Erstellt am 30. Januar 2019 · Arbeitsleben · von

Altersteilzeit ab 40? Warum 3 Tage Arbeit reichen

Mit vierzig denkt doch noch niemand an Altersteilzeit, oder? Schließlich steht man gerade mitten im Arbeitsleben und erlebt vielleicht die erfolgreichste Zeit der bisherigen Karriere. Doch eine Studie zeigt, warum man ab vierzig die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren sollte.

Gleich vorweg: Die Worte „Altersteilzeit“ und „vierzig“ gemeinsam in einem Satz zu verwenden, kam mir auch sehr komisch vor. Denn, wenn fünfzig das neue Dreißig ist, kann vierzig ja nicht alt sein. Ganz im Gegenteil: Mit vierzig beginnt die Karriere für viele erst so richtig – und dann soll man schon wieder Stunden reduzieren? Eine Studie des „Melbourne Institute for Applied Economic and Social Research“ zeigt aber, dass der Gedanke doch nicht so weit hergeholt ist, wie er zunächst scheint. Denn sowohl die Qualität als auch die Quantität der Arbeit beeinflusst demnach bei Menschen ab vierzig Jahren die kognitive Leistungsfähigkeit, sprich: das Denkvermögen im weitesten Sinn.

Macht Altersteilzeit wirklich Sinn?

Grundsätzlich gilt, so die Studienautoren: Arbeit stimuliert unsere kognitiven Fähigkeiten: Wer länger im Job bleibt, bleibt also auch geistig länger fit. Dabei spielt die Art der Arbeit eine entscheidende Rolle. Eine als „qualitativ“ bezeichnete Arbeit wirkt besser als eine langweilige, unterfordernde. So weit so logisch. „Je mehr man den Denkmuskel fordert, umso stärker wird er“, könnte man nun meinen. Ein Trugschluss, wie die Studie zeigt. Denn verschiedene Tests wie Vokabeltests oder Zahlenreihen merken und rückwärts aufsagen zeigten, dass die Teilnehmer mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 35 Stunden deutlich schlechter abschnitten als diejenigen, die weniger arbeiten.

Stress mindert die Leistungsfähigkeit

Wer bis zur Pension sehr viel arbeitet, tut seinem Gehirn also nichts Gutes. Die Erklärung der Studienautoren lautet folgendermaßen: Lange Arbeitszeiten erhöhen den Stresspegel und das wirkt sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus. Der positive Effekt, den die längere Teilnahme am Arbeitsleben mit sich bringt, könnte also durch zu lange Arbeitszeiten wieder zunichte gemacht werden. Männern und Frauen sind laut den Studienergebnissen davon übrigens gleichermaßen betroffen.

Arbeiten über vierzig: Drei Tage sind ideal

Spannend ist, dass die Studie eine Art „ideale Arbeitszeit“ für die Generation vierzig plus herausgefunden haben will: 25 Stunden pro Woche sind demnach genug, um die kognitive Leistungsfähigkeit zu fördern und zu erhalten. Denn bei mehr als 25 Stunden pro Woche beginnt der negative Effekt des Arbeitsstresses zu wirken.

„25 Stunden pro Woche sind genug.“

Die Empfehlung der Studienautoren lautet demnach: Über 40-Jährige sollten langsam auf Teilzeitarbeit zwischen 20 – 30 Stunden reduzieren, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit zu fördern. Man muss ja nicht gleich von Altersteilzeit reden. Sinn macht die Reduktion laut Studie aber schon.

60 Stunden schaden dem Gehirn

Ein besonders interessantes Ergebnis weisen die Studienteilnehmer auf, die auch im fortgeschritteneren Alter noch 60 Stunden pro Woche arbeiten. Ihre kognitiven Fähigkeiten fallen in der Studie geringer aus als die von Teilnehmern, die bereits im Ruhestand oder arbeitslos sind. Zu viel arbeiten ist also offenbar schlechter fürs Gehirn als gar nichts zu tun. Spannend wäre auch, wie sich lange Arbeitszeiten oder Arbeitslosigkeit auf Menschen unter vierzig auswirkt. Da die Studie jedoch nur mit den Altersgruppen 40 – 54, 55 – 69 und über siebzig durchgeführt wurde, bleibt diese Frage leider offen.

 

Bildnachweis: Rawpixel.com/shutterstock

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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