Die Zukunft beginnt jetzt: Wie wir arbeiten werden

von in HR am Dienstag, 11. September 2012 um 09:34

Verantwortung, Gestaltungsfreiheit und Fehlertoleranz. Werte, die die Mitarbeiter ebenso motivieren wie Lob und natürlich ein angemessenes Gehalt. Doch worauf legen die Arbeitnehmer heute Wert, wenn es um ihren Arbeitsplatz geht und wie wollen sie in Zukunft tätig sein? „Hier will ich arbeiten!“, „Da will ich hin!“, sollte das Gefühl sein, welches bei den Mitarbeitern ausgelöst werden sollte. Doch wie sehen sie aus, die modernen Arbeitsmodelle der Zukunft?

Arbeiten wann, wo und wie man will

Johannes Blätterbinder, Energie AG OÖ

Johannes Blätterbinder, Energie AG OÖ

Menschen wollen, da sind sich Experten einig, in zunehmendem Maße selbst entscheiden wann, wo und wie sie arbeiten. Besonders die viel zitierte Generation Y sowie Menschen aus der Kreativwirtschaft wollen sich dabei nicht in irgendwelche Arbeitszeitmodelle pressen lassen. Und warum sollte sich ein nachtaktiver Mensch auch um acht Uhr morgens zur Arbeit schleppen, wo er bis mittags braucht, um langsam in die Gänge zu kommen? Absurd, wenn man darüber nachdenkt. Aber nicht nur die Jungen, auch die Familien sowie ältere Arbeitnehmer sind es, die die Unternehmen zum Umdenken zwingen. Manche, wie etwa die Energie AG OÖ oder die Brau Union, haben dies bereits getan. „Seit mehreren Jahren ist einerseits ein spürbarer und sicherlich nachhaltiger Anstieg in der Erwerbsquote der Frauen gegeben und andererseits stehen sowohl für die junge Generation der Erwerbstätigen als auch für die älteren Mitarbeiter im Vergleich zu früheren Jahren zusätzliche Bedürfnisse im Vordergrund. Die Energie AG stellt sich diesen Herausforderungen bereits seit längerem, insbesondere wurden flexible Arbeitszeitmodelle und ein Homeoffice Modell entwickelt“, erklärt Johannes Blätterbinder, Personalstratege der Energie AG OÖ.

Auch die Pflege von nahen Angehörigen erfordert Flexibilität

Peter Keppelmüller, Brau Union Österreich AG

Peter Keppelmüller, Brau Union Österreich AG

Wie Blätterbinder zudem berichtet, stellt auch die Pflege von nahen Angehörigen immer mehr Mitarbeiter vor die Situation, zeitlich flexibel sein zu müssen. „Bei uns gibt es neben einem Gleitzeitmodell sehr viele verschiedene Teilzeitmodelle, zudem wird gerade ein umfangreiches Auszeit- und Flexibilitätsmanagement entwickelt“, erklärt er. Die Reaktionen der Mitarbeiter auf die Maßnahmen seien äußerst positiv, messbar sind diese in einer „ausgesprochen hohen Rückkehrquote“ nach Karenzen sowie einer geringen Personalfluktuation. Auch Peter Keppelmüller, HR-Director der Brau Union Österreich AG, bezeichnet die Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes als aktuelle und künftige Kernaufgaben. Neben dem Thema Karenz, welchem durch die Entwicklung eines Karenzmanegementleitfadens gerade Rechnung getragen wird, geht es in dem männerdominierten Unternehmen vor allem darum, ein passendes Arbeitszeitmodell für die älter werdende Belegschaft zu entwickeln.

„Unsere Belegschaft wird zunehmend älter“

„Bei uns geht es um die Herausforderung, die älteren Mitarbeiter lange im produktiven Arbeitsbereich zu halten. Wir haben dafür das Modell der Stammarbeitersonderzulagen entwickelt, welches den Mitarbeitern ermöglicht, Geld in Zeit umzuwandeln. So können die Mitarbeiter entweder einige Wochen pro Jahr mehr Urlaub zur Regeneration nehmen, oder maximal ein Jahr früher in Pension gehen.“ Ein Problem mit hoher Fluktuation gibt es bei der Brau Union nicht, die Belegschaft wird aber zunehmend älter und Freizeit zur Erholung gewinnt damit mehr an Bedeutung.

Stichwort Karenzmanagement

Der Aufbau einer Employer Brand wird, hier sind sich alle Experten einig, gerade in Zukunft als Schwerpunkte die Beweglichkeit, Mobilität und moderne Arbeitsformen zum Inhalt haben müssen. Auch in Hinblick auf das Thema Karenz und Karenzmanagement wird es unumgänglich sein, wie die oben angesprochenen Unternehmen passende Modelle für die jeweiligen Lebenssituationen zu schaffen. Gerade für junge Menschen, die die Familienplanung noch vor sich haben, sind die diesbezüglichen Gegebenheiten oft ausschlaggebend für das Ja oder Nein zum Job. Seitens der Unternehmen bedarf es daher eines funktionierenden Karenzmanagements, welches auch nach Außen hin kommuniziert wird. In Oberösterreich etwa gibt es das K3 Kompetenzzentrum für Karenz und Karriere, welches sich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf widmet. Auch für Unternehmen, die Informationen und Ratschläge zum Umgang mit dem Thema Karenz suchen, ist das K3 eine wichtige Anlaufstelle. Denn gerade kleine Unternehmen können es sich nicht leisten, Mitarbeiterinnen zu verlieren. Weiters geht Unternehmen durch schlechtes oder fehlendes Karenzmanagement nicht selten enormes Know-how verloren, wenn Frauen nach der Karenz nicht mehr ins Unternehmen zurückkehren (können).

Work-Life-Balance wird immer wichtiger

Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, muss eben das ganze Paket stimmen und auch zunehmend Rücksicht auf die Work-Life-Balance der Mitarbeiter genommen werden. Laut einer aktuellen Studie der Sage Software GmbH erwarten 77 Prozent der Arbeitnehmer von einem attraktiven Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten, weitere 51 Prozent wünschen sich flexible Lebens- und Arbeitszeitmodelle, die sich an die jeweilige Situation der Menschen anpassen. Der Trend zur Mehrarbeit sowie zu unbezahlten Überstunden ist zwar vorhanden – gut geheißen wird er seitens der Arbeitnehmer jedoch nicht.

Arbeit ist Arbeit – Freizeit ist manchmal auch Arbeit

Helga Kernstock-Redl

So glauben immer weniger Arbeitnehmer an die Trennung von Freizeit und Arbeit, laut der Studie sind sogar 77 Prozent der Meinung, dass diese Trennung sich auch künftig immer weiter auflösen wird. Stolze 85 Prozent aller berufstätigen 18-29-Jährigen gaben an, gelegentlich außerhalb der Arbeitszeiten etwas für ihre Firma zu tun. Jeder dritte Befragte arbeitet auch an Feierabenden oder Wochenenden, jeder fünfte Arbeitnehmer sogar dann, wenn er krankgeschrieben ist.

Im Hinblick auf eine gesunde Gefühlswelt ist diese Verwischung ebenso bedenklich, wie vor dem Aspekt von Burn-Out und Stresserkrankungen betrachtet. „Eine Trennung zwischen beruflicher und privater innerer Haltung ist meistens wirklich nützlich, denn je distanzierter wir uns verhalten können, umso eher sind wir vor tiefgreifenden Verletzungen geschützt. Die Trennung Freizeit-Arbeit ist auch als Burnout-Prävention wichtig, um sich selber genug ,Unterschied‘ ins Leben zu holen“, erklärt dazu die Wirtschaftspsychologin und Autorin Helga Kernstock-Redl. „Wer am Arbeitsplatz im Hochstress ist, braucht auf Dauer unbedingt das Abschalten, den Umstieg in den Freizeitmodus. Wenn allerdings auch dort jederzeit das Telefon läuten kann, ist ein innerer Bereitschaftsdienst wahrscheinlich, die Entspannung gelingt nicht wirklich. Der menschliche Körper braucht jedoch den Unterschied in der Belastung, sonst funktionieren auf Dauer unsere Stresssysteme nicht mehr.“

Selbst-Check für Unternehmen aus „Being Social“

In ihrem Buch „Being Social“ hat Anneliese Breitner dem Thema Arbeitsplatz der Zukunft ein Kapitel gewidmet, darin zu finden auch ein nützlicher Selbst-Check für Unternehmen hinsichtlich ihrer Zukunftstauglichkeit. An dieser Stelle erlauben wir uns, auszugsweise daraus zu zitieren. Je mehr dieser Annahmen mit Ja beantwortet werden können, desto besser.

  • Wir haben eine Positionierung als Arbeitgeber definiert, die Werte im Umgang mit Mitarbeitern, die technische Infrastruktur und das zur Verfügung stehende Arbeitsumfeld mit einbezieht
  • Wir investieren in unterschiedliche Raumkonzepte innerhalb unserer Infrastruktur
  • Wir ermöglichen unseren Mitarbeitern auf ihren eigenen Endgeräten Zugang zu Unternehmensportalen

Bildnachweis: IS2 / Quelle Photocase, Energie AG, Brau Union, Kernstock-Redl

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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