Alkohol am Arbeitsplatz

Wegschauen hilft bei Alkoholismus nicht: Alkohol am Arbeitsplatz kommt häufiger vor, als man vielleicht denken mag. Aktuellen Studien zufolge sind fünf Prozent der Bevölkerung alkoholkrank, immer mehr Menschen berichten zudem über Probleme mit trinkenden Kollegen. Jeder Siebte trinkt im Job – die Folgen der Alkoholsucht: mehr Unfälle, Leistungsabfall und Krankenstände. Doch was tun?

Stillschweigende Übereinkunft

“In unserer Gesellschaft herrscht eine Art stillschweigende Übereinkunft darüber, dass man im persönlichen Gespräch niemanden als mutmaßlich alkoholkrank bezeichnen darf. Es scheint tabu zu sein, die Dinge beim Namen zu nennen.” Mit dieser Aussage bringt ein ehemalig Alkoholkranker die Problematik um das Trinken auf den Punkt: Zu häufig wird weggeschaut, und zwar von Kollegen ebenso wie von Führungskräften. Und das meistens so lange, bis etwas passiert. Die schlimmste Konsequenz ist ein Unfall, weniger schlimm eine “einfache” Häufung von Fehlern bzw. Enttäuschungen.

Angst, der Kollege verliert den Job

Warum aber wird geschwiegen? Einer der häufigsten Gründe ist die Angst, dass ein Kollege seinen Job verliert oder man diesem sonst schaden könnte. Das Resultat? Nicht selten fangen Mitarbeiter an, die Fehler ihrer Kollegen zu decken. Eine Zeit lang geht das vielleicht gut – meistens jedenfalls. Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem nichts mehr geht. Damit es gar nicht so weit kommt, muss das Schweigen gebrochen werden. Aber wie? Es braucht, so die Präventionsexperten, betriebliche Rahmenbedingungen die ermöglichen, dass auch solche Probleme rascher im Unternehmen angesprochen werden können.

Der Kampf gegen den Alkohol

Je nach Betrieb muss hier freilich unterschieden werden, es gibt jedoch auch ein paar allgemeine Tipps: So sollte ein Mitarbeiter vom Vorgesetzten etwa schon beim ersten Mal angesprochen werden, wenn er mit Restalkohol in der Arbeit erscheint. Denn nur so wird klar, dass man aufgefallen ist und ein solches Verhalten nicht gut geheißen wird oder gar ein Kavaliersdelikt darstellt. Es geht weiters auch darum, eine offene und ehrliche Gesprächskultur zu schaffen, in der auch schwierige Themen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch kein Problem darstellen. Je nach Betrieb und Notwendigkeit bieten sich auch Schulungen zum Thema Alkohol- oder Drogenmissbrauch am Arbeitsplatz an. Angeboten werden solche etwa vom Institut für Suchtprävention. Auf jeden Fall geht es darum, eine einheitliche Linie mit transparenten Konsequenzen zu definieren. Erfahrungen aus der Suchtprävention zeigen übrigens den großen Erfolg der Interventionen: 80 Prozent jener, die zwar viel aber noch kontrolliert Alkohol trinken, reduzieren ihren Konsum nach einem Gespräch mit dem Chef merklich.

Rechtliche Hintergründe

Alkohol- und Drogentests am Arbeitsplatz sind untersagt bzw. nur unter Zustimmung der betroffenen Personen erlaubt. Verweigert jemand einen solchen Test, darf dies keine Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis haben.

Bildnachweis: Stockcreations / Quelle Shutterstock

9.7.2015

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