Glücklich ist, für wen Zeit nicht gleich Geld ist

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 6. September 2012 um 09:49

Wohl jeder kennt den Spruch: „Zeit ist Geld“. Gerade in unserer hektischen Welt scheint sich dieser auch immer öfter zu bewahrheiten. Alles muss schnell passieren, denn die Zeit bleibt nie stehen. Kaum ist ein Projekt am fertig werden, stehen drei neue an. „I want it fast, I want it now“ scheint der Spruch der Zeit zu sein. Doch wenn Zeit Geld ist, was passiert dann mit jenen Freuden des Lebens, die kein Geld einbringen? Forscher haben nun eindrucksvoll bewiesen, dass das Aufwiegen von Zeit in Geld das Glück schmälert.

Die Studienvorbereitung

Wie die Plattform Forschung erleben! berichtet, haben die Forscher Sanford DeVoe und Julian House von der kanadischen Universität Toronto sich mit eben dieser Frage beschäftigt: Was passiert mit dem Genuss von Freizeitaktivitäten wie etwa Musik hören oder Internet surfen, wenn Zeit tatsächlich immer eins zu eins mit Geld aufgewogen wird?

Um das festzustellen, haben sie eine Studie durchgeführt. Den Probanden wurde eine Bezahlung für ihre Teilnahme versprochen. Bevor es los ging, haben die Psychologen die teilnehmenden Personen jedoch in zwei Gruppen eingeteilt. Mitglieder der ersten Gruppe wurden gebeten, vor Beginn der Tests neben generellen Angaben zu Einkommen und Arbeitszeit auch das jeweils individuelle persönliche Gehalt auszurechnen. Ziel der Forscher war damit, dass sich diese Personen dadurch in besonderer Weise darüber bewusst werden, dass ihnen Zeit Geld einbringt bzw. dass Zeit auch Geld kosten kann. Die andere Gruppe wurde hingegen nicht mit finanziellen Dingen behelligt und ging somit ganz neutral in die Testung. Bevor es losging, wurden alle Teilnehmer gefragt, wie glücklich sie sich gerade fühlen würden. Übrigens: Worum es in der Studie genau geht, bzw. was sie dafür tun mussten, wussten die Teilnehmer nicht.

Wer den Wert seiner Zeit kennt, ist weniger glücklich

Die Studienteilnehmer durften anschließend zehn Minuten beliebig im Internet surfen. Diese angebliche Freizeitphase, die jedoch bereits der erste Test war, sollte, so die Annahme der Psychologen, das Glücksgefühl der Teilnehmer steigern. Die Auswertung dieses ersten Tests brachte bereits eindeutige Ergebnisse. Denn tatsächlich gaben diejenigen Teilnehmer, die zuvor Zeit in Geld umgerechnet hatten, einen geringeren Anstieg an glücklichen Gefühlen an, als jene Gruppe, die unvoreingenommen in den Test ging. Das bedeutet: Jene Teilnehmer, die zuvor ihren Stundenlohn ausgerechnet hatten, sahen das Internetsurfen als Zeitverschwendung an.

Den Stundenlohn im Kopf schnell ungeduldig

In einem weiteren Test wurden die Teilnehmer gebeten Musik zu hören. Hier zeigte sich, dass das Bewusstsein des eigenen Stundenlohns sich nicht nur auf Glück und Zufriedenheit auswirkt, sondern sogar Ungeduld schürt. Offenbar empfand die erste Gruppe, so das Fazit der Forscher, die eigentlich angenehme Tätigkeit als Zeitverschwendung. Und somit auch als Geldverschwendung. Wurden den Teilnehmern hingegen vor der Studie ausdrücklich gesagt, dass sie für die „Freizeitphase“ ebenso entlohnt würden, wie für andere Teile der Studie, dann sank die Ungeduld und die Musik hatte wieder einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden.

„Glück ist die kurze Zeit, in der man die Zeit vergisst“

„Zeit ist Geld“ ist daher eine Redewendung, die zwar für manche Situationen stimmen mag, an die man in anderen Situationen aber wiederum nicht einmal denken sollte. Abschließend bleibt nur der Verweis auf ein sehr schönes Zitat, welches unkommentiert für sich stehen darf. Und vielleicht, so hoffen wir, dem einen oder anderen schöne und glückliche Momente beschert. „Glück ist die kurze Zeit, in der man die Zeit vergisst“. (Thomas Bockelmann)

Bildnachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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