Migranten am Arbeitsmarkt: Es braucht mehr Diversity

Migranten am heimischen Arbeitsmarkt: Das Klischee von der Putzfrau mit Doktortitel ist, so muss man sagen, leider in vielen Fällen doch kein Klischee. Denn das Potenzial vieler Menschen mit Migrationshintergrund bleibt ungenutzt. Schätzungen zufolge liegen allein in Österreich rund 240.000 Talente sprichwörtlich auf der Straße. In Zeiten von akutem und drohendem Fachkräftemangel ein Zustand, der nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht dramatisch ist.

Unterforderung: Der Alltag für viele Migranten

Hoch qualifizierte Menschen, die sich mit teils mehreren Hilfsjobs gleichzeitig über Wasser halten und dabei mehr schlecht als recht verdienen – für viele Migranten ist dies Alltag. Jeder vierte (!) Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund in Österreich ist laut einer Erhebung des Statistischen Zentralamtes bei der Ausübung seiner Arbeit überqualifiziert. Unabhängig von den Faktoren Gehalt und Selbstwert braucht wohl nicht extra darauf eingegangen werden, was dieser Umstand für die betroffenen Personen aber auch deren Familien bedeuten muss. Denn Unterforderung im Job wird, wie viele Studien beweisen, teilweise schlimmer empfunden als Überforderung und macht in nicht wenigen Fällen auf Dauer krank – physisch und/oder psychisch.

Hilfe bei der Anerkennung

Wie die Wiener Expertin Rotija Dumpelnik im karriere.at-Interview erklärt, ist der wichtigste und dringendste Schritt jener, dass im Ausland erworbene Qualifizierungen in Österreich rascher anerkannt werden. Weiters müssen Zeit und Möglichkeiten gegeben werden, die Sprache rasch zu erlernen. Auch Firmen können potenziellen neuen Mitarbeitern mit Migrationshintergrund bei diesen Prozessen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hilfe und Auskünfte gibt es übrigens auch vom Österreichischen Integrationsfonds, der auf einer eigenen Homepage Fragen zur Berufsanerkennung thematisiert.

Die Lösung liegt in Diversity

Ist ein Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einmal im Unternehmen angekommen, braucht es ein professionelles Diversity Management. Laut aktuellen Studien ist ein solches jedoch nur in wenigen Firmen strategisch verankert und wird auch wirklich umgesetzt. Dabei sind es gerade die unterschiedlichen Sichtweisen der Menschen, die enormes Potenzial bei der Problemlösung und Ideenfindung bergen.  Neben unterschiedlichen Nationalitäten spielen hierbei auch Geschlecht und Alter eine Rolle. Aktuell werden übrigens auch AMS-Berater in Diversity Management und interkultureller Kommunikation geschult – dies ist besonders wichtig, da sie meist der erste Kontakt der Arbeitssuchenden sind.

“Hin zu den Potenzialen”

Weniger Integration und mehr Inklusion wünscht sich Dumpelnik für Österreich: “Nach meiner Überzeugung kann ein gutes Miteinander nur in Form von Inklusion funktionieren. Das bedeutet Teilhabe und das gemeinsame Aufbauen einer vielfältigen, stabilen Gesellschaft und Wirtschaft. Ich wünsche mir, dass der Fokus weg von den sogenannten Defiziten hin zu den Potenzialen der ZuwanderInnen geht.”

Bildnachweis: Warren Goldswain / Quelle Shutterstock

13.7.2015

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