Bandscheibenvorfall, Krankheit & Co. – So gelingt der Wiedereinstieg in den Job

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Donnerstag, 17. Oktober 2013 um 10:28

„In Österreich ist man entweder krank oder gesund. Ein Dazwischen gibt es nicht und das ist schade.“ Hana Mayrhofer, ärztliche Leiterin vom ASZ, spricht mit dieser Aussage wohl vielen Arbeitnehmern aus der Seele. Tatsächlich ist der Wiedereinstieg nach längerer Krankheit ein heikles Thema und gerade bei Erkrankungen, die von außen nicht sichtbar sind, häufig ein Problem.

Langzeitkrankenstand meist ab sechs Wochen

Hana Mayrhofer

Hana Mayrhofer

Wenn es in einer Firma ein Wiedereingliederungsmanagement gibt, wird dieses meist ab einer Dauer von sechs Wochen in Anspruch genommen – ab dann spricht man von Langzeitkrankenstand. Das ist eine lange Zeit – sowohl für die Betroffenen als auch für die Kollegen bzw. das Team. „Kehrt ein Arbeitnehmer nach längerer Krankheit an seinen Arbeitsplatz zurück, so sind manchmal Veränderungen nötig. „Diese reichen von einfachen Vereinbarungen bis hin zu baulichen Maßnahmen – etwa dann, wenn jemand nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Diese Umbauten können recht komplex sein“, so Mayrhofer.

„Bei psychischen Erkrankungen tun sich alle viel schwerer“

psychische_erkrankungAuch wenn so ein Umbau viel Wirbel macht, ist er meist relativ einfach und ohne große Betreuungsleistung von Außen machbar – hier packen nicht nur sprichwörtlich alle mit an. Schwieriger wird es hingegen bei psychischen Erkrankungen sowie Einschränkungen, die vielleicht nicht sichtbar sind. Ein Bandscheibenvorfall oder chronische Schmerzen zum Beispiel. „Bei einer schweren Erkrankung bzw. Verletzung ist meist das breite Verständnis da und schnell wird der Entschluss gefasst, Rücksicht zu nehmen. Bei psychischen oder anderen nicht sichtbaren Erkrankungen hingegen tun sich alle sehr viel schwerer. Die Unsicherheit ist auch der Grund, weshalb wir hier öfters zur Unterstützung gerufen werden“, so Mayrhofer. Zwar sei es heute einerseits einfacher, über psychische Probleme zu sprechen – andererseits werden Burn Out & Co. zum Teil als Modeerscheinungen wahrgenommen und beurteilt, die nicht immer auf Verständnis stoßen.

Problematisch, wenn die Arbeitslast zu hoch ist

stress_schreienDer geglückte Wiedereinstieg in den Job hängt von vielen Faktoren ab – gerade die Führungskraft ist hier stark gefordert. „Ist der Chef für das Thema Wiedereinstieg sensibilisiert, kann er mit dem Team sprechen und gemeinsam eine Strategie für die Rückkehr eines Kollegen vereinbaren. Dies kann zum Beispiel der sanfte Einstieg sein, bei dem der betroffene Mitarbeiter langsam wieder zurückfindet. Ist das Klima gut, wird diese Idee mitgetragen – jedoch nicht auf Dauer“, so Mayrhofer. Der zeitweise Verlust eines Kollegen ist besonders dann problematisch, wenn die Arbeitslast im Team allgemein zu hoch ist. Und dennoch herrscht leider oft die Meinung: „Besser du bleibst im Krankenstand„.

Krank oder gesund: Kein stufenweiser Einstieg möglich

Und genau hier ortet Mayrhofer enormes Verbesserungspotenzial. „Je länger ein Mensch weg vom Beruf ist, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg. Die Leute könnten oft schon früher zurück und würden sich dann auch leichter tun. Dennoch heißt es in Österreich: Krank oder gesund. Modelle wie in Deutschland, die einen stufenweisen Einstieg möglich machen, gibt es bei uns nicht.“ Dabei hat die Arbeit auch für das psychische Wohl eine ungemein große Bedeutung: „Es geht darum, Kompetenz zu erleben und gebraucht zu werden. Studien zeigen, dass etwa Krebspatienten bessere Genesungschancen haben, wenn sie aktiv im Berufsleben bleiben.“

„Wenn sich jemand Teilzeit nicht leisten kann?“

Ideal wäre, so die Medizinerin, wenn die Menschen früher zurückkommen – jedoch langsamer einsteigen könnten. Aktuell ist das oft nur mit sehr viel Good Will (und privaten finanziellen Rücklagen) möglich. Denn wenn jemand sich Teilzeit einfach nicht leisten kann, wird er wohl eher im Krankenstand bleiben. „Hier ist die Politik gefragt.“

Bildnachweis: Cranach / Quelle Shutterstock, Maridav / Quelle Shutterstock, ollyy /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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