Zukunft der Arbeit II: „Veränderung geht immer von den Jungen aus“

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 30. Januar 2013 um 11:15

Der Wiener Freizeit- und Tourismusforscher Peter Zellmann hat vergangene Woche erklärt, woher der lauter werdende Ruf nach mehr Freizeit kommt. Er zeigt auch auf, wieso die Bezeichnung „Gaudi-Gesellschaft“ ein großer Irrtum ist. Dennoch: Die Veränderung hin zu mehr Flexibilität und Freizeit stellt in der Tat ein großes Konfliktpotenzial dar. Worum es den Jungen wirklich geht und warum die Älteren dies verstehen müssten, erklärt Zellmann im zweiten Teil von „Zukunft der Arbeit“.

„Kein Interesse daran, dass sich etwas ändert“

Die Freizeit wird immer wichtiger – dies bedeutet, wie Zellmann erklärte, jedoch keinen Leistungsabfall. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen leisten beruflich aber auch privat viel. Und dies führt zu einem Zeitproblem, welches zu dem Wunsch nach flexiblen oder geringeren Arbeitszeiten führt. Konflikte in der Arbeitswelt sind programmiert. „Man muss die Vertreter des alten Machtgefüges verstehen. Sie haben kein Interesse daran, dass sich an den Verhältnissen etwas ändert. Veränderung geht immer von den Jungen aus, die die nächsten 60 bis 70 und nicht die nächsten 20 bis 30 Jahre vor Augen haben“, erklärt Zellmann. Und unter diesem Aspekt sollte man den aktuellen Wertewandel auch sehen.

„Die Zeit ist die eigentliche Ressource des 21. Jahrhunderts“

Peter Zellmann

Peter Zellmann

„Einmal mehr: Den jungen Arbeitnehmern geht es nicht um Leistungsverweigerung, sondern darum, mit der kostbaren Lebenszeit für sich selbst anders umzugehen als noch ihre Eltern oder Großeltern.“ Dies sei erst mit Ende des Industriezeitalters möglich geworden und keine Generationenfrage, sondern eine gesellschaftliche Veränderung an sich. „Die jetzige junge Generation hat die Chance, das, was ihr immer schon wichtig war, gemeinsam mit dem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel auch umzusetzen. Das ist die Freizeitorientierung der Lebensstile, die eine neue Leistungsgesellschaft hervorbringen wird, wo die Zeit eine ganz andere Rolle spielt als früher. Die Zeit ist die eigentliche Ressource des 21. Jahrhunderts.“

Hier liegt der Schlüssel zum Lebensglück

Der Schlüssel zum Lebensglück liegt laut dem Forscher darin, selbst über die eigene Zeit bestimmen zu können. „Wer selbstbestimmt, also souverän mit seiner Zeit umgehen kann, der ist zufrieden mit seinem Leben. Es geht nicht darum was wir machen, sondern wie zeitlich selbstbestimmt wir es machen.“ In diesem Sinne sei nicht das Verhältnis Freizeit zu Arbeit ausschlaggebend für das eigene Lebensglück, sondern die Frage, wie freiwillig man das eine oder ander macht. „Logisch, dies gilt nicht für alle Menschen aber doch viele würden sagen: Ein bisschen weniger Geld und dafür ein bisschen mehr Zeit. Das wäre es, was ich mir wünsche.“

Der Fortschritt der Gesellschaft

Und genau diese Tatsache ist, wie Zellman betont, der Fortschritt der Gesellschaft. Der seiner Meinung nach unumkehrbar ist. Mehr dazu jedoch nächste Woche im dritten und letzten Teil des Interviews.

Bildnachweis: Petar Paunchev / Quelle Shutterstock, ollyy / Quelle Shutterstockift

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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