Personalabteilung: Zwischen Schattendasein und Krisenfeuerwehr

Human Resource Management: Ein Thema, das in vielen Unternehmen noch immer ein gewisses Schattendasein im Gegensatz zu den “produktiven” Abteilungen führt. Natürlich zu Unrecht. Doch das Selbstverständnis der HR-Spezialisten hat sich in den vergangenen (Krisen-)Jahren gewandelt. HR-Manager haben einen starken Wandel hin zu Krisen-Managern vollzogen, ohne deren Know-how viele Unternehmen die wirtschaftliche Baisse wohl weniger unbeschadet überstanden hätten.

Mitarbeiter der Personalabteilung kennen das Phänomen: Sie führen in gewisser Weise das Leben eines unternehmensinternen Freigeistes. Das ganze Unternehmen weiß, dass es sie gibt. Oft bekommt man als “einfacher Angestellter” nur selten oder gar nur beim Vorstellungsgespräch Kontakt. Aber was dort das ganze Arbeitsjahr über geschieht, darüber wissen die wenigsten Bescheid. Demenstprechend fällt auch häufig das unternehmensinterne Standing der HR-Experten aus, welches weit hinter den “produktiven” Abteilungen (Sales, Entwicklung, Produktmanagment etc.) liegt. Doch dass gerade in diesen Bereichen die Fachkräfte nicht auf der Straße zu finden und dann schon gar nicht zu halten sind, wird oftmals vergessen. Abgesehen vom Recruiting ist die Arbeit der Personalabteilungen für viele Unternehmen seit 2009 zum Überlebensfaktor geworden.

Krise als Nagelprobe für Personalabteilungen

“Ich denke, dass die Krisenjahre so eine Art Nagelprobe für HR-Abteilungen gewesen sind. In schwierigen Zeiten schaut man in Firmen mehr darauf, was die Personalabteilungen machen. Dass diese in der Vergangenheit kein besonder gutes Standing gehabt haben, ist ja bekannt. In der Krisenzeit war die Senkung von Personalkosten gefragt, gegebenenfalls auch Personalabbau. Wenn eine Geschäftsleitung in den schlechteren Jahren erkennen konnte, dass es in diesen Bereichen kompetente Unterstützung durch die Personalabteilungen gegeben hat, hat sich das firmeninterne Standing auch verbessert”, fasst Wolfgang Elsik, Vorstand des Instituts für Personalmanagement der WU Wien, im karriere.at-Interview zusammen.

Geschäftsrelevante Fragen identifizieren

Julian Mauhart, Mitautor der Deloitte-Studie HR-Benchmark 2011, sieht Personalabteilungen einem allgemeinen Wandel unterzogen, der mit dem Rechnungswesen vergleichbar sei. So hätten sich in den vergangenen 20 Jahren die oft sehr in sich abgeschlossenen Buchhaltungs-Abteilungen zu modernen Controlling-Units hinentwickelt, deren Arbeit entscheidenden Einfluss auf geschäftsrelevante Themenbereiche hat. Mauhart: “Auf den HR-Bereich umgelegt, bedeutet das: Herausfinden, was die wirklich geschäftsrelevanten Themen sind und sich fragen, was die Personalabteilung dazu beitragen kann.”

Führungskräfteentwicklung ist ein Top-Thema

Neben den Standardaufgaben wie Recruiting und Personalverwaltung, die mit HR-Abteilungen ohnehin assoziiert werden, rücken zunehmend andere Schwerpunkte in den Fokus. So sehen 73 Prozent der Befragten der Deloitte-Studie das Thema Führungskräfteentwicklung als bestimmendes Thema in den kommenden drei bis fünf Jahren. Auch die strategische Personalbedarfsplanung rückte zunehmend ins Blickfeld (60 Prozent). Gezielter Nachfolgeplanung wird zudem in jedem zweiten Unternehmen bereits größeres Augenmerk geschenkt.

Bildnachweis: keepsmiling4u / Quelle Shutterstock

9.7.2015

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