Winterblues? 5 Tipps gegen das Tief in der dunklen Jahreszeit

von in Arbeitsleben am Montag, 14. November 2016 um 21:40

Nass, kalt, dunkel – mit Herbstbeginn startet für viele die Zeit des traditionellen Winterblues: In der Dunkelheit ins Büro, in der Dunkelheit wieder nach Hause. Danach ab auf die Couch, bloß nicht mehr rausgehen. Wie oft hast du den Satz „Ich kriege noch eine Winterdepression!“ seit Beginn der dunklen Jahreszeit schon gehört? Mit diesen fünf Tipps kommst du gut durch den Winter:

Christa Schirl

Christa Schirl

Wem die Dunkelheit auf’s Gemüt schlägt, der befindet sich in bester Gesellschaft: Rund jeder fünfte Mitteleuropäer fühlt sich in der dunklen Jahreszeit in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt. Um eine richtige Depression handelt es sich beim klassischen Winterblues allerdings nur in den seltensten Fällen. „Dieses Phänomen der dunklen Jahreszeit wird umgangssprachlich oft als Winterdepression bezeichnet. Es ist aber nicht alles, was sich wie eine Depression anfühlt, auch eine echte Depression“, erklärt Psychologin Christa Schirl.

Ein kleiner Trost – aber auch eine leichte depressive Verstimmung kann uns das Leben bis zum nächsten Frühling schwer machen. Neben Beschwerden wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit können in der dunklen Jahreszeit auch gröbere Schwierigkeiten ans Tageslicht kommen: Probleme im Job, Unzufriedenheit in der Partnerschaft, mangelnde soziale Kontakte – alles Dinge, die bei prächtigem Sommerwetter vielleicht noch Nebensache waren.

Neben der Psyche meldet sich im Winter auch der Körper: „Oft treten im Winter grippale Infekte oder hartnäckige Verkühlungen auf. Eine Erkältung kann sich auch auf unsere Psyche auswirken. Leide ich unter einem langwierigen Infekt und bin wochenlang nicht richtig fit, dann wird auch meine Stimmung dementsprechend gedrückt sein“, erklärt Schirl.

Keine Chance dem Winterblues

Herbst und Winter sind nicht nur die Zeit des Innehaltens, sondern auch Jahreszeiten, in denen ihr besonders auf euch schauen solltet. Wie ihr eure Stimmung aus dem Keller holt und die Zeit bis zum Frühlingserwachen gut übersteht – wir haben bei Christa Schirl nachgefragt, welche Strategien es gegen den Winterblues gibt:

#1 Raus an die frische Luft

Sich zu Hause einigeln – sehr verlockend, wenn es draußen ungemütlich wird. Die Idee ist laut der Psychologin aber nur bedingt gut: „Das Wetter ist schlecht und wir haben keine Lust, rauszugehen – also bleiben wir drin, auf der Couch, vielleicht mit ungesundem Essen. Das macht uns automatisch träger. Diese Situation ist oft eine selbst gewählte, weil wir es nicht besser können. Aus der klassischen Depressionsbekämpfung wissen wir aber, wie wichtig Bewegung an der frischen Luft ist. Spaziergänge reichen völlig, es muss kein Outdoor-Sport sein.“ Kleine Bewegungseinheiten sind schnell umsetzbar, z.B. ein Spaziergang in der Mittagspause oder eine kleine Runde an der frischen Luft, bevor man ins Auto steigt und nach Hause fährt. Wer nicht gerne alleine unterwegs ist, dem rät Christa Schirl zu Aktivitäten mit Gleichgesinnten: Walking-Gruppen, Lauftreffs, mit einem Freund spazieren gehen – Hauptsache, raus an die frische Luft.

#2 Auf die Ernährung achten

Es heißt nicht umsonst: Winterspeck anfuttern. Der Winterblues geht oft Hand in Hand mit gesteigertem Appetit auf süße oder gehaltvolle Nahrungsmittel. Gepaart mit wenig Bewegung und der oft alkoholischen Weihnachtszeit resultiert das in ein paar Kilos mehr auf der Waage – und das verleiht der Stimmung selten Auftrieb. Neben der Gewichtszunahme hat falsche Ernährung außerdem Einfluss auf den Schlaf. „Schweres Essen und alkoholische Getränke stehen im Winter oft auf dem Programm. Das beeinflusst unseren Schlaf negativ, das wiederum wirkt sich auf unser gesamtes Wohlbefinden aus“, so Schirl. Auch wenn es rund um Weihnachten schwer fällt, so rät die Psychologin zu gemäßigtem Alkoholkonsum, leichten Speisen und vitaminreicher Nahrung: Im Büro also eher zu Obst greifen, statt die Süßigkeitenlade zu plündern.

Ernährung im Winter

#3 Vitamin D-Mangel vorbeugen

Im Sommer ist die Versorgung mit dem Provitamin D üblicherweise sichergestellt: Von Mai bis September wird Vitamin D mit Hilfe der Sonne in unserer Haut gebildet und danach zu Vitamin D3. Im Winter steht die Sonne nicht hoch genug am Himmel, um uns mit den notwendigen UV-B-Strahlen zu versorgen. Außerdem ist Vitamin D nur begrenzt speicherbar. Die Einnahme von Vitamin D als Ergänzungsmittel kann laut Apothekerkammer Österreich im Winter sinnvoll sein, um das Immunsystem zu stärken und Erkältungen vorzubeugen. Ob eine Nahrungsergänzung notwendig ist, kann beim Arzt mittels Blutuntersuchung festgestellt werden. Auf natürlichem Weg kann Vitamin D über Sardinen, Lachs, Hering, Avocados oder Milchprodukte aufgenommen werden.

#4 Soziale Kontakte aufrecht erhalten

Man muss nicht auf jeder (Weihnachts)party tanzen und Zeiten des Rückzugs tun gut. Vernachlässigte Sozialkontakte sind jedoch mit schuld am berühmten Winterblues. „Viel zu Hause, wenig soziale Kontakte, für die man ja nach draußen gehen müsste – diese Kombination macht Menschen in der lichtarmen Jahreszeit nicht gerade glücklicher“, sagt Schirl. Das gilt vor allem für jene, die im Winter mit privaten oder beruflichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

#5 Dunkle Jahreszeit bewusst gestalten

Auch, wenn der Rückzug in die eigenen vier Wände an vielen Abenden verlockend erscheint, Christa Schirl rät zur bewussten Gestaltung der Wintermonate: „Sich nicht der dunklen Jahreszeit völlig hingeben, sondern – wie es so schön heißt – ‚eine Kerze anzünden‘, die Jahreszeit aktiv gestalten: Soziale Kontakte aufrecht erhalten, Freunde einladen, alte Bekannte treffen und auch die Weihnachtszeit im Blick behalten.“ Wer Weihnachten sagt, der muss auch Weihnachtsstress sagen? Die Psychologin dazu: „Es bereitet vielen Menschen Schwierigkeiten, die Adventzeit zu genießen. Zwischen Terminen, Besorgungen und Verpflichtungen bleibt das eigene Wohlbefinden oft auf der Strecke. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu hinterfragen, welche Art des Weihnachtsfestes man feiern möchte und wie man die Adventzeit verbringen will. Welche Bräuche machen noch Sinn? Welche Traditionen möchte man bewahren, was hat ausgedient? Wie sieht ein Dezember aus, der mir persönlich Freude bereitet?

Wann wird der Winterblues zur Winterdepression?

  • Wer massiv mit der dunklen Zeit des Jahres zu kämpfen hat, leidet vielleicht unter einer Winterdepression. Erste Informationen, auch zu Behandlungsmöglichkeiten, sowie einen kurzen Selbsttest stellt die SAD-Ambulanz Wien hier zur Verfügung.

Bildnachweis: everst/Shutterstock; Anna Bogush / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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