Bewerber-Kommunikation auf Augenhöhe – PR-Speak verboten!

Die Kommunikation eines Unternehmens sollte immer professionell sein. Klar, immerhin hängt von der Eigendarstellung auch maßgeblich der Ruf ab. Daher gibt es kaum ein größeres Unternehmen, das es sich leisten kann, auf professionelle PR-Experten zu verzichten, die ausgewählte Botschaften unters Volk zu bringen. Gerade hinsichtlich der Personalkommunikation ist diese Form der Informationsverbreitung aber nicht mehr wirklich geeignet. Denn potenzielle Kandidaten geben sich längst nicht mehr mit PR-Speak zufrieden. Sie wollen mit Unternehmen auf Augenhöhe kommunizieren. Und Unternehmen tun gut daran – denn Sprache erzeugt Image.

Der Kommunikations- und Medienwandel macht auch vor den Marketing-, PR- und Personalabteilungen nicht Halt. Vor wenigen Jahren noch erreichte man via Einweg-Kommunikation noch relativ verlässlich seine Zielgruppe – nämlich mangels Alternativen: PR-Abteilungen schickten Presseaussendungen, welche dann mehr oder weniger regelmäßig in Zeitungen, TV oder im Rundfunk landeten. Personalabteilungen haben ähnlich rekrutiert: Infos für Bewerber, die über das Wording der Stellenanzeigen hinausgingen, gab es auf “Tagen der offenen Tür”, auf Karrieremessen, der Karriere-Seite der Firmenhomepage oder überhaupt erst beim Bewerbungsgespräch selbst.

Nur was interessiert, wird auch gelesen

Heute funktioniert die Medienwelt jedoch anders. Das Nutzungsverhalten verschiebt sich Jahr für Jahr stärker in Richtung Online (hier gibt es die Zusammenfassung eines interessanten Vortrags von ORF-Anchorman Armin Wolf dazu). Das gedruckte Wort wird zwar nicht aussterben, aber doch zunehmend in den Hintergrund geraten. Während Mediennutzer früher einige wenige Quellen für ihren täglichen Informationsbedarf bemühten, wird heute den ganzen Tag über auf mehreren Kanälen gescannt. Die Nachrichten, die interessant erscheinen, werden konsumiert – der Rest verpufft im Nirwana.

Auch sind Konsumenten gewohnt, sich den ganzen Tag über via Social Networks mit den interessantesten Meldungen bequem versorgen zu lassen. Sie folgen den Seiten, die für sie Mehrwert bieten – und auf die sie vertrauen. Eine Herausforderung für Unternehmen, aber auch eine riesige Chance. Wenn der Content stimmt und der Inhalt auch sprachlich und qualitativ auf den Kommunikationskanal und die Zielgruppe optimiert ist.

Kommunikation muss aktiver werden

Für viele Unternehmen bedeutet das, dass sie ihren Gebrauch von Sprache umstellen müssen: Klassische PR-Texte (“1. Quartal: Ebit um 4% gesteigert”) sind zu wenig. Kommunikation muss aktiver werden, Mut zur Interaktion muss vorhanden sein und die Erwartungshaltung der Zielgruppe sollte erfüllt werden. Was nicht bedeutet, sich gezwungenermaßen auf jugendlich hinzutrimmen und Wörter wie “megacool” in jeden zweiten Satz einzubauen. Auch junge Zielgruppen wollen ernstgenommen werden und nicht mit vermeitlichem Jugendslang infantilisiert werden.

Entrepreneur…was?

Was im Social Web gilt, gilt auch für Stellenanzeigen – vor allem, was das Wording betrifft. Häufig sind Stellenangebote mit Floskeln gespickt, unter denen man sich als Bewerber wenig vorstellen kann und die eine Abgrenzung zu anderen Unternehmen fast unmöglich macht: Kaum ein Unternehmen, das in seinen Inseraten nicht “Teamplayer” sucht. Von Bewerbern wird gern “Entrepreneurship” gefordert, “Hands-On-Mentalität” verlangt und die Bereitschaft, Aufgaben “proaktiv” anzugehen. Klingt zwar gut, hilft aber niemandem bei der Frage: Was kommt bei diesem Job konkret auf mich zu?

Bildnachweis: imagedb.com / Quelle Shutterstock

9.7.2015

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