Freizeit-Freak vs. Arbeitsbiene: Zwickeltage spalten die Arbeitnehmer

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 22. Mai 2013 um 07:16

Staatsfeiertag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und bald noch Fronleichnam. Der Mai 2013 könnte ohne weiteres auch „Zwickel-Mai“ heißen. Denn Gelegenheiten für verlängerte Wochenenden oder gar billige Urlaubswochen gibt bzw. gab es zur Genüge. Gleichen die heimischen Büros um die Feiertage also einer Geisterstadt? Und gibt es Duelle um die freien Tage? karriere.at hat nachgefragt.

16 Prozent sind Heavy User

Entspannung„Zwickeltage im Mai: Nutzen Sie die Gelegenheiten?“, hieß es in der karriere.at Online-Umfrage. Die Ergebnisse sind überraschend. Denn entgegen der Erwartungen beanspruchen nur wenige Arbeitnehmer immer Urlaub an Zwickeltagen. Sei es aus freien Stücken oder weil sie es sich selbst nicht genehmigen können – oder wollen. Die Arbeitgeberseite sagt dazu: Wer es sich leisten kann, bekommt auch frei. Doch nun zu den Ergebnissen im Detail: Nur 16 Prozent der 513 Arbeitnehmer outen sich in der Umfrage als Fenstertag-Heavy User.  Sie sagen: „Ich lasse mir keinen Zwickeltag entgehen“.

„Ich genieße die Ruhe im Büro“

zwickeltage_arbeitnehmer33 Prozent der Befragten nehmen sich nur dann frei, wenn die Feiertage auch wirklich gut fallen. Freilich, die kürzlich durch eine öffentliche Debatte in Frage gestellt wordenen Donnerstag-Feiertage bieten sich für verlängerte Wochenenden besonders gut an. Mit einem Tag Urlaub oder Zeitausgleich gleich vier Tage frei – ein verlockendes Angebot. Jedoch: Mit 39 Prozent gab der Großteil der Arbeitnehmer eine Antwort, die die Arbeitgeber im Land freuen müsste: Sie gaben an, nur dann frei zu nehmen, wenn die Arbeit es auch erlaubt. Für zwölf Prozent der Befragten heißen Zwickeltage übrigens vor allem eines: Konzentriertes Arbeiten, in dem sich sogar das Großraum- wie ein Einzelbüro anfühlen kann. Sie meinen: „Ich genieße die Ruhe im Büro.“

Nicht jeder hat die Chance auf den Extra-Urlaub

zwickeltage_arbeitgeberDass nicht alle Arbeitnehmer viel Freizeit für wenig Urlaubstage bekommen würden, zeigen die Umfrageergebnisse auf Arbeitgeberseite. 14 Prozent der befragten HR-Manager, Führungskräfte und Unternehmer sagen: „Wer es sich leisten kann, bekommt auch frei.“ In drei von vier Unternehmen sind die beliebten Zwickel-, Fenster- oder Brückentage durch fixe Urlaubspläne geregelt. Auf die Verantwortung der Mitarbeiter zählt die Mehrheit der 228 Umfrage-Teilnehmer. Sie meinen: „Die Mitarbeiter machen das unter sich aus.“

Auch bei der Urlaubsplanung gibt es Brösel

Dass dies jedoch nicht immer reibungslos verläuft, zeigte bereits eine karriere.at-Umfrage zum Thema Urlaubsplanung aus dem vorigen Jahr. Jeder vierte Arbeitnehmer muss demnach Abstriche bei den Ferienzeiten machen. 15 Prozent der damals befragten 504 Arbeitnehmer gaben an, sich nach Kollegen mit Kindern richten zu müssen. Weitere 13 Prozent sind durch fixe Betriebs- und Werksurlaube in der Urlaubsplanung eingeschränkt. Dennoch gibt es ab und an Streit um die schönsten Urlaubswochen (vier Prozent), weitere 22 Prozent meinen: „Streit gibt es selten, denn wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

„Ich hab schulfrei, und du?“

schulkindStreit um die Zwickeltage orten laut der aktuellen Befragung vier Prozent der Unternehmensvertreter – die Dunkelziffer hierbei dürfte jedoch höher sein. Die Lösung sieht karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid in der Gerechtigkeit: „Wie generell bei der Urlaubsplanung sollte auch bei der Einteilung der Zwickeltage Gerechtigkeit oberstes Gebot sein.“ Vor allem sei zu bedenken, dass Zwickeltage, die oft schulautonom sind, viele Eltern vor Betreuungsprobleme stellen.

Der Weg zum Urlaubsglück für alle

wütender_kollegeDas Gute an der Sache ist, dass sich Zwickeltage im Gegensatz zu Krankheiten doch recht gut planen lassen. So sollte jeder Arbeitnehmer auch einmal in den Genuss eines „günstigen“ langen Wochenendes kommen können – wenn er will. „Das Umfrageergebnis zeigt sehr deutlich, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer hierbei verantwortungsbewusst agiert und Zwickeltage nur dann freinimmt, wenn dies die Arbeit auch zulässt. Gibt es aber erfahrungsgemäß Probleme damit, sollten Führungskräfte moderierend eingreifen und gemeinsam mit den Abteilungen an Lösungen arbeiten, die für alle vertretbar sind“, so Smid. Er empfiehlt das Anlegen von abteilungsinternen Urlaubskalendern, die rechtzeitig angelegt und für alle Teammitglieder einsehbar sind.

Keiner mag den ewig frühen Vogel

Übrigens: Das Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ gilt zwar auch bei Zwickeltagen – fair ist jedoch etwas anderes. Denn wenn Kollege X sich jedes Jahr wieder schon im Jänner alle Fenstertage sichert, ist es kein Wunder, wenn Kollege Y früher oder später rot sieht.

 

Bildnachweis: ollyy / Quelle Shutterstock, Dudarev Miktail / Quelle Shutterstock, rangizzz / Quelle Shutterstock, Velazquez77 / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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