Die Arbeitswelt der Frau S. – Willkommen in der Arbeitslosigkeit!

von in Arbeitsleben, Jobsuche am Donnerstag, 9. Februar 2012 um 16:49

Arbeit ist mehr als nur ein Job. Es hängt so viel an ihr: Einkommen, Lebensstatus, Bestätigung, Selbstwert, Kontakte, Kollegen, Selbstverwirklichung, und, und, und… In regelmäßigen Abständen wird ab heute an dieser Stelle eine Gastkolumne ihren Platz einnehmen: Die Arbeitswelt der Frau S. Themen, die das Arbeitsleben schreibt – von lustig bis traurig, nachdenklich bis erbauend. Aber garantiert: Subjektiv betrachtet.

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Eine Gastkolumne von Sandra Gortva

Die liebe gute Arbeit. Sie kann ja so vieles sein. Zum einen berauschend und inspirierend. Zum anderen aber auch zweckdienlich und immer wieder mal nervend. In vielen Fällen ist sie leider einfach nicht vorhanden. Ein Ort an dem sich die beiden letztgenannten Beschreibungen häufiger treffen, ist das Arbeitsamt.

Denn wer am Arbeitsamt gemeldet ist, dem fehlt definitiv der Job – es sei denn man sitzt auf der anderen Seite des Schalters – und für ihn oder sie ist es meistens auch ganz schön nervig wieder eine neue Arbeit zu bekommen. Vor allem eine die wiederum inspirierend ist. Und wer denkt vom Arbeitsamt ausgezahlt zu werden bedeutet Faulenzen, hat entweder Glück mit seinem Sachbearbeiter oder war noch nie arbeitslos gemeldet. Man hört immer wieder von Fällen bzw. Personen, die sich eine vom Arbeitsamt ungestörte und schöne Zeit machen können. Bezahlten Urlaub sozusagen. Mir allerdings ein absolutes Rätsel wie diese das anzustellen vermögen.

Auch mich traf einst das Schicksal den sozialen Stempel „als arbeitslos gemeldet“ aufgedrückt zu bekommen. In manchen Kreisen mag das wohl als ein klein wenig aufständisch und revolutionär gelten. Sich das Recht herauszunehmen vom Staat finanziert zu werden. Immerhin zahlt man doch dafür ein und vor allem: Andere machen das doch auch! Klar könnte man das so sehen. Aber will man wirklich von jemandem abhängig sein, vor allem vom gestrengen und doch eher knausrigen Vater Staat? Hat man sich nicht jahrelang durchgekämpft, um endlich nach Schulabschluss seine Selbstständigkeit und vor allem Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen? Ich für meinen Teil schon. Arbeitslos sein bedeutet ständig „unter Beobachtung“ zu stehen. Von Freiheit kann hier kaum die Rede sein. Einfach mal spontan für ein paar Tage ins Ausland reisen ist nicht drinnen. Natürlich kann man es ohne Abmeldung und einhergehender Zahlungs-Aussetzung riskieren. Was aber wenn dann doch unerwartet etwas passiert? Ja, das bedeutet dann Ärger. Mächtigen Ärger.

Das persönliche Verpflichtungs-Päckchen

Also, so easy wie manche sich das vorstellen ist es wirklich nicht. Denn auch hier gilt es, sein Päckchen an Verpflichtungen nicht nur zu tragen, sondern auch zu erfüllen. Bewerbungen schreiben im Akkord heißt es da. Denn kann man wöchentlich die vereinbarte Anzahl an Stellengesuchen nicht vorweisen kommt man schon mal in Teufels Küche. Allerdings taucht hier gleich ein weiteres Problem auf. Es gibt meist gar nicht so viele Stellenausschreibungen für seinen präferierten Job. So muss man irgendwann beginnen Kompromisse mit sich selbst einzugehen. Sich für Jobs bewerben, die nicht wirklich dem Traumjob entsprechen.

Nicht nur, dass man ständig am Suchen ist. Nein, man ist plötzlich auch mit permanenter Ablehnung konfrontiert. Man muss leider trotz zahlreicher Qualifikationen feststellen, dass man doch nicht gewollt wird. Für das Ego auch nicht gerade ein Topf voller Honig. Man stellt plötzlich sich selbst und seine Leistungen komplett in Frage und wenn da nicht bald ein guter Job herein trudelt, kann man sich neben dem geregelten Gang zum Arbeitsamt auch gleich einen Termin beim Psychologen fixieren lassen.

Couchworker

Für etwas „lockere“ Bedingungen sorgt seit einiger Zeit die Online-Variante des Arbeitslos-Seins. Hier muss man nicht persönlich von Woche zu Woche vorstellig werden. Kann „gemütlich“ von zu Hause aus vorweisen, dass man „arbeitet“ und  nicht nur faul auf der Couch abhängt. Auch wenn man das dann doch auch wieder von der Couch aus erledigen kann… Wie dem auch sei. Vorteil dabei ist, man geht unangenehmen Beratern aus dem Weg und muss sich nicht mit anderen Arbeitssuchenden Augengefechte liefern, wer hier jetzt einen Termin hat und letztendlich an der Reihe ist. Nachteil, wenn man es überhaupt so bezeichnen kann, mehr Bewerbungen müssen geschrieben und abgeschickt werden.

Was jetzt aber tun um aus dieser ganzen Arbeits-Los-Falle wieder rauszukommen? Als erstes: Ruhe bewahren und vor allem hilfreiche Tipps annehmen. Zum Thema Jobsuche  und Bewerbung findet man hier auf Karriere.at gleich eine Menge an nützlichen Ratschlägen. Vor allem könnte man die Zeit auch nützen um sich zu überlegen, welchen beruflichen Weg möchte man denn tatsächlich gehen. War ich mit meinem letzten Job zufrieden oder sollte man es vielleicht doch wagen etwas Neues zu probieren. Zu dieser Frage sowie zu vielen weiteren wird es hier in Zukunft das eine oder andere Interessante  zu lesen geben. Einfach die Augen offen halten, wenn es wieder heißt: Die Arbeitswelt der Frau S.

Über die Autorin:

Man könnte mich als Globetrotterin der Arbeitswelt bezeichnen. Die verschiedensten Wege bin ich bereits gegangen und unterschiedlichste Jobs sowie Job-Positionen haben meine berufliche Reise geprägt. Manch einer wird sich deswegen bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden. Wenn nicht, dann vielleicht zumindest den einen oder anderen Tipp und Trick für seinen Weg mitnehmen können. Die Welt der Arbeit mal von verschiedenen Seiten beleuchtet.  Mittendrin und voll dabei lautet bei mir das Motto (auch in meinem Blog: santown’s blog). Viel Spaß beim Eintauchen in die Arbeitswelt der Frau S.!

Redaktion

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