Zukunft der Arbeit: Zwei Drittel würden für Zeit auf Geld verzichten

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 23. Januar 2013 um 11:25

„Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich nur 20 oder 30 Stunden arbeiten. Langweilig würde mir nicht werden.“ Diesen Satz schon mal gehört? Würde nicht verwundern, denn Aussagen wie diese sind keine Seltenheit. Warum das so ist, woher diese Einstellung kommt und warum sie berechtigt ist, erklärt der Wiener Freizeit- und Tourismusforscher Peter Zellmann. Im ersten Teil der Gesprächsreihe „Zukunft der Arbeit“ erklärt er, warum Zeit genauso wichtig wurde wie Geld.

„Man ist nicht nur auf der Welt um zu arbeiten“

Peter Zellmann

Peter Zellmann

Der Wunsch nach einer Teilzeitanstellung – woher kommt er? Sind wir wirklich faul? Hat die junge Generation nichts als Flausen im Kopf? Ein eindeutiges Nein gibt es dazu von Peter Zellmann, dem Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. „Der Lebensbereich Freizeit ist den Menschen genauso wichtig geworden wie der Lebensbereich Arbeit. Das nenne ich Freizeitorientierung und es bedeutet, dass der Mensch sich selbst, seine Familie und sein Umfeld ernst nimmt. Man ist also nicht nur auf der Welt um zu arbeiten. Dies schließt jedoch nicht aus, dass man grundsätzlich gerne arbeitet“, erklärt Zellmann. Kennzeichnend für diesen Wertewandel des ausklingenden Industriezeitalters sei demnach die Tatsache, dass es um Lebensqualität und nicht mehr um Lebensstandard gehe.

„Diese Lebensqualität muss man sich leisten können“

„Diese Lebensqualität muss man sich allerdings leisten können. Es geht darum zu schauen, ab wo man eigentlich materiell genug hat, um ein schönes Leben führen zu können. Und diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und in erster Linie eine sehr subjektive Entscheidung. Es geht darum zu entscheiden, wie es einem besser geht: Bei gleich bleibenden Einkünften oder mehr Zeit für einen selbst, die Familie, Hobbies und andere Interessen.“ Und wie eine von Zellmann zitierte Studie zeigt, würde sich der Großteil der Österreicher für die Zeit und gegen das Geld entscheiden. „Die Frage: Wärst du damit einverstanden, zehn Prozent weniger zu verdienen und dafür 20 Prozent mehr Zeit zu haben?, würden zwei Drittel mit Ja beantworten“, so Zellmann.

„Große Fehlinterpretation der vergangenen Jahre“

„Es ist dabei aber außer Frage, dass die Existenz gesichert sein muss und erst jenseits der Existenzangst wirkliche Lebensfreude empfunden werden kann“, erklärt der Forscher. Dieses Jammern auf hohem Niveau, wie wir es in Österreich haben, bedeute jedoch keinesfalls, dass wir „eine undankbare Gaudigesellschaft sind, die nur mehr Freizeitkonsum im Kopf hat.“ Dieses, so Zellmann, war eine große Fehlinterpretation der vergangenen Jahre. „Die Arbeit ist den Menschen gleich wichtig wie ihr außerberufliches Beisammensein mit anderen Menschen, das Ausschöpfen der Kreativitätspotenziale und den eigenen Interessen. Auch da wird sehr viel geleistet – von der Hausarbeit angefangen über das ehrenamtliche Engagement, Tätigkeiten im sozialen Bereich aber auch jenes, was man freiwillig in der Freizeit für seine Firma macht.“ Und all dieses, so der Forscher, sei großes unterschätztes Leistungspotenzial.

Mehr Leistung auf allen Fronten

„Das Leistungspotenzial ist heute nicht mehr nur im Arbeitsbereich, sondern auch im Freizeitbereich ähnlich zu finden. Diese Entwicklung hat die Menschen jetzt natürlich in eine Zeitfrage gebracht. Das Zeitbudget wurde genauso wichtig wie das finanzielle Budget. Und dies äußert sich darin, dass die Menschen für mehr Lebenszeit auf Einkommen verzichten würden.“

Bildnachweis: Aaron Amat / Quelle Shutterstock, ift

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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