Frauenrechte – jetzt!? Morgen ist Internationaler Frauentag

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Freitag, 7. März 2014 um 08:51

Eine Aussendung von Statistik Austria dieser Tage hat noch einmal in Zahlen aufgezeigt, was jedes Jahr rund um den Internationalen Frauentag durch die Medien geistert: die Erwerbstätigkeit bei Frauen steigt – leider nur aufgrund der vielen Teilzeitjobs. Frauen verdienen immer noch viel weniger als Männer. In die Führungsetage aufzusteigen, bleibt für viele von ihnen trotz guter Qualifikationen nur ein frommer Wunschtraum. Die Feier am Internationalen Frauentag deswegen absagen? No way.

Ein Gastbeitrag von Rita Obergeschwandner

Aufzeigen statt schweigen

Als Kind ahnte ich von der Ungleichbehandlung von Mädchen und Burschen bzw. Frauen und Männern nichts. Ich zog mir beiderlei Schuhe bzw. Klamotten an – da ich auch gerne Burschenlatzhosen trug – und präsentierte jedem Erwachsenen stolz, den natürlich für mich nicht verwertbaren Reißverschluss zwischen meinen Beinen. Meine mindere Rolle in der (Arbeits-)Welt ist mir erst bei meinem ersten Praktikum in einem renommierten österreichischen Möbelhaus bewusst geworden. Ich verdiente bei gleicher Arbeit 1/3 weniger als mein männlicher Praktikumskollege. Auf meine Frage bezüglich einer Begründung, bekam ich von meinen Vorgesetzten die müde Antwort: „Das ist halt so.“ Aha …

 „Geht es den Frauen besser?“

Alljährlich zum Internationalen Frauentag stellt sich mir die Frage: Geht es mir, den Frauen besser? Hat sich was verändert? Arbeitstechnisch, Work-Life-Balance-mäßig, finanziell, rechtlich, privat … ?
Wenn ich von mir spreche: Ehrlich, nein. Aber noch habe ich nicht die Flinte ins Korn geworfen und weise – bei Gelegenheit – auf Ungerechtigkeiten hin. In diesem Artikel konterkariere ich mehr als hundert Jahre alte Forderungen von Frauen mit Blitzlichtern auf die eher triste gegenwärtige Situation von Frauen.

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn

GehaltDiese Forderung ist etwa gleich alt wie der Frauentag selbst. Mittlerweile gibt es auch einen jährlichen Equal-Pay-Day, der Frauen schmerzlich aufzeigt, ab wann wir den Rest des Jahres gratis arbeiten. Österreich ist, was die Lohnschere zwischen Frauen- und Männereinkommen betrifft, an vorletzter Stelle in Europa, die rote Laterne gebührt Estland. Und das trotz eines Vergleichs der Bruttostundenverdienste standardisierter Löhne und Gehälter von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft, der besagt, dass sich der Gender Pay Gap laut Eurostat von 25,5% 2006 auf 23,4% 2012 verringert hat.

Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben

Um Kindererziehung, Beruf und Haushalt unter einen Hut zu bringen, landen viele Frauen in der Teilzeitfalle. Stark betroffen sind etwa weibliche Angestellte im Handel. Dieser hat die Wirtschaftskrise unbeschadet überstanden, trotzdem fehlen Möglichkeiten für Weiterbildung oder gute Erwerbschancen für die ArbeitnehmerInnen. 47 Prozent der Stellen im Handel sind Teilzeitstellen, 90 der 100 Teilzeitangestellten sind Frauen. Viele sind unfreiwillig Teilzeit beschäftigt und „working poor“ – sie können mit ihrem Gehalt nicht die Rechnungen zahlen …

Mehr Frauen in Führungs- und Entscheidungspositionen!

Jedes zehnte deutsche Unternehmen (11 %) hat keine Frau in der Geschäftsführung, so eines der Ergebnisse der Arbeitsmarktstudien von Robert Half, bei der 400 HR- und Finanzmanager befragt wurden. Als Gründe dafür nannten Befragte vor allem das traditionelle Rollenbild der Frauen (66 % Zustimmung) und die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf (65 % Zustimmung). Nur 15 % waren der Ansicht, dass sich Frauen Karrierechancen durch fehlenden Ehrgeiz selbst verbauen. Einzig dem Finanz- und Rechnungswesen attestierten die Befragten einen positiven Wandel und damit 66% der Frauen bessere Aufstiegschancen. Als besonders geeignete Schritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung im Berufsleben bezeichnen 52 % der Studienteilnehmer etwa flexible Arbeitsmodelle und die Möglichkeiten zum Job-Sharing sowie frühe Förderung von Mitarbeiterinnen.

Zahlenspiele bis ins Unendliche

Im Vergleich dazu hat sich (laut „Frauen-Management-Report 2014“ der Arbeiterkammer Wien) der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten, beziehungsweise umsatzstärksten Top-200-Unternehmen in Österreich  gegenüber dem Vorjahr um marginale 0,5 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent erhöht. Beispielsweise nur 34 von 606 Geschäftsführungsstellen sind mit Frauen besetzt. Die Zahlenspiele können bis ins Unendliche fortgeführt werden: der  
österreichischen Bundesregierung gehören neben 11 Männern nur 5 Frauen an, in der Steiermark gehört nach dem Abgang einer Landesrätin nur mehr eine Frau der Landesregierung an, sie muss sich neben 8 Männern behaupten … Trotzdem oder gerade deswegen begeben sich am und rund um den 8. März zahlreiche Frauen in Österreich auf die Straße um für ihre Rechte zu protestieren und bei Frauenfesten sich selbst zu feiern – ich bin eine davon, trotz verletztem Sprunggelenk.

Hintergrund zum Weltfrauentag:

Entstanden ist die Idee zu einem Internationalen Frauentag auf der 2. Internationalen Frauenkonferenz der Sozialdemokratischen Partei in Kopenhagen im August 1910. 100 Frauen aus 17 Nationen unterstützten die Initiative. Die Hauptanliegen damals waren die Einführung des Frauenwahlrechts, Gleichberechtigung und Frieden.

internationalerfrauentag.at

Linktipps:

accenture.com/iwd2014

diestandard.at/1392686463906/AK-Studie-Benachteiligte-im-Handel-sind-Frauen

diestandard.at/1392685861862/Oesterreich-Zahl-der-Frauen-in-Aufsichtsraeten-steigt-nur-marginal

Bildnachweis: Raisa Kanareva /Quelle Shutterstock, Africa Studio /Quelle Shutterstock

Redaktion

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