Lenny Kravitz, Helmut Schmidt …und keine Wertvorstellungen

von in Arbeitsleben am Dienstag, 17. Mai 2011 um 12:52

Are you gonna go my way? Lenny Kravitz rockt es in seinem Hit so locker in die Runde. In Unternehmen allerdings eine der Kernfragen schlechthin. Mitarbeitermotivation, zielgerichtetes Arbeiten, Visionen – alles hängt davon ab, ob die Belegschaft erstens überhaupt mitmarschiert und zweitens auch noch wie von selbst die selbe Richtung wie die Unternehmensführung einschlägt. Dass das leider nicht immer der Fall ist, wissen alle, die Tag für Tag in die Arbeit gehen. Dass aber fast jeder zweite Arbeitnehmer und jede dritte Führungskraft an den Wertvorstellungen ihres Arbeitgebers zweifeln, fördert nun eine Studie zutage.

Geld, Ansehen, Gestaltungswille, nette Kollegen, Interesse an einem Fachgebiet – die Gründe, warum man Tag für Tag seinen Arbeitsvertrag erfüllt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Fest steht aber, dass man seine 40 Stunden umso lieber ableistet, wenn man weiß wofür. Wenn die Sache, für die man sich beruflich einsetzt, eine gute ist – ein Job im Umweltbereich beispielsweise. Oder wenn es Unternehmensführungen gelingt, ihrer Belegschaft das Gesamtprojekt (=“ihre Vision“) so spannend darzulegen, dass jeder einzelne gern Teil eines solchen großen, funktionierenden Ganzen sein möchte. Gelingt ihnen das nicht, wird ihnen bestenfalls Skepsis („Wofür arbeiten? Für seinen/ihren goldenen Golfschläger?“) oder das berühmte Helmut Schmidt-Zitat entgegenschlagen: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.“

Visionen, Werte und Ziele hat heute nahezu jedes Unternehmen – meist festgeschrieben in Unternehmensleitbildern, oft den Köpfen des Top-Managements entsprungen. Und viel zu oft nur dort präsent, besagt nun eine aktuelle Untersuchung der deutschen Beratungsgesellschaft Service Value: Denn nach den Ergebnissen könne sich fast jeder zweite Arbeitnehmer und jede dritte Führungskraft nicht mit den Wertvorstellungen des Arbeitgebers identifizieren.

Besonders schlimm steht es in der Unternehmenswerte-Vermittlung dem Anschein nach um die Finanzbranche. IT, Medien und Telekom, Industrie, Gesundheitswesen und Öffentlicher Dienst sind laut der Studie ebenfalls nicht gerade Branchen, in denen Mitarbeiter für das große Ganze laufen:

„Zahllose Ausarbeitungen zu Führungsleitlinien und Unternehmenswerten finden ihren Platz im Bilderrahmen oder in der Schublade, aber nicht in den Köpfen der Mitarbeiter“, analysiert Nienke van der Veen, Beraterin bei Service Value. Denn oft fehle einfach das gute Beispiel von oben: Laut Studie gibt nur jeder zweite Angestellte in der Industrie an, dass seine Führungskraft auch das vorlebt, was diese von anderen wie selbstverständlich erwartet.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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