Mobbing am Arbeitsplatz: Wie erkennen, wie gegensteuern?

Chef mobbt Frau

Mobbing: nur jene, die dieses Schikanieren am Arbeitsplatz nicht kennen, werden es möglicherweise als „Modeerscheinung“ abtun. All jene, die schon einmal damit zu tun gehabt haben – sei es unmittelbar oder durch Erzählungen aus dem Familien- oder Bekanntenkreis -, wissen, wie ernst dieses Thema ist. Und dies sind, wie eine karriere.at-Online-Umfrage ergeben hat, zwei von drei Arbeitnehmern. Doch wie erkennt man Mobbing am Arbeitsplatz und wie kann man sinnvoll gegensteuern?

Wie erkennen?

Der deutsche Betriebswirt Heinz Leymann (1932-1999), der als Pionier der Mobbingforschung gilt, hat den Begriff in den 1990er-Jahren wie folgt definiert: „Unter Mobbing am Arbeitsplatz wird eine konfliktbelastete Kommunikation unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist, von einer oder mehreren anderen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel oder dem Effekt des Ausstoßes direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.“ 

Tagebuch und die Sicht von Außen können helfen

Mobbing-Liste zum Download
Mobbingcheck der Arbeiterkammer

Die Arbeiterkammer hat, basierend auf Leymanns Forschung, eine hilfreiche Mobbing-Liste für einen Selbsttest erstellt. Mobbing kann jeden treffen – vom Lehrling bis zum Chef, den seine Mitarbeiter nicht akzeptieren wollen.

Wer nicht sicher ist, wie er die Übergriffe einordnen soll, könnte ein Tagebuch führen – und die eigene Wahrnehmung anschließend auch in der Familie oder mit engen Freunden besprechen.  Die Außensicht durch Dritte soll dabei helfen, die Geschehnisse objektiv zu sehen. Für die Ratgeber aus dem Familien- und Freundeskreis gilt dabei: bestärken hilft, es sollte jedoch nicht so sein, dass zu Hause weitergeschimpft wird, der Betroffene zurück in der Arbeit jedoch noch stärker leidet. Ist kein Ausweg aus der konfliktbehafteten Situation in Sicht, sollte dringend Hilfe aufgesucht werden: beim Betriebsrat (sofern vorhanden) oder dem Ansprechpartner der zuständigen Arbeiterkammer.

Wie gegensteuern?

Damit es gar nicht so weit kommt, sollte Mobbing im Kollegenkreis von den Führungskräften früh erkannt und im Keim erstickt werden. Wenn du bemerkst, dass ein Kollege gemobbt wird, solltest du ihm oder ihr Unterstützung anbieten – und nicht mit dem Strom schwimmen. Denn Mobbing kann nur dort auftreten, wo es geduldet wird. Führungskräfte sollten auf schlechte Stimmung im Team rasch reagieren und Vier-Augen-Gespräche mit ihren Mitarbeitern anbieten. Auf die ehrlich gemeinte Frage, ob alles ok sei, bekommt der Chef, dem die Mitarbeiter vertrauen, auch eine Antwort.

Generell gilt: Ein gutes Arbeitsklima ist wichtig und jeder Mitarbeiter sollte etwas dazu beitragen, ein solches zu schaffen und zu halten. Respekt, Wertschätzung und gegenseitige Anerkennung sind dabei Grunddisziplinen, die jeder beherrschen sollte. Denn in einem guten Arbeitsklima hat Mobbing keine Chance. Dazu gehört auch, Konflikte anzusprechen und zu deeskalieren, so lange diese noch klein sind. Verletzt einen das Verhalten eines Kollegen, sollte man selbstbewusst sein, zu sich stehen und diesen Kollegen auch darauf ansprechen.

Bildnachweis: Jirsak / Quelle: Shutterstock

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