Vorbereitung auf Einstellungs- und Eignungstests. Anders als in Deutschland, wo man Auswahlverfahren per Test in vielen Bereichen wieder aufgehoben hat, muss man an immer mehr heimischen Unis (und FHs) einen Aufnahmetest zur Zulassung absolvieren. Besonders, dass junge Menschen, deren Intelligenzentwicklung noch voll im Gange ist, durch solche Tests bewertet und womöglich entmutigt werden, stört den Psychologen. Mit seiner Testkritik hat er sich bereits vor Jahrzehnten beim deutschen Berufsverband der Psychologen nicht gerade beliebt gemacht und die Testgläubigkeit stark erschüttert. Assessment Center und Aufnahmeprüfungen gibt es weiterhin, das Gute aber ist:  für jedes Gift, so Hesse, gibt es ein Gegengift. In diesem Fall ist es die Vorbereitung.

Vorbereitung ist nicht peinlich, sondern schlau

Denn egal ob fair oder nicht, of professionell gemacht oder nicht: wird ein Test verlangt, muss jeder Bewerber durch. Die gute Nachricht ist: man kann sich auf diese Tests vorbereiten und das sollte man auch, so Hesse.  Denn: „Solche Tests sind meist ganz anders aufgebaut, als jene, die man aus der Schulzeit kennt.“ Wer übt, wird einerseits weniger von den abgefragten Analogien etc. verunsichert und kann andererseits Strategien und Tricks entwickeln, wie man am besten mit den Aufgaben umgehen kann. Denn nicht selten ist künstlich erzeugter Zeitdruck ein Faktor bei diesen Prüfungen: Kapitel werden so angelegt, dass sie in der vorgegebenen Zeit nicht zu bewältigen sind. Weiß man dies, kann man ganz anders damit umgehen und lässt sich im Idealfall nicht stressen. „Durch Vorbereitung kann man seine Leistung um bis zu 70 Prozent verbessern. Auch gegen die eigene Nervösität hilft es, wenn man versteht, wie solche Intelligenztests aufgebaut sind.“

Die perfekte Vorbereitung

Michael Unger

Wie und wann also vorbereiten? „Wenn man nur einen Tag Zeit hat, sollte man diesen natürlich nutzen aber ansonsten wäre es ideal, ein paar Tage oder Wochen vorher anzufangen. Dies ist natürlich vom Einzelnen abhängig, denn die meisten brauchen etwas mehr Zeit zur Vorbereitung. Aber es gibt auch Menschen, denen zum Beispiel ein Tag lernen für die Führerscheinprüfung reicht.“ Zur Testvorbereitung gibt es zahlreiche Bücher, wie etwa das eingangs erwähnte Standardwerk „Testtraining 2000 plus“, aber auch vorbereitende Kurse in Kleingruppen. Solche werden in Österreich etwa über die Info- und Vernetzungsplattform Aufnahmeprüfung.at angeboten, wie Geschäftsführer Michael Unger erklärt.

„Eine intensive Vorbereitung erhöht massiv die Chance auf einen Studienplatz. Und ein Kurs ist zwar nicht die einzige, aber eine sehr komfortable und effiziente Möglichkeit, sich intensiv vorzubereiten“, so Unger. Generell hilft auf alle Fälle der Austausch mit Studenten bzw. potenziellen Kollegen, falls möglich, die die Prüfung bereits absolviert haben. So kann man ein Bild davon bekommen, was verlangt wird und sich gezielt vorbereiten.

Wer unvorbereitet kommt, handelt fahrlässig

Und nochmals: dies sollte man auf alle Fälle. Egal ob für Job oder Studium und egal, wie doof man solche Eignungstests findet. „Es ist eine wichtige Entscheidungssituation im Leben und man tut gut daran, nicht grob fahrlässig zu sein und sich dieser unvorbereitet auszusetzen“, so Hesse. Denn nur so könne jeder seine Chancen ganz wahrnehmen. Auch wenn manchen Tests mehr liegen als anderen, die Möglichkeit, sich vorzubereiten hat jeder. Wer sich übrigens immer noch fragt, was Alkohol und Holz gemeinsam haben, dem sei gesagt: beide brennen! Wer weiß, vielleicht kann man diese Info ja irgendwann einmal brauchen …

Zu den Personen

Jürgen Hesse ist Diplompsychologe und Autor des Hesse/Schrader-Buchautorenteams. Allein im deutschsprachigen Raum hat das Duo eine verkaufte Auflage von über 7 Mio. Büchern, bei mehr als 200 Titeln aus den vergangenen 30 Jahren.

Michael Unger ist Geschäftsführer und Inhaber von Unger Bildungsmarketing e.U. Der Kommunikationsprofi hat die Plattform Aufnahmeprüfung.at vor fünf Jahren aufgebaut.

Bildnachweis: Shutterstock/ Photographee.eu

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit 2012 für karriere.at Am liebsten taucht sie durch Interviews in neue (Arbeits-)Welten ein. Als Jungmama liegen ihr die Vereinbarkeit von Familie und Job besonders am Herzen.

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